Prächtige Panoramen Weltgrößte Digitalkamera liefert erste Bilder

Auf dem hawaiischen Vulkan Mauna Kea haben Astronomen die größte Digitalkamera der Welt in Betrieb genommen. Schon mit den ersten Bildern beweist das Instrument einen beeindruckenden Überblick.


Treffen der Generationen: Das Foto der Megacam, hier in einer sehr niedrigen Auflösung wiedergegeben, zeigt zwei offene Sternhaufen unterschiedlichen Alters. Bei den blau strahlenden Sonnen handelt es sich um M35, eine 2800 Lichtjahre entfernte Sternengruppe, die vor relativ kurzer Zeit - etwa 100 Millionen Jahren - durch den Kollaps einer Gaswolke entstanden ist. Zwar hat sich der stellare Nachwuchs mittlerweile aus seinem Nebelkokon befreit, doch zwischen den Jungsternen wabert noch interstellarer Staub, der wie ein dunstiger Schleier vor der Gruppe liegt. Auf der rechten Seite ist der offene Sternhaufen NGC 2158 zu erkennen, der etwa zehnmal älter und viermal weiter von der Erde entfernt ist. Geburt im Glutofen: Bei ihrer Premiere porträtierte die Megacam auch ein Sternentstehungsgebiet von riesenhaften Ausmaßen. Der farbenprächtige, 5000 Lichtjahre entfernte Rosettennebel beherbergt in seiner Mitte den neu entstandenen Sternhaufen NGC 2244. Die heißen Jungsterne strahlen starke UV-Strahlung ab, die das umliegende Gas ionisiert und zum Leuchten anregt. Schon jetzt haben sich die massiven Sonnen in der Mitte des Nebels Platz geschaffen, in einigen Millionen Jahren wird die Gaswolke bis auf wenige Spuren verschwunden sein. Das abgebildete Gebiet misst 90 Lichtjahre - um diese Strecke zu füllen, müsste man 65.000 Sonnensysteme aneinander reihen. Nahkampf in der Nachbarschaft: Dank ihres weiten Blickfeldes gelang der Megacam ein Gruppenbild der beiden Galaxien M81 und M82, die mit einer Distanz von rund 12 Millionen Lichtjahren nicht allzu weit von der Milchstraße entfernt sind. Die Spiralen waren in jüngerer Zeit in eine Beinahekollision verwickelt - das zerzauste Aussehen der oberen Sternansammlung zeugt noch immer von diesem kosmischen Unfall. Bei der Begegnung hat auch die größere Galaxie Teile ihrer Spiralarme eingebüßt, die sich möglicherweise eines Tages in Zwerggalaxien verwandeln.



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Eines der ältesten Teleskope auf dem vulkanischen Beobachtungsposten Mauna Kea, das 1979 eingeweihte "Canada-France-Hawaii Telescope" (CFHT), erlebt derzeit einen zweiten Frühling. Zwar kann es mit 3,6 Meter Spiegeldurchmesser nicht mit seinen jüngeren Nachbarn mithalten - auf dem Berg drängen sich neben zwei Acht-Meter-Teleskopen auch noch die mit Zehn-Meter-Spiegeln ausgerüsteten Keck-Zwillinge. Dafür verfügt das CFHT neuerdings über die größte Digitalkamera der Welt.

Nachdem die standesbewusst Megacam genannte Kamera im vergangenen Dezember am Teleskop installiert wurde, haben die CFHT-Betreiber jetzt die ersten Bilder der Öffentlichkeit präsentiert. Die drei Fotos zeigen den jugendlichen Sternhaufen M35, das unlängst in einen kosmischen Crash verwickelte Galaxienpaar M81 und M82 sowie den prächtigen Rosettennebel - allesamt Himmelsobjekte, die aufgrund ihrer Ausdehnung einen guten Überblick erfordern.

Denn darin liegt die Stärke der Megacam: Die in Frankreich gebaute Kamera, die zu dem komplett neuen CFHT-Instrument Megaprime gehört, kann noch ein Blickfeld von einem Winkelgrad Kantenlänge ablichten - das entspricht dem doppelten scheinbaren Durchmesser des Vollmondes. Dabei erreicht sie mit einer Auflösung von 340 Millionen Pixeln eine zuvor nicht gekannte Detailtreue. Eine handelsübliche Digitalkamera zeichnet hundertmal weniger Bildpunkte auf.

Die von der Megacam gelieferten Fotos sprengen alle Formate: Wollte man sie vollständig und unverkleinert in Monitorauflösung wiedergeben, müsste der Bildschirm 6,5 Meter groß sein. Um einen Eindruck von der Bildqualität zu gewinnen, empfiehlt sich ein Besuch auf der Homepage des Teleskops, wo sich die drei Aufnahmen in verschiedener Auflösung betrachten lassen. Die größte angebotene Version misst jeweils rund 2400 mal 2400 Pixel - und ist immer noch auf ein Achtel verkleinert.

Mit dem Rekordinstrument wollen Astronomen unbekannten Kleinplaneten, aber auch Sternexplosionen aus der kosmischen Frühzeit nachspüren. Wegen ihres weiten Blickfeldes soll die Megacam zudem bei der Himmelskartierung zum Einsatz kommen. Ein auf fünf Jahre angesetztes Großprojekt hat bereits begonnen: Vom "Canada-France-Hawaii Telescope Legacy Survey" erhoffen sich kanadische und französische Forscher einen hochauflösenden Überblick über das Sonnensystem, die Milchstraße sowie das nahe und ferne Universum.



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