Planetenjagd Forscher rätseln über Sednas Orbit

Inzwischen sind sich Astronomen einig: Der neu entdeckte Himmelskörper hinter Pluto ist nicht der zehnte Planet unseres Sonnensystems. Rätsel gibt jedoch Sednas seltsame Umlaufbahn auf. Sie könnte auf die Existenz eines weiteren Planeten mit Erdmasse hindeuten.


Planetoid Sedna (Computersimulation): Rätselhafter Orbit
NASA/ JPL/ Caltech

Planetoid Sedna (Computersimulation): Rätselhafter Orbit

Die elliptische Umlaufbahn, auf der Sedna um die Sonne kreist, sieht anders aus als alles, was Astronomen bisher gewohnt waren. Im Moment kommt Sedna näher: Über die nächsten 72 Jahre wird der eisige Wanderer von der Erde aus gesehen größer und heller werden. Dann macht der Planetoid sich auf seinen langen Weg von der Sonne weg: Etwa 1000 Astronomische Einheiten, also eintausendmal weiter als die Erde wird Sedna sich maximal vom Zentralgestirn entfernen. Wenn das Objekt der Sonne am nächsten ist, liegen nur 76 Astronomische Einheiten zwischen Stern und Planetoid.

Der weite Weg dauert natürlich seine Zeit - ein Umlauf um die Sonne braucht 10.500 Jahre. "Das letzte Mal, als Sedna so nah an der Sonne war wie jetzt, kam die Erde gerade aus der letzten Eiszeit", so Mit-Entdecker Mike Brown. "Wenn sie das nächste mal zurückkommt, wird die Welt vielleicht wieder ein völlig anderer Ort sein."

Die Frage ist, wie der merkwürdige Orbit zustande gekommen ist. Verschiedene Theorien werden im Moment diskutiert. Brown und sein Team favorisieren eine Erklärung, nach der vor langer Zeit ein wandernder Stern in der Nähe des Sonnensystems unterwegs war. Diese reisende Sonne könnte mit ihrer Gravitation Brocken aus der so genannten Oortschen Wolke herausgerissen und in Richtung Sonnensystem geschleudert haben. Die Oortsche Wolke ist ein bislang nur hypothetischer Gürtel von Materiebrocken, der sich weit draußen im All um unser Sonnensystem erstrecken soll.

Sollte es diesen kometenschleudernden Wanderstern gegeben haben, müsste er "heller als der Vollmond" gewesen sein und "20.000 Jahre am Taghimmel der Erde sichtbar" gewesen sein, so Brown. Der von ihm verursachte Meteoritenschauer hätte alles damals existierende Leben auf der Erde auslöschen können.

Sedna-Orbit, Sonnensystem, Oortsche Wolke: Gigantische Dimensionen
NASA/ JPL/ Caltech

Sedna-Orbit, Sonnensystem, Oortsche Wolke: Gigantische Dimensionen

Brian Marsden vom Minor Planet Center in Cambridge, USA, vertritt eine andere Theorie. Sednas seltsamer Orbit könnte auch von einem anderen Planeten verursacht worden sein, einem Objekt etwa von der Masse der Erde, so Marsden gegenüber der Astronomie-Webseite Space.com. "Vielleicht gibt es mehr als einen Planeten da draußen", spekulierte Marsden. "Wer weiß? Nehmen wir an, es ist etwas mit der Masse der Erde, vielleicht sogar ein paar Erdmassen. Eine starke Annäherung könnte Sedna aus einer eher kreisförmigen in eine exzentrischere Bahn geschleudert haben". Zwischen 400 und 1000 astronomische Einheiten müsste ein solches "planetares Objekt" von der Sonne entfernt sein.

Brown hält die Erklärung durch einen erdähnlichen Himmelskörper für denkbar aber wenig wahrscheinlich. Sein Team errechnete, dass ein solches Objekt viel näher an der Sonne sein müsste, als von Marsden veranschlagt, etwa 70 astronomische Einheiten. "Wir halten das für unwahrscheinlich, weil wir glauben, das wir es dann schon gefunden hätten", so Brown zu Space.com. Um einen belebten Planeten könnte es sich ohnehin nicht handeln: Jedes Objekt in dieser Entfernung wäre zwangsläufig ein Eisbrocken.



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