"Phoenix" Forscher wollen flüssiges Wasser auf dem Mars nachgewiesen haben

Die Marssonde "Phoenix" hat möglicherweise zum ersten Mal flüssiges Wasser auf dem roten Planeten beobachtet. Forscher glauben, dass ein spezielles Salz dafür sorgt, dass die Flüssigkeit trotz extremer Temperaturen nicht gefriert.


London - Als die Sonde "Phoenix" im vergangenen Mai rückwärts auf dem Mars einparkte, könnte sie flüssiges Wasser aufgewirbelt haben. Das vermutet jedenfalls ein internationales Forscherteam, das Bilder des Planetenspähers ausgewertet hat. Auf ihnen sind auf dem Gestell von "Phoenix" zahlreiche kleine Kügelchen zu sehen. "Das Problem war, dass man sich lange nicht klar darüber war, was da zu sehen ist", sagt Ulrich Christensen vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Zwei Forscher des Instituts gehören zu den Co-Autoren eines Papers, mit dem die Erkenntnisse Ende März auf der "Lunar and Planetary Science Conference" in Texas vorgestellt werden sollen.

Auch der Chefwissenschaftler der Mission, Peter Smith von der University of Arizona in Tucson, hat das Papier mit verfasst. Die Forscher kamen nach eigenen Angaben zu der Überzeugung, dass es sich bei den Kügelchen um Wasser handeln könnte, weil sich Form und Zusammensetzung mehrfach änderten. Auf drei Bildern von den Missionstagen 8, 31 und 44 ist zu sehen, wie sich offenbar zwei der Tröpfchen zu einem größeren vereinigen und langsam wegzufließen scheinen. Direkt unter der Sonde hatten Forscher bereits zu Beginn der Mission einen Eisblock ausgemacht, später wiesen sie auch in Bodenproben Wassereis nach und beobachteten Schneefall in der Mars-Atmosphäre, der aber nicht den Boden erreichte.

Nach den bisherigen Annahmen verdampft Eis auf dem Mars zwar unter bestimmten Umständen, liegt jedoch nicht in flüssiger Form vor. Die "Phoenix"-Bilder lassen nun jedoch Zweifel an dieser These aufkommen. Doch wo soll das Wasser eigentlich herkommen? Möglicherweise hätten die Schubdüsen der Sonde das Wasser bei der Landung aus einer Eisschicht geschmolzen und hochgewirbelt, vermuten die Wissenschaftler. Allerdings ist es auf dem Mars selbst tagsüber so kalt, dass es eigentlich kein flüssiges Wasser geben dürfte. Während der fünfmonatigen "Phoenix"-Mission wurde es an der Planetenoberfläche nie wärmer als minus 20 Grad Celsius.

Doch auch dafür haben die Forscher eine Theorie: Sie vermuten, dass Zusatzstoffe das Wasser flüssig halten könnten: "Das kann kein reines Wasser sein. Wahrscheinlich handelt es sich um eine starke Salzlösung", sagt Forscher Christensen. "Phoenix" hatte an der Landestelle sogenannte Perchlorate nachgewiesen. Diese Salze sind die Trockenform einer starken Säure und können in hoher Konzentration den Gefrierpunkt von Wasser auf unter minus 70 Grad Celsius absenken. Das Salz ist hygroskopisch, zieht also eventuell vorhandenes Wasser an.

Viele Nischen auf dem Mars könnten flüssiges Salzwasser enthalten, vermuten die Forscher nun. Dass sich dort Leben entwickelt hat, halten sie für möglich, aber unwahrscheinlich: Zwar gebe es auf der Erde zahlreiche Beispiele für Mikroorganismen, die unter extremen Bedingungen lebten, jedoch könne kein bisher bekanntes Lebewesen einen so hohen Salzgehalt verkraften.

Genauer überprüfen können die Wissenschaftler ihre Ergebnisse allerdings vorerst nicht. "Phoenix" hat mittlerweile seinen Dienst aufgegeben. Durch den Winter in der nördlichen Polarregion des Mars gab es nun nicht mehr genug Sonnenlicht, um die Solarzellen der Sonde zu versorgen. Ein Staubsturm verdunkelte die Sonne zusätzlich und gab "Phoenix" so den Rest.

chs/ddp



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