Tschüss, "Planck" Esa schickt letzten Befehl an Weltraumteleskop

Wie sah das Universum kurz nach seiner Geburt aus? Das Teleskop "Planck" hat auf diese Frage aufregende Antworten geliefert. Doch jetzt wurde das Observatorium abgeschaltet. Für mindestens 300 Jahre wird es draußen im All seine Bahnen ziehen.

"Planck"-Teleskop (grafische Darstellung): "'Babyfoto' des Universums"
AP / dpa / Esa Planck Collaboration

"Planck"-Teleskop (grafische Darstellung): "'Babyfoto' des Universums"


Viereinhalb Jahre lang kreiste das Esa-Teleskop "Planck" im Dienst der Wissenschaft um die Erde. Doch jetzt ist sein Einsatz zu Ende. Am Mittwochnachmittag schickte das Raumflugkontrollzentrum der Esa in Darmstadt (Esoc) den letzten Steuerbefehl an das Zwei-Tonnen-Observatorium. Das zieht nun weit von der Erde entfernt seine Bahnen als ein großer Berg von Hightech-Schrott.

Mit Hilfe von "Planck" hatten Forscher die Reststrahlung des Urknalls beobachtet, genauer gesagt die sogenannte kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung. Die Messungen waren deutlich präziser als die Nasa-Vorgängermissionen "Cobe" oder "Wmap" beziehungsweise ein sowjetisches Instrument auf dem Satelliten "Prognoz 9".

Die Strahlung zeugt von der Zeit, als das Universum gerade einmal 380.000 Jahre alt war. Heute sind es 13,8 Milliarden Jahre - auch das hat das Teleskop herausgefunden.

Außerdem, das zeigen im März veröffentlichte Zwischenergebnisse, ist der Kosmos etwas anders zusammengesetzt, als man glaubte. Durch die "Planck"-Daten ergibt sich bei der Masse- beziehungsweise Energiedichte folgende Verteilung:

  • Dunkle Materie: 26,8 Prozent (bisherige Annahme: 22,7 Prozent)
  • Gewöhnliche Materie: 4,9 Prozent (bisherige Annahme: 4,5 Prozent)
  • Dunkle Energie: 68,3 Prozent (bisherige Annahme: 72,8 Prozent)

"Das von Planck erstellte Bild der kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung ist das bisher schärfste 'Babyfoto' des Universums", sagt Alvaro Giménez, Esa-Direktor für Wissenschaft und robotische Exploration. "Die Fülle der von unseren Kosmologen noch auszuwertenden Daten wird uns weitere Einzelheiten verschaffen."

Kühlmittel aufgebraucht

Das Knifflige an der Mission: Die Instrumente des Observatoriums mussten auf nur ein Zehntel Grad oberhalb des absoluten Nullpunkts heruntergekühlt werden. Nur so wurden die schwachen Mikrowellensignale nicht durch die Eigenwärme des Satelliten verzerrt.

"Planck" konnte dadurch Temperaturschwankungen von wenigen Millionstel Grad erfassen. Das klappte soweit ziemlich gut. Ursprünglich sollte der gesamte Himmel zwei Mal komplett abgesucht werden. Am Ende schafften die beiden Instrumente an Bord fünf gemeinsame Durchläufe. Und eines der beiden kam sogar auf acht.

Das zur Kühlung genutzte Flüssige Helium wurde dabei nach und nach aufgebraucht. Der Kühlmittelvorrat des Hochfrequenzinstruments ging im Januar 2012 zu Ende. Das Niedrigfrequenzinstrument konnte bis zum 3. Oktober dieses Jahres genutzt werden - und musste dann rund zwei Wochen später ebenfalls abgeschaltet werden. "Wir waren sehr bedrückt, als wir die letzten Betriebsabläufe an 'Planck' vorgenommen haben", sagt Steve Foley, "Planck"-Flugbetriebsleiter im Esoc.

Das Teleskop war weit jenseits des Mondes positioniert, am sogenannten Lagrangepunkt 2. Dort, etwa 1,5 Millionen Kilometer außerhalb der Erdbahn, waren die Instrumente durch die Erde besonders gut geschützt vor der Sonnenstrahlung. Von seinem Einsatzort aus war das Teleskop nach Angaben der Esa ab August auf eine noch entfernter gelegene Parkbahn bewegt worden. Dabei wurden auch die letzten Treibstoffreste aufgebraucht. Ein Auffüllen war nie vorgesehen. Die neue Bahn soll dafür sorgen, dass die Erde das Teleskop zumindest in den kommenden 300 Jahren nicht wieder einfängt - und es weiter in der Stille des Alls seine Bahnen zieht.

chs



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Mario V. 23.10.2013
1. in den kommenden 300 Jahren
Warum parkt man ausgemusterte Satelliten irgendwo im All, wo immer noch die Möglichkeit besteht, dass das Ding zu uns zurückkommt? Wenn schon eine neue Umlaufbahn, warum dann nicht eine, auf der das Teil irgendwann in die Sonne stürzt?
Layer_8 23.10.2013
2. Thx esa
Zitat von sysopAP / dpa / Esa Planck CollaborationWie sah das Universum kurz nach seiner Geburt aus? Das Teleskop "Planck" hat auf diese Frage aufregende Antworten geliefert. Doch jetzt wurde das Observatorium abgeschaltet. Für mindestens 300 Jahre wird es draußen im All seine Bahnen ziehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/planck-esa-schickt-letzten-befehl-an-weltraumteleskop-a-929580.html
Das Ding war sein Geld wert! Alleine wegen der gefundenen globalen Anisotropie der Hintergrundstrahlung. Vielleicht ist der "Wert" seiner Messungen sogar noch größer, als die bisherigen Ergebnisse des LHC. Die Bestätigung des Higgs-Bosons war ja eher eine "Formalie". Am besten bald nochmal so ein Gerät hochschießen. Noch empfindlicher.
wolfi7777 23.10.2013
3. Wehmut!
Da wird einem Science Fiction Fan weh ums Herz - ob das Gerät vielleicht irgend wann (in Millionen jahren ...) von einer fremden Zivilisation eingefangen wird ? Gute Reise, Planck!
bbr1960 23.10.2013
4. Weil das enorm viel Treibstoff kostet.
Zitat von Mario V.Warum parkt man ausgemusterte Satelliten irgendwo im All, wo immer noch die Möglichkeit besteht, dass das Ding zu uns zurückkommt? Wenn schon eine neue Umlaufbahn, warum dann nicht eine, auf der das Teil irgendwann in die Sonne stürzt?
Damit das Teil in die Sonne stürzt, muss fast die gesamte Bewegungsenergie neutralisiert werden. Das kostet enorm viel Treibstoff. Die Sonne ist der am schwersten zu erreichende Körper im Sonnensystem. Und was soll schon schlimmstenfalls passieren? Es stürzen dauernd Satelliten ab.
Derix 23.10.2013
5.
Zitat von Mario V.Warum parkt man ausgemusterte Satelliten irgendwo im All, wo immer noch die Möglichkeit besteht, dass das Ding zu uns zurückkommt? Wenn schon eine neue Umlaufbahn, warum dann nicht eine, auf der das Teil irgendwann in die Sonne stürzt?
Das ist nicht so einfach möglich, wie du dir das vorstellst. Und des weiteren gibt es auch keinen Grund dazu, selbst wenn das Teil die Erde erreichen sollte bricht es halt auseinander und verglüht großteils. Satelliten haben immer eine Ellipsenbahn um den Zentralkörper (hier Sonne). Wenn man die Geschwindigkeit erhöht ist die Ellipsenbahn größer aber sie bleibt eine geschlossene Ellipse. Bremst man ab wird die Kreisbahn kleiner. Um in die Sonne zu "stürzen" muss man die Kreisbahn auf Null reduzieren, d.h. die Satelliten komplett auf Null abbremsen und das kostet immens(!) Energie.
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