Partnerschaftsvertrag USA und Deutschland schließen All-Pakt

Deutschland verbündet sich mit der stärksten Raumfahrtnation: In Zukunft wollen die Nasa und das DLR enger zusammenarbeiten - und haben jetzt einen Vertrag unterzeichnet. Der Deal ist für beide Nationen eine große Chance, besonders im Fokus steht der Mond.
Mondoberfläche in Falschfarben: Der Erdtrabant steht im Fokus des DLR und der Nasa

Mondoberfläche in Falschfarben: Der Erdtrabant steht im Fokus des DLR und der Nasa

Foto: NASA/JPL/DLR

Die beiden sahen wie ein Paar auf Hochzeitsreise aus. Wer Lory Garver, Vizechefin der US-Weltraumbehörde Nasa und Jan Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), im Sommer auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung erlebte, der konnte sich dieses Eindrucks kaum erwehren. Da wurde freundlich gezwinkert, gescherzt und ausnehmend viel gelacht. Es sei etwas "ganz besonderes", dass Garver nach Berlin gekommen sei, sagte Wörner. "Für uns ist die Nasa ein ganz besonderer Partner."

Jetzt haben DLR und Nasa einen Vertrag unterschrieben, der beide Staaten im All näher zusammenrücken lässt. "Viele Missionen und Projekte in der Raumfahrt sind durch ihre hohe Komplexität und die damit verbundenen Kosten nur international - zum Beispiel mit der Nasa - zu realisieren", wirbt DLR-Chef Wörner für die Partnerschaftsvereinbarung, die er zusammen mit Nasa-Chef Charlie Bolden unterzeichnet hat.

Bereits Anfang des Jahres hatte Wörner den Nasa-Chef in Stuttgart zu einem Gespräch begrüßt. Die öffentlich inszenierten Zeichen nach den beiden Treffen waren jeweils eindeutig: Die USA wollen in Raumfahrtdingen nicht mehr nur ihr eigenes Süppchen kochen, sondern setzen verstärkt auch auf Kooperation - zumindest da, wo sie ihnen nützlich erscheint. Das ist ein bemerkenswerter Vorgang, denn bisher war das Verhältnis zu anderen Ländern durch die grundlegende Auffassung geprägt: amerikanische Missionen, werden von Amerikanern realisiert. Die Öffnung der USA ist für Deutschland eine große Chance - die es im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten wahrnehmen wird.

Umfassende Pläne

Der Vertrag deckt ein weites Themenspektrum in der Luft- und Raumfahrtforschung ab: Erdbeobachtung, Experimente auf der Internationalen Raumstation, Raumflugbetrieb, Planetenforschung, aber auch wissenschaftliche Studien zu den Klimawirkungen des Luftverkehrs zum Beispiel. Selbst Raumfahrzeuge wollen die beiden Agenturen in Zukunft vielleicht gemeinsam entwickeln. Außerdem sind gemeinsame Starts von Forschungsraketen und -ballons geplant. Auch Personal und Daten sollen einfacher als bisher zwischen beiden Seiten des Atlantiks ausgetauscht werden.

Eine Vereinbarung dieser Art muss natürlich mit Leben erfüllt werden. Das kann dauern - und im Detail auch durchaus schwierig sein, zumal beide Agenturen mit einer dramatisch unterschiedliche Finanzausstattung an die Arbeit gehen. Aktuell arbeiten DLR und Nasa aber zum Beispiel schon beim fliegenden Infrarot-Teleskop "Sofia" zusammen. Eine umgebaute Boeing 747 mit dem 2,5-Meter-Spiegel hat Anfang des Monats ihren ersten Routineflug absolviert. Nachdem sich das Millionenprojekt zwischenzeitlich massiv verzögert hatte, konnten sich die Forscher endlich über hochwertige Beobachtungen ohne Störungen durch den Wasserdampf in der Erdatmosphäre freuen.

Das DLR lobt den neuen Vertrag als wichtig, auch über das eigene Haus hinaus. Das Zentrum verspricht, dass von der Vereinbarung auch andere deutsche Forschungseinrichtungen profitieren werden, zum Beispiel die Institute der Max-Planck-Gesellschaft. Auch für die Raumfahrtindustrie böten sich durch den Vertrag neue Chancen.

Einen besonderen Schwerpunkt in der Partnerschaft soll die Erforschung des Mondes bekommen. Weil die Amerikaner ihre Pläne für eine bemannte Landung kassiert haben, macht eine verstärkte Zusammenarbeit aus Sicht Washingtons wohl besonders viel Sinn - schließlich gelten deutsche Forscher als führend auf dem Gebiet der Robotik. Ein spezieller Vertrag, das Lunar Science Institute Agreement, regelt die wissenschaftliche Kooperation bei der zukünftigen Erkundung des Erdtrabanten.

In der gerade veröffentlichten Raumfahrtstrategie Deutschlands ist die verstärkte internationale Kooperation als Ziel festgeschrieben. Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Papiers folgen nun also Taten - auch wenn die freilich schon monatelang geplant gewesen sein dürften. Einzigartig ist das bilaterale Abkommen mit der Nasa freilich nicht. So haben die Amerikaner mit den Italienern einen Vertrag über die Beförderung von Astronauten geschlossen. Deswegen finden sich unter den sechs neuen europäischen Astronauten gleich zwei Italiener.

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