Planeten-Schmuck Recycling hält Ringe in Form

Die Ringe um die großen Planeten des Sonnensystems müssten eigentlich schon längst zu Staub zerfallen und ins All entfleucht sein. Forscher entdeckten jetzt, dass ein Recycling-System den Ringen um Saturn, Jupiter, Uranus und Neptun ein langes Leben schenkt.


Aktuelles "Cassini"-Bild vom Saturn: Am 1. Juli 2004 erreicht das Raumschiff den Riesenplaneten
NASA/ JPL/ SSI

Aktuelles "Cassini"-Bild vom Saturn: Am 1. Juli 2004 erreicht das Raumschiff den Riesenplaneten

Werden Monde eines Planeten von Asteroiden oder Kometen getroffen werden, zerbrechen sie in kleinere Trabanten, die ihrerseits zertrümmert werden. Diese Brocken, aus denen die Ringe von Saturn, Jupiter, Uranus und Neptun bestehen, werden durch Kollisionen nach und nach zu immer kleineren Felsen zerstoßen. Nach einigen 100 Millionen Jahren sollte sich ein Ringsystem deshalb eigentlich in Staub aufgelöst haben - was allerdings weit unter der Lebensdauer der etwa viereinhalb Milliarden Jahre alten Planeten unseres Sonnensystems läge.

Dass die Ringe der großen Planeten noch heute existieren, ist nach Berechnungen amerikanischer Forscher das Ergebnis von Recycling. Das Team um Larry Esposito von der University of Colorado in Boulder konnte mittels eines Computermodells nachweisen, dass eine Art kosmisches Recycling in den Zerstäubungsprozess eingreift und ihn deutlich verlangsamt: Wenn ein Mond zerstört wird, fangen benachbarte Monde einen Großteil des freigesetzten Materials ein und geben es nach und nach an das Ringsystem ab.

"Die Monde formen die Planetenringe nicht nur durch ihre Anziehungskraft, sondern von ihnen stammt auch das Ringmaterial", erklärt Esposito. "Einige der Fragmente verklumpen, anstatt zu Staub zermalen zu werden", sagte Espositos Kollege Joshua Colwell. "Wir haben Beweise dafür gefunden, dass ein Teil des Schutts neue Monde bildet."

Indem Trümmer über eine Reihe solcher Recycling-Monde wieder verwendet werden und nicht sofort verloren gehen, wird die Lebenszeit des Ringsystems entscheidend verlängert. Gleichzeitig erhält dieser Mechanismus auch die Monde am Leben.

Die Entdeckung wurde zu einem passenden Zeitpunkt publik: Die Raumsonde "Cassini" funkte jetzt ein spektakuläres Bild vom Saturn zur Erde. Das Foto, aufgenommen aus einer Entfernung von 111 Millionen Kilometern, zeigt das Ringsystem des Riesenplaneten in großem Detailreichtum, atmosphärische Charakteristika und außerdem fünf Monde. "Cassini" soll am 1. Juli 2004 in ein Orbit um den Saturn einschwenken.



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