"Phoenix"-Mission Sonde könnte Eis auf dem Mars entdeckt haben

Ein fast ein Meter großer weißer Fleck direkt unter der Raumsonde "Phoenix" lässt Forscher frohlocken: Das Gerät könnte beim Anflug wie ein kosmischer Hochdruckstrahler funktioniert - und Eis freigelegt haben.


Washington - Was haben die Nasa-Forscher gezittert. Als die Mars-Sonde "Phoenix" vor rund einer Woche im Anflug auf den Mars war, hatten die Wissenschaftler Angst, dass ihr Planetenspäher den Abstieg in die Mars-Atmosphäre nicht überstehen könnte. Schon zu oft waren Raumgefährte bei Landeversuchen auf dem Roten Planeten gescheitert. Doch diesmal funktionierten Hitzeschild und Fallschirm, die Bremsraketen von "Phoenix" zündeten im richtigen Moment.

Möglicherweise haben die Düsen dabei wie ein kosmischer Hochdruckreiniger gewirkt. Forscher haben auf dem Boden unter der Sonde nämlich einen fast runden weißen Fleck entdeckt. Ihre These: Der Strahl der Triebwerke könnte bei der Landung Mars-Staub weggeblasen und darunter gelegenes Wassereis freigepustet haben. Knapp einen Meter im Durchmesser misst die betreffende Stelle. Zu sehen ist sie auf einem Schwarzweißbild, das die in Deutschland entwickelte Kamera auf dem Greifarm der Sonde geliefert hat.

Untersuchungen in den kommenden Tagen sollen Klarheit bringen. Die Analyse von Eis ist eine der Hauptaufgaben von "Phoenix". Die Sonde soll deswegen mit einer Schaufel im Boden graben. In verschiedenen Mini-Labors auf der Oberseite der Sonde sollen die Funde dann analysiert werden.

Nach einem Kommunikationsproblem in der vergangenen Woche, haben die Nasa-Forscher auch derzeit mit kleineren technischen Widrigkeiten zu kämpfen: So hat sich offenbar in einem Spezialofen an Bord der Sonde, in dem Bodenproben erhitzt werden sollen, ein Kurzschluss ereignet. Trotz der Panne zeigten sich Wissenschaftler jedoch zuversichtlich, dass das Gerät dank eines Reserve-Glühdrahts beinahe mit voller Kapazität arbeiten kann. Der Ofen ist Teil eines zentralen Instruments an Bord der "Phoenix", das Proben auf organisches Material und damit auf Spuren von Leben auf dem Roten Planeten untersucht. Zuletzt hatten Harvard-Forscher Nicholas Tosca und zwei seiner Kollegen allerdings ohnehin einen Aufsatz veröffentlicht, nach dem es auf dem Mars niemals Leben gegeben hat, wie wir es kennen: Der Rote Planet sei zu salzig gewesen.

Auch im Internet lief für "Phoenix" nicht alles ganz nach Plan. Ein Hacker hatte sich zeitweise in einer der offiziellen Seiten der Sonde geklinkt - und dort öffentlich zugängliche Informationen ausgetauscht. Ein Text über die jüngsten Entwicklungen des dreibeinigen Raumgefährts wurde durch einen Link auf Webseite des Hackers ersetzt. Nachdem Techniker der Universität von Arizona in Tucson das Problem bemerkt hatten, verschwand die "Phoenix"-Seite für einige Stunden aus dem Netz, bis alles wieder normal lief.

chs/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.