Komet Tschuri Forscher entdecken "Philae" auf Foto

Das Schicksal des kleinen Landeroboters bewegte Millionen, nun haben Forscher seine "Leiche" entdeckt: auf einem hochaufgelösten Foto des Kometen Tschuri. Das Bild zeigt die hoffnungslose Lage des Apparats.
"Philae" ist rechts im Schatten an seinen Beinen zu erkennen

"Philae" ist rechts im Schatten an seinen Beinen zu erkennen

Foto: ESA/ Rosetta/ MPS

Vor mehr als einem Jahr brach der Kontakt zum Landeroboter "Philae" auf dem Kometen Tschuri ab - nun hat die Raumsonde "Rosetta" ihn kurz vor dem Ende ihrer Mission wiedergefunden.

Bilder der hochauflösenden Kamera von "Rosetta" zeigten, dass "Philae" schräg in einer dunklen Felsspalte des Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko liegt, berichtet Europas Raumfahrtagentur Esa.

Die Esa-Forscher hatten im Juli 2015 das letzte Mal Kontakt zu "Philae" gehabt. Am 27. Juli dieses Jahres stellte "Rosetta" ihre Versuche ein, den Kontakt wiederherzustellen. "Rosetta" befindet sich in einem Orbit um Tschuri und war auch für die Funkverbindung zu "Philae" zuständig. Der Komet wiederum entfernt sich immer weiter von Sonne und Erde, er erreicht erst im Jahr 2022 wieder den sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn.

Endlich Gewissheit

Der kühlschrankgroße "Philae"-Roboter ist das Landegrät der europäischen Kometenmission "Rosetta". Die "Rosetta"-Sonde hatte im August 2014 mit "Philae" huckepack ihren Tschuri genannten Zielkometen erreicht. Während die "Rosetta"-Muttersonde seitdem den Kometen umkreist, setzte "Philae" am 12. November 2014 auf der Kometenoberfläche auf - als erstes von Menschen geschaffenes Gerät.

Allerdings kam die Landesonde auf Tschuri erst nach mehreren Hüpfern an einer schattigen Stelle abseits des ursprünglich geplanten Landeplatzes zum Stehen. Wo genau, das zeigt nun erstmals die neue Aufnahme der "Rosetta"-Sonde - siehe Fotostrecke:

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Komet Tschuri: "Philae" gefunden

Foto: ESA/ Rosetta/ MPS

Mangels Sonnenlicht bekamen die Solarpanel von "Philae" nicht genug Energie - nach nur gut 60 Stunden wissenschaftlicher Arbeit fiel der Lander wegen Energiemangels in einen siebenmonatigen Kälteschlaf.

Erst am 13. Juni 2015 meldete sich der Landeroboter erstmals wieder bei seiner Muttersonde. Nach weiteren Kontaktaufnahmen schickte "Philae" dann am 9. Juli 2015 ein letztes Lebenszeichen - danach verstummte die Sonde. Die Wissenschaftler konnten trotz intensiver Suche nicht mit letzter Gewissheit klären, wo "Philae" genau auf dem Kometen gelandet war.

"Wir sind so glücklich, 'Philae' endlich gefunden zu haben", sagte Laurence O'Rourke, bei der Esa zuständig für die Fahndung nach "Philae" mit der Osiris-Kamera. Aus 2,7 Kilometern Abstand gelang am 2. September das entscheidende Foto. Dank der Auflösung von nur 5 Zentimetern pro Pixel sind zwei der drei Beine und die Umrisse des Landeapparats gut zu erkennen.

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"Rosetta"-Mission: Over und aus

Foto: Rosetta Navcam ESA/ AP

"Wir dachten schon, 'Philae' würde für immer verschollen bleiben", sagte Patrick Martin, Manager der "Rosetta"-Mission bei der Esa. "Es ist unglaublich, wir haben ihn auf den letzten Drücker aufgespürt."

Die Entdeckung des Landers ist auch deshalb wichtig, weil sie den Wissenschaftlern bei der Beurteilung der Messdaten hilft, die "Philae" während seiner kurzen Lebenszeit gesammelt hat. Dafür sind genaue Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Standorts wichtig.

Kamikaze-Manöver zum Abschluss

Die Forscher hoffen sogar auf noch bessere Fotos der Landestelle. Denn sie wissen nun, wie sie die Kamera von "Rosetta" ausrichten müssen. Viel Zeit haben sie dafür nicht. Am 30. September wird "Rosetta" selbst eine Landung auf dem Kometen versuchen.

"Rosetta" soll sich mit einer Geschwindigkeit von rund 50 Zentimetern pro Sekunde dem Kometen nähern, halb so schnell wie einst "Philae". Ob die Sonde, die gar nicht für eine Landung konstruiert wurde, dann tatsächlich zum Stehen kommt oder wegen der geringen Gravitationskraft wieder zurück ins All federt, weiß niemand.

hda/AFP
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