Planetenforschung Sonde fotografiert Mars-Lawine

Das ist Fotografenglück: Genau als eine US-Sonde einen Felshang in der Nordpolregion des Mars untersuchte, gingen dort mehrere Lawinen aus Eis und Gestein nieder. Die Forscher hielten drauf - und können sich nun über spektakuläres Fotomaterial freuen.


Über die Jahre haben Raumsonden Tausende Bilder vom Mars gemacht. Normalerweise tut sich allerdings nicht viel auf der Oberfläche des Roten Planeten. Die meisten Landschaften, die den kosmischen Spähern vors Objektiv kommen, haben sich seit Millionen Jahren nicht verändert. Zwar gibt es in der überaus dünnen Mars-Atmosphäre dann und wann Wolken aus verdunstetem Eis der Polkappen, auch Staubstürme werden immer wieder einmal beobachtet.

Doch ein heute veröffentlichtes Bild der Nasa-Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter" stellt das in den Schatten: Die Falschfarbenaufnahme entstand vor zwei Wochen bei 84 Grad Nord, also in der Nähe des Mars-Nordpols.

Zu sehen ist ein 700 Meter hoher, steiler Felsabhang von dessen Fuß große Staubwolken aufsteigen. Die Forscher des Nasa Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena sind sich sicher, dass Lawinen aus Eis und Geröll für diese Wolken verantwortlich sind.

Welche Prozesse genau für die Lawinenabgänge verantwortlich sind, das wollen die Forscher nun herausfinden. Möglich wären zum Beispiel Veränderungen im Kohlenstoffeis an der Oberkante des Abhangs, Temperaturschwankungen, ein Marsbeben oder ein Meteoriteneinschlag. Auch gilt es zu klären, ob Lawinen dieser Art nur im Frühling auftreten, oder das ganze Jahr über - und bisher einfach unentdeckt blieben.

In Zukunft sind die Nasa-Wissenschaftler nicht mehr auf so viel Glück angewiesen, wie sie dieses Mal hatten. Selbst wenn es ihnen nicht gelingen sollte, die nächsten Lawinen im Foto festzuhalten, können sie sich weiter deren Untersuchung widmen. Weil sie nun wissen, auf welche Stellen sie achten müssen, können sie auf späteren Fotos nachsehen, ob sich der Schuttberg am Fuß des beobachteten Abhangs vergrößert hat. Sollte das so sein, dann treten in dem beobachteten Gebiet öfter Lawinen auf.

chs



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