Nasa-Sonde "New Horizons" hat Besuch bei Pluto heil überstanden

Nach neun Jahren Reise hat die Raumsonde "New Horizons" den riskanten Vorbeiflug am Zwergplaneten Pluto geschafft. Der Flugkörper sandte ein Signal an die Erde - in der Kontrollstation der Nasa brach Jubel aus.


Die Raumsonde "New Horizons" hat per Signal ihren erfolgreichen Vorbeiflug am Zwergplaneten Pluto bestätigt. "Wir haben ein gesundes Raumschiff", sagte Nasa-Managerin Alice Bowman, nachdem sie in der Kontrollstation die Daten der Sonde empfangen hatte. "Alles ist so, wie wir es geplant und geübt haben." In der Kontrollstation brach daraufhin spontan Jubel und Applaus aus.

Mit "New Horizons" hatte am Dienstag erstmals ein irdischer Flugkörper den Pluto besucht. Die Sonde war bereits am Mittag an dem Zwergplaneten vorbeigerast. Weil der Flugkörper aber möglichst viel Zeit mit Datensammeln verbringen sollte, hatte die Nasa das erlösende Signal zur Bestätigung des erfolgreichen Vorbeiflugs erst für viele Stunden später programmiert.

Bei der Annäherung der rasend schnellen Sonde in das unbekannte Pluto-System gab es das Risiko eines Zusammenstoßes mit kleinen Staubteilchen. Sie hätten schweren Schaden an "New Horizons" anrichten können. Das Risiko einer folgenschweren Kollision der pfeilschnellen Raumsonde mit kleinen Materieteilchen in direkter Pluto-Nachbarschaft liege bei eins zu 10.000, erklärte der wissenschaftliche Leiter der Mission, Alan Stern, im Vorfeld.

"New Horizons" näherte sich Pluto auf 12.000 Kilometer

Bereits beim Anflug auf den mysteriösen Zwergplaneten hatte die Raumsonde eine Reihe unerwarteter Entdeckungen gemacht. So ist Pluto den "New Horizons"-Daten zufolge mit einem Radius von 1185 Kilometern etwas größer als bislang angenommen. Zudem ist auf Bildern der Nasa-Sonde ein heller herzförmiger Fleck auf der Pluto-Oberfläche zu erkennen - gleich in der Nachbarschaft einer dunklen Struktur, die von Forschern "Der Wal" genannt wird.

Die meisten Bilder werden erst im September erwartet. Die Daten werden mit lediglich 600 Bit pro Sekunde übertragen, ein Bruchteil einer langsamen Handyverbindung. Es dauert wegen der gigantischen Entfernung zudem fast fünf Stunden, bis Signale vom Pluto per Lichtgeschwindigkeit zur Erde gelangen.

Die 700 Millionen Dollar teure Mission gilt als Meilenstein der Raumfahrtgeschichte. "New Horizons" (Neue Horizonte) ist seit mehr als neun Jahren unterwegs und hat rund fünf Milliarden Kilometer zurückgelegt. Dem Pluto näherte sich die Sonde nun auf rund 12.000 Kilometer und untersuchte ihn währenddessen mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten.

Pluto wurde jahrzehntelang zu den damals neun großen Planeten des Sonnensystems gezählt, ehe er 2006 zum Zwergplaneten zurückgestuft wurde. Während die nunmehr noch acht Planeten unseres Sonnensystems allesamt bereits das Ziel von Raumsonden waren, erhielt Pluto nun zum ersten Mal Besuch von der Erde.

Fotostrecke

16  Bilder
Nasa-Sonde "New Horizons": Vorbeiflug an Pluto

syd/AFP/dpa

insgesamt 88 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
musca 15.07.2015
1. Das sind gute Nachrichten
Und haufenweise Daten wurden hoffentlich gesammelt, unter anderem natürlich auch viele Bilder von Pluto und seinem grössten Mond Charon. Nur ein paar Monate wird es wohl eben dauern, bis diese ganze Datenpakete, bis das alles, was am gestrigen Pluto-Charon Vorbeiflug von der Raumsonde alles gesammelt wurde, wegen der geringen Übertragungsrate und der gewaltigen Entfernung dazu auf "unserem blauen Planeten" ankommt und bis alles ausgewertet ist noch viel länger. Derweil geht die Mission von New Horizons weiter, noch weiter raus in den Kuiper Gürtel, kann noch ein Jahrzehnt und noch länger gehen. Die Chancen stehen gut.
rudolfo.karl.von.wetterst 15.07.2015
2. mehr information bitte
es wäre gut, wenn sie über dieses projekt mehr berichten könnten es ist eine erstaunliche geschichte mit welchen einfachen mitteln hier geschichte geschrieben wird
sertim 15.07.2015
3. Kein Besuch
Besuche von der Erde sind toeich fuer jeden Planeten. Wir zerstoeren diese fantastische Erde, wir werden jeden anderen Planeten zerstoeren. Wir haben Angstphantasien vor Aliens, dabei sind wir, die Spezies Mensch, das Gefaehrlichste, was das bekannte Universum aufzubieten hat. In absehbarer Zeit, wird die Erde aussehen, wie der Mars.
visitor_2007 15.07.2015
4. pfeilschnell
Die Metapher "pfeilschnell" ist recht verunglückt: Ein Compound-Bogen beschleunigt einen Pfeil auf bis zu ca. 60m/s. New Horizons erreichte beim Start dagegen eine Geschwindigkeit von ca. 16200 m/s. Das ist ein Verhältnis von ca. 1:270. Sehr detailliert ist der Wikipedia-Artikel über die Sonde. Auf diesem Weg: Vielen Dank für diesen dortigen Artikel.
Klausinspace 15.07.2015
5. Jetzt nur noch...
...landen. Und die Schnee Anzüge nicht vergessen. Und ab in ferne Galaxien. Wenn wir alle Verteidigungshaushalte für 10 Jahre zusammen schmeißen, dann mussten wir doch n nette enterprise hin bekommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.