Fotostrecke

"Phobos-Grunt": Sag zum Abschied leise "Do swidanja"

Foto: dapd/ Fraunhofer FHR

"Phobos-Grunt" Kosmische Strahlung soll Marsmond-Sonde verwirrt haben

Kosmische Strahlung ist für den Absturz der russischen Marsmond-Sonde "Phobos-Grunt" verantwortlich - das ist das Ergebnis der offiziellen Untersuchung. Demnach war das 127-Millionen-Euro-Raumfahrzeug voller Elektronik, die für das Weltall gar nicht geeignet war.

Moskau - Es war keine Verschwörung, auch nicht das Radar der Amerikaner: Ordinäre kosmische Strahlung war wahrscheinlich für das Versagen der Sonde "Phobos-Grunt" verantwortlich. Zu diesem Ergebnis ist die russische Weltraumbehörde Roskosmos jetzt nach einer Untersuchung des Vorfalls gekommen.

Zwei Komponenten des Computersystems seien während der zweiten Erdumrundung in einen energiesparenden Restart-Modus gegangen, sagte Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin am Dienstag laut russischen Nachrichtenagenturen. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass der wahrscheinliche Grund dafür "lokale Einwirkungen schwerer kosmischer Partikel" gewesen sei. Unklar blieb, warum die betroffenen Computerkomponenten nicht wieder in den normalen Betriebsmodus versetzt werden konnten.

Der Ausfall der Sonde war für die russische Raumfahrt ein schwerer Schlag. Anfangs deutete Popowkin noch an, ausländische Sabotage könne ein möglicher Grund für den Defekt gewesen sein. Auch von der Strahlung einer amerikanischen Radarstation war die Rede.

Unzureichender Schutz vor Strahlung

Am Dienstag präsentierte Popowkin in Woronesch dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Dmitri Rogosin den Untersuchungsbericht. Einige der zum Bau der Sonde verwendeten Mikrochips seien importiert worden und hätten möglicherweise nicht die hohe Qualität aufgewiesen, um der Strahlung zu widerstehen, erklärte Popowkin. Er machte dafür den Moskauer Hersteller NPO Lawotschkin verantwortlich. Dieser hätte damit rechnen müssen, dass Strahlung den Betrieb der Sonde stört. Die Verantwortlichen würden bestraft, kündigte Popowkin an.

Juri Koptew, Leiter der staatlichen Untersuchungskommission, sprach gar von möglicherweise gefälschter Hardware im Bordrechner, die Russland in Asien eingekauft habe. Eine Prüfung habe ergeben, dass ein Großteil der Elektronik der etwa 13,5 Tonnen schweren Sonde wohl nicht zur Verwendung im All geeignet war. Der Computer sei unzureichend gegen Strahlung geschützt gewesen.

Die Ursache der Panne ist nach Informationen der Zeitung "Moskowski Komsomolez" mitentscheidend für die Auszahlung der Versicherungssumme. Roskosmos werde der Verlust nur dann ersetzt, wenn die Behörde auch "äußere Einflüsse" nachweisen könne, sagte ein namentlich nicht genannter Insider dem Blatt.

127-Millionen-Euro-Fehlschlag

Die 127 Millionen Euro teure Sonde war am 9. November 2011 vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan gestartet. Allerdings zündeten die Marschtriebwerke für den Weiterflug zum Marsmond Phobos nicht. Dort sollte die Sonde Bodenproben nehmen und diese 2014 zur Erde bringen. Am 15. Januar stürzten Trümmer der Sonde in den südlichen Pazifik.

Das russische Raumfahrtprogramm musste in den vergangenen Monaten verschiedene Rückschläge hinnehmen. Im August stürzte ein unbemannter Raumtransporter auf dem Weg zur internationalen Raumstation ISS ab. In der Folge wurden bemannte Flüge zur ISS verschoben, weil zuerst der Defekt an der Sojus-Trägerrakete aufgeklärt werden sollte. Eine Rakete ähnlichen Typs sollte auch die Astronauten zur ISS tragen.

Am Dienstag meldeten russische Nachrichtenagenturen, dass ein für den 30. März geplanter Flug zur ISS um 45 Tage verschoben wurde, weil bei Tests festgestellt worden sei, dass die Versiegelung der Sojus-Raumkapsel nicht einwandfrei funktionierte.

Falls die Raumfahrtnation Russland international erfolgreich sein wolle, müsse Roskosmos bis 2030 jährlich fünf Milliarden Euro aus dem Staatsbudget erhalten, sagte Popowkin. Er bekräftigte, dass Russland die gescheiterte Mission zum Marsmond Phobos wiederholen wolle. Priorität habe aber ein gemeinsames Vorhaben mit der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Bei dem rund 650 Millionen Euro teuren Projekt "ExoMars" soll eine russische Rakete ein Forschungsfahrzeug vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana zum Mars bringen.

mbe/dpa/dapd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.