Super-Saturn Der wahre Herr der Ringe

Gigantische Erscheinung im All: Der Planet J1407B hat ein Ringsystem, das 200-mal größer ist als das des Saturns. Forscher haben nun ermittelt, wie der Riese von der Erde betrachtet aussehen könnte.

Ron Miller

Der Saturn ist ein wahrer Riese. Die Erde würde mehr als 750-mal in den zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems hineinpassen. Doch neben dem Giganten, den Astronomen kürzlich in den Tiefen des Alls entdeckt haben, ist Saturn nicht mehr als ein Zwerg. Der Planet, den die Forscher bereits vor zwei Jahren im Orbit um den jungen Stern J1407 entdeckt haben, ist nicht nur 30- bis 130-mal schwerer als Saturn - sein Ringsystem ist rund 200-mal größer.

Eric Mamajek von der britischen University of Rochester und Matthew Kenworthy von der Sternwarte im niederländischen Leiden haben nun die Daten des Planeten genauer analysiert. Wie die Forscher in ihrer Studie im "Astrophysical Journal" schreiben, besitzt er ein System aus etwa 30 Ringen - jeder einzelne mit einem Durchmesser von mehreren Millionen Kilometern.

Mamajek und Kenworthy haben den "Super-Saturn" namens J1407B dabei beobachtet, wie er vor seinem Heimatstern vorbeizog. "Die Details aus der Lichtkurve sind unglaublich", sagte Kenworthy. Das Ringsystem sei so riesig, dass es den Stern mehrere Wochen lang verdunkelt habe. Während dieser Zeit habe es immer wieder starke Schwankungen in der Helligkeit gegeben. Die Forscher führen das auf große Lücken zwischen den Ringen zurück. Sie deuten auf die Existenz mindestens eines Mondes hin, der die Ausmaße des Mars oder gar der Erde erreichen könnte.

Wie gigantisch das Ringsystem ist, macht eine Fotomontage deutlich (siehe Bilderstrecke): Legte man die Ringe von J1407B um den Saturn, wären sie von der Erde aus betrachtet mehrere Male größer als der Vollmond.

Mamajek und seine Kollegen sind 2012 im Rahmen des "SuperWASP"-Projekts auf den Stern J1407 und seine ungewöhnlichen Verdunklungen gestoßen. Schon damals stellten die Forscher die Theorie auf, dass ein riesiger Begleiter die Ursache der Helligkeitsschwankungen sein könnte.

Die neuen Analysen haben nun ergeben, dass das Ringsystem einen Durchmesser von fast 120 Millionen Kilometern besitzt. Die Gesamtmasse seiner Staubpartikel entspreche in etwa der der Erde. Zudem tue sich zwischen den Ringen mindestens eine große, klar definierte Lücke auf.

Die Astronomen vermuten, dass sich aus dem Material rund um den Riesenplaneten ein Begleiter geformt und den restlichen Staub in seiner Umlaufbahn eingesammelt hat. "Die Masse des Satelliten könnte zwischen jener der Erde und des Mars liegen", meint Kenworthy. "Er würde J1407B in etwa zwei Erdenjahren einmal umkreisen."

Astronomen hätten seit Jahrzehnten den Verdacht gehegt, dass Planeten wie Jupiter und Saturn in ihrem Frühstadium gigantische Ringsysteme besitzen, aus denen nach und nach Monde entstehen. "Aber bis wir dieses Objekt gefunden haben, hatte noch niemand ein solches Ringsystem gesehen", erklärt Mamajek.

mbe

insgesamt 27 Beiträge
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neanderspezi 29.01.2015
1. Das Universum scheint an außergewöhnlichen Erscheinungen geradezu überzuquellen
Ein Gasplanet in der Fotomontage-Darstellung von der Erde aus betrachtet, sollte dennoch in Kugelform und nicht als Ellipse erscheinen, ganz gleich in welchem Winkel das Objekt zum Betrachter am Himmel steht. Das Ringsystem mag passen, aber Kugel bleibt Kugel aus jeder Beobachtungsposition und die gigantische Kugelform des Gasplaneten sollte sich irgendwie von seinem umgebenden Ringsystem abheben.
Cavaron 29.01.2015
2.
"Sie deuten auf die Existenz mindestens eines Mondes hin, der die Ausmaße der Erde oder gar des Mars erreichen könnte" Das sollte heißen "des Mars oder gar der Erde", denn die Erde ist größer als der Mars. Könnte die lange Verdunklung nicht auch auf eine partielle Dyson-Sphäre zurück gehen? 130-mal schwerer als der Saturn scheint mir schon sehr nahe an der Masse einer Sonne. Unter so viel Masse sollte doch normaler Weise die Fusion zünden, wenn es sich wirklich um einen Gasriesen wie Saturn handelt.
Untertan 2.0 29.01.2015
3. Fehlinterpretation
Zitat von neanderspeziEin Gasplanet in der Fotomontage-Darstellung von der Erde aus betrachtet, sollte dennoch in Kugelform und nicht als Ellipse erscheinen, ganz gleich in welchem Winkel das Objekt zum Betrachter am Himmel steht. Das Ringsystem mag passen, aber Kugel bleibt Kugel aus jeder Beobachtungsposition und die gigantische Kugelform des Gasplaneten sollte sich irgendwie von seinem umgebenden Ringsystem abheben.
Der Planet ist zu klein, um in der Fotomontage sichtbar zu sein. Die Helle Scheibe, die sie für ihn halten, ist der innere Teil des Ringsystems.
Layer_8 29.01.2015
4. Kugelform
Zitat von neanderspeziEin Gasplanet in der Fotomontage-Darstellung von der Erde aus betrachtet, sollte dennoch in Kugelform und nicht als Ellipse erscheinen, ganz gleich in welchem Winkel das Objekt zum Betrachter am Himmel steht. Das Ringsystem mag passen, aber Kugel bleibt Kugel aus jeder Beobachtungsposition und die gigantische Kugelform des Gasplaneten sollte sich irgendwie von seinem umgebenden Ringsystem abheben.
Sie wissen ja nicht, wie schnell der Zentralkörper rotiert. Die Trägheitskräfte machen die Körper zu abgeflachten Ellipsoiden. Eigentlich hat kein Objekt mit Eigendrehimpuls eine Kugelform, da es keine ideale starre Körper gibt. btw Das Saturn'sche Ringsystem ist ungefähr so ausgedehnt wie die Entfernung Erde-Mond.
deprisoph 29.01.2015
5. Der
Zitat von Cavaron"Sie deuten auf die Existenz mindestens eines Mondes hin, der die Ausmaße der Erde oder gar des Mars erreichen könnte" Das sollte heißen "des Mars oder gar der Erde", denn die Erde ist größer als der Mars. Könnte die lange Verdunklung nicht auch auf eine partielle Dyson-Sphäre zurück gehen? 130-mal schwerer als der Saturn scheint mir schon sehr nahe an der Masse einer Sonne. Unter so viel Masse sollte doch normaler Weise die Fusion zünden, wenn es sich wirklich um einen Gasriesen wie Saturn handelt.
Je weiter Naturphänomene von unserem Alltag entfernt sind, desto weniger sollte man mit "Schein"-Annahmen arbeiten. Der Saturn hat ca. ein dreitausendstel der Sonnenmasse, womit der hier erwähnte Planet weniger als ein zwanzigstel einer Sonnenmasse besitzt. Somit fällt er in die Kategorie eines braunen Zwerges. Sonnen entstehen ungefähr ab einer Masse von 0,07 Sonnenmassen. Es hätte also prozentual tatsächlich nicht allzu viel gefehlt und dort wäre ein Doppelsternsystem entstanden - in absouten Zahlen wären aber noch einige Jupiter-Massen (ein Tausendstel der Sonnenmasse) nötig gewesen.
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