Kinderbrief an Astronomen "Ich denke, Pluto ist traurig"

Warum ist Pluto eigentlich kein Planet mehr? Diese Frage hat ein Sechsjähriger Astronomen gestellt. Laut Antwort der Forscher sind "viele alte Männer" schuld.
Brief ans DLR: "Mama sagt, weil er zu klein ist" (zum Anschauen bitte anklicken)

Brief ans DLR: "Mama sagt, weil er zu klein ist" (zum Anschauen bitte anklicken)

Foto: DLR

Merlin ist sechs Jahre alt und mag Planeten. So steht es zumindest in dem Brief, den das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in seinem Blog veröffentlicht hat. Warum Pluto kein Planet mehr sei, möchte der Junge wissen. "Mama sagt, weil er zu klein ist. Stimmt das?"

Er selbst sei doch auch klein und trotzdem ein Mensch, schreibt Merlin weiter. "Ich denke, Pluto ist traurig, dass er kein Planet mehr ist." Zur Bekräftigung hat der Sechsjährige ein von Sternen umgebenes trauriges Gesicht unter den Text gemalt.

"Wir bekommen öfter mal Anfragen von Kindern", sagt Fabian Walker von der DLR-Onlineredaktion. Merlins Anfrage sei bereits Anfang Juli schriftlich beantwortet worden. Anlässlich des Vorbeiflugs der Nasa-Sonde "New Horizons" am Ex-Planeten habe man die Antwort nun auch im DLR-Blog veröffentlicht .

Fotostrecke

Nasa-Sonde "New Horizons": Vorbeiflug an Pluto

Foto: NASA/ JHUAPL/ SWRI

Merlin erfährt darin zunächst einmal, dass Mama im Fall von Pluto nur "fast richtig" liege. Der Himmelskörper sei zwar ein wenig zu klein - aber das sei nicht der einzige Grund. Vor neun Jahren hätten "viele alte Männer" beschlossen, Pluto nicht mehr als Planet anzusehen. Unter anderem, weil in seiner Nähe noch mehr ähnlich große Körper entdeckt worden waren. Diese hätte man dann alle zu Planeten erklären müssen, was das Sonnensystem "etwas unübersichtlich" gemacht hätte.

Zudem sei Pluto "sehr viel anders beschaffen und viel kleiner als seine großen Nachbarplaneten Neptun, Uranus, Saturn und Jupiter", schreiben die DLR-Forscher. Obendrein umkreise Pluto die Sonne auf einer schiefen Bahn, alle anderen acht verbliebenen Planeten täten dies fast in einer Ebene. Deshalb habe man eine neue Klasse von Planeten eingeführt - die Zwergplaneten.

Bei ihrer Tagung im August 2006 hatten Astronomen auch eine neue Planetendefinition beschlossen. Demnach müssen Planeten ihre Nachbarschaft von anderem kosmischen Material freigeräumt haben. Dies trifft auf Pluto nicht zu, der sich im sogenannten Kuiper-Gürtel mit zahlreichen anderen Fragmenten bewegt. Rund um die Tagung gab es damals auch Proteste von Pluto-Fans - doch umstimmen ließen sich die Fachleute davon nicht.

Neue Merksätze

Eine der Konsequenzen der umstrittenen Entscheidung war auch, dass bewährte Merksätze plötzlich falsch waren. Man durfte nicht mehr sagen: "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten", wobei die Anfangsbuchstaben der Wörter für die ersten Buchstaben der Planeten standen: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto.

SPIEGEL ONLINE hat damals seine Leser gebeten, Vorschläge für neue Planetenmerksätze zu machen. Diese musste die Anfangsbuchstaben MVEMJSUN enthalten. "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel", war zwar nahe liegend, aber nicht besonders schön. Die Leserideen waren da deutlich kreativer:

Mit Vorsatz entwendeten Medienrummel jagende Sternforscher unseren Neunten!

Mit vegetarischen Eiern mundet Jupiter so unglaublich nichtssagend

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