Premiere Erstmals ferner Planet fotografiert?

Deutsche Forscher haben das wahrscheinlich erste Foto eines fernen Planeten geschossen. Sollte sich die Entdeckung bestätigen, wäre sie ein Meilenstein bei der Suche nach erdähnlichen Himmelskörpern im All.

Das Bild des kosmisches Kleinkindes und seines Trabanten könnte in die Annalen der Weltraumforschung eingehen: GQ Lupi ist nur eine Million Jahre alt, doch trotz seines zarten Alters - unsere Sonne ist rund 4600-mal älter - besitzt der Stern bereits einen Begleiter. Und der wurde jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit zum ersten direkt fotografierten Planeten überhaupt.

Ein Team unter Leitung des Jenaer Astrophysikers Ralph Neuhäuser hat ein spektakuläres Bild veröffentlicht, das einen Planeten in der Umlaufbahn um GQ Lupi im Sternbild Wolf zeigt. Das Foto, aufgenommen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile, zeigt einen Gasriesen, der nach bisherigen Berechnungen der Forscher die ein- bis dreifache Masse des Jupiters besitzt.

Möglich wurde das Bild vor allem durch den extrem großen Abstand zwischen dem Planeten und seinem Heimatstern. Nur weil die beiden rund hundertmal so weit voneinander entfernt sind wie die Erde von der Sonne, konnten die Forscher den Planeten neben dem viel heller leuchtenden Stern überhaupt aufspüren.

Großer Abstand, kleiner Zweifel

Der große Abstand ist allerdings auch der Grund für den kleinen Zweifel, der noch bleibt: Die Masse des Planeten kann bisher nur grob geschätzt werden. Normalerweise wiegen Astronomen die Sternenbegleiter anhand ihrer Umlaufbahnen. Die des jetzt fotografierten Planeten aber ist so groß, dass er 1200 Erdenjahre für eine Runde um GQ Lupi braucht.

"Wir haben deshalb zwei gänzlich unterschiedliche theoretische Modelle angewandt", erklärt Neuhäuser gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Mit beiden kamen wir zu dem Ergebnis, dass der Planet ein- bis dreimal so massereich ist wie Jupiter."

Im Extremfall, räumt Neuhäuser ein, könnten die beiden Rechenmodelle so falsch sein, dass der Gasriese in Wirklichkeit bis zu 40 Jupitermassen besitzt. Ab 13 Jupitermassen gilt er nicht mehr als Planet, sondern als Brauner Zwerg - ein gewaltiger Gasball, der zu klein ist, um in seinem Inneren ein Fusionsfeuer zu starten und als "richtiger" Stern durchzugehen. "Dieses Szenario ist aber extrem unwahrscheinlich", meint Neuhäuser, Direktor des Astrophysikalischen Instituts und der Universitätssternwarte Jena. "Wir sind uns sehr sicher, einen Planeten entdeckt zu haben."

In diesem Fall würde es sich um ein "historisches Foto" handeln, wie der Washingtoner Planetenexperte Alan Boss dem Online-Nachrichtendienst "Space.com" sagte. Ray Jayawardhana von der University of Toronto sprach gar von einer "neuen Ära der Planetensuche", da es sich bei dem Planeten mit dem Namen GQ Lupi b um "den ersten direkt abgebildeten und bestätigten Begleiter" eines Sterns handele, der unserer Sonne ähnele.

Die direkte Abbildung von Planeten gilt als letzter großer Schritt zur Entdeckung erdähnlicher Planeten in den Tiefen des Alls. Zwar wurden bisher bereits rund 120 extrasolare Planeten entdeckt, jedoch allesamt durch indirekte Beobachtung - entweder anhand der leichten Taumelbewegung, die sie durch ihre Schwerkraft ihren Heimatsternen aufzwingen, oder durch die minimale Verdunkelung des Sternenlichts beim Vorbeiziehen.

Rennen um Platz eins noch nicht entschieden

Nur durch die direkte Beobachtung aber können Wissenschaftler das Lichtspektrum von Planeten messen und feststellen, ob die Atmosphäre etwa Anzeichen von Leben enthält. Die Analyse des jetzt fotografierten Planeten ist bereits gelungen, wie Neuhäuser betont: "Wir haben in der Atmosphäre Kohlenmonoxid, Wasserdampf und wahrscheinlich auch Natrium gefunden." Leben wird es auf dem Gasriesen allerdings kaum geben: Auf seiner Oberfläche herrschen rund 2000 Grad Celsius.

Offen ist, ob die Entdeckung  der Deutschen, die demnächst im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics" veröffentlicht werden soll, tatsächlich die erste ihrer Art ist. Schon im September 2004 hatten Wissenschaftler der Europäischen Südsternwarte die vielleicht erste direkt Beobachtung eines extrasolaren Planeten gemeldet. Allerdings ist bisher unklar, ob es sich bei dem damals fotografierten Objekt tatsächlich um einen Planeten handelt.

Ende März hatten zudem zwei Forscherteams die erste direkte Messung des Infrarotlichts ferner Planeten bekannt gegeben. Ein Foto war den US-Wissenschaftlern allerdings nicht geglückt. Sie hatten stattdessen gemessen, wie stark die gesamte Infrarotstrahlung des kosmischen Pärchens sinkt, wenn der Planet an seinem Heimatstern vorbeizieht. Aus der Differenz zwischen Vorher und Nachher berechneten sie die Strahlung des Planeten selbst.

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