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"Planck" Teleskop zeigt Weltall in hoher Präzision

Genauer als jemals zuvor soll das Teleskop "Planck" die Mikrowellen-Strahlung im Universum vermessen. Nun haben Esa-Forscher aus seinen Daten eine erste, faszinierende Himmelskarte hergestellt.

Paris - Das Echo des Urknalls so genau vermessen wie nie zuvor, diese Aufgabe hat die europäische Weltraumorganisation Esa ihrem Weltraumteleskop "Planck" beim Start im vergangenen Jahr mit auf den Weg gegeben. Zusammen mit dem Superteleskop "Herschel" war der knapp zwei Tonnen schwere Satellit im Mai 2009 ins All geschossen worden. Seine Aufgabe: Mit nie gekannter Präzision im sogenannten Mikrowellen-Hintergrund nach extrem schwachen Temperaturschwankungen fahnden.

Nachdem "Planck" bereits erste Detailaufnahmen geliefert hat (siehe Fotostrecke), gibt es nun die erste vollständige Himmelskarte. "Genau für diesen Augenblick wurde 'Planck' geschaffen", jubilierte der Esa-Direktor für Wissenschaft und Robotische Exploration, David Southwood, am Montag.

Fotostrecke

"Planck"-Bilder: Kosmos-Staub und Urknall-Echo

Foto: ESA and the HFI Consortium, IRAS/ dpa

Doch genaugenommen geht für die Forscher die Arbeit nun erst los. In der Bildmitte der Aufnahme findet sich die Hauptscheibe unserer Galaxie, nach oben und unten flankiert von Bändern aus kaltem Staub, wo neue Sterne entstehen. Die Strahlung der Milchstraße verdeckt aber einen Großteil des Mikrowellen-Hintergrunds, der nur wenige hunderttausend Jahre nach dem Urknall entstanden sein soll. Deswegen muss unsere Galaxie nachträglich aus den Beobachtungsdaten getilgt werden. Nur so lassen sich die Schwankungen des Mikrowellen-Hintergrunds - es geht um Millionstel Grad - vollständig erkennen.

Auf der neuen Aufnahme ist die kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung bereits als gesprenkelter Bereich an der Bildober- und unterseite zu erkennen. Unterschiedliche Farben markieren Schwankungen in Temperatur und Dichte. Zu sehen ist in diesen Bildbereichen das älteste Licht im Universum. Es erlaubt den Forschern einen Blick zurück in die Zeit, bevor sich aus winzigen Unregelmäßigkeiten die Sterne und Galaxien bildeten.

Insgesamt viermal soll "Planck" während seiner Lebenszeit den gesamten Himmel kartieren - und zwar so präzise wie noch kein Satellit vor ihm. Im Jahr 2012 soll dann aber das zur Kühlung der Instrumente verwendete Helium komplett verdampft sein. Weil der Satellit rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist, kann das Kühlmittel auch nicht noch einmal nachgefüllt werden.

Deswegen hoffen die Forscher darauf, dass sie aus den bis dahin gelieferten Daten schon genug Interessantes herauslesen können. Anfang kommenden Jahres wollen sie schon einmal einen Katalog mit einzelnen Objekten unserer Galaxie veröffentlichen. Und auch weit entfernte Galaxien sollen im Detail gelistet werden.

chs