Premiere China schickt einen Menschen ins All

China hat heute morgen Raumfahrtgeschichte geschrieben: Als dritte Nation nach der Sowjetunion und den USA schoss die Volksrepublik einen Menschen ins All - einen hohen Offizier der Armee.

Yang Liwei, Oberstleutnant der Volksbefreiungsarmee, ist Chinas erster Taikonaut. Heute morgen kurz nach neun Uhr wurde er mit einer Rakete vom Typ Langer Marsch CZ- 2F an Bord der Raumkapsel "Shenzhou 5" (Götterschiff) ins All geschossen. Der 38-Jährige ist zwar nicht der erste Chinese, aber der erste Bürger der Volksrepublik im Kosmos. Unklar ist noch, wie oft er die Erde umrunden wird. Hongkonger Zeitungen gingen von 14 Umkreisungen aus. Fest steht lediglich, dass er in der Inneren Mongolei landen soll. Staats- und Parteichef Hu Jintao beobachtete den Start im Kontrollzentrum in der Nordwestprovinz Gansu, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Er bedeute "Glorie für unser großes Vaterland", jubelte er. Dies sei ein "historischer Schritt des chinesischen Volkes beim Erklimmen des Gipfels von Wissenschaft und Technik der Welt". Peking schreibt mit dem Unternehmen Raumfahrtgeschichte: Über 40 Jahre nach der Sowjetunion und den USA ist China die dritte Nation, die einen Menschen in den Orbit schießt. Das Göttliche Schiff ist der russischen Sojus-Kapsel nachempfunden. Yang sei 1998 zum Team der Kosmonauten gestoßen, hieß es. Er wurde im Juni 1965 in der Nordostprovinz Liaoning geboren und mit 18 Jahren Soldat. Yang hat 1350 Stunden Flugerfahrung. Während des fünfjährigen Trainings habe er sich durch "exzellente Leistungen" für die Premiere qualifiziert. Insgesamt umfasst Chinas Taikonauten-Mannschaft 14 Piloten. Zwei davon wurden im Moskauer Sternenstädtchen ausgebildet. Die ursprünglich geplante Live-TV-Übertragung des Abschusses war gestern überraschend gestrichen worden. Offenkundig hatten einige Verantwortliche nicht das Risiko eingehen wollen, die Welt Zeuge eines Fehlstarts werden zu lassen. Sollte auch die Landung gelingen, dürfte Yang zum Nationalhelden gekürt werden. Die KP wird den Erfolg nutzen, ihr Prestige zu fördern und gleichzeitig den Anspruch Chinas als Großmacht zu bekräftigen. Die Genossen schüren dabei eine Art "Techno-Nationalismus", sagt der amerikanische China-Experte Bruce Gilley. Die Funktionäre betonen dabei stets den friedlichen Charakter des Kosmos-Projekts. Die Nation solle mit Hilfe von "Wissenschaft" und "Technologie" wiederbelebt werden. Allerdings geben die Chinesen - soweit bekannt - für ihre Kosmosprojekte nur ein Bruchteil von dem aus, was die Amerikaner aufwenden: Die Nasa verfügt über ein jährliches Budget von 15 Milliarden Dollar, der Etat Pekings wird auf rund zwei Milliarden Dollar geschätzt. Der Ehrgeiz der Regierung ist groß: Der erste bemannte Raumflug sei nur ein "erster Schritt", sagt Gu Yidong von der Akademie er Wissenschaften. "Die zweite Phase unseres Programms schließt Weltraumrendezvous und Andockmanöver sowie ein orbitales Laborsystem ein". Das gesamte Programm steht unter dem Kommando der Militärs. Raumfahrttechnologie, so Gu, sei "die treibende Kraft für Chinas wirtschaftliche und soziale Entwicklung". Der amerikanischen Wirtschaft zum Beispiel hätten die bei der Raumfahrt entwickelten Technologien rund zwei Billionen Dollar gebracht.

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