Private Raumfahrt Virgin Galactic will auch Satelliten ins All schießen

Flüge ins Weltall für zahlende Touristen - damit möchte Virgin Galactic viel Geld verdienen. Nun hat die Firma angekündigt, dass sie auch Satelliten mit einer Rakete in eine Erdumlaufbahn befördern will.

Mark Greenberg / Virgin Galactic

Hamburg - "White Knight Two" heißt das zweirumpfige Flugzeug, mit dem schon bald Weltraumtouristen in 15 Kilometer Höhe transportiert werden sollen. Dort wird dann "Space Ship Two" ausgeklinkt, eine Art Rakete mit eingebauter Kabine, in der sechs Personen Platz finden. "Space Ship Two" rast dann senkrecht in den Himmel und wird eine Höhe von mehr als hundert Kilometer erreichen - nach Lesart von vielen die Grenze zum Weltall.

Virgin Galactic, der Anbieter der Flüge ins All, hat nun angekündigt, auch Satelliten in einen Orbit schießen zu wollen. Dies teilte das Unternehmen auf dem International Astronautical Congress in Südkorea mit. Bei Virgin Galactic trägt man sich schon länger mit dem Gedanken, ins Satellitengeschäft einzusteigen. Wie der "New Scientist" auf seiner Website berichtet, hat die Firma bereits einen Spezialisten dafür von der Britischen Firma Surrey Satellite Technology abgeworben.

Nach Angaben von Firmenchef Will Whitehorn soll eine noch zu entwickelnde zweistufige Rakete am Trägerflugzeug "White Knight Two" befestigt werden - ganz ähnlich wie "Space Ship Two" . In 15 Kilometern Höhe wird die Rakete mit dem Satelliten an Bord dann ausgeklinkt und gezündet. Man wolle selbst keine Satelliten bauen, es gehe vielmehr darum, eine Rakete zu entwickeln, sagte Whitehorn. "Wir hoffen, dass wir 2013 oder 2014 Satelliten starten können." Ziel sei, die Startkosten für einen 50 Kilogramm schweren Orbiter von derzeit zehn Millionen auf eine Million Dollar zu senken.

200.000 Dollar für ein paar Minuten Schwerelosigkeit

Das Raketenflugzeug "Space Ship Two" soll im Dezember der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Anders als etwa ein Space Shuttle oder ein russisches Sojus-Raumschiff kann es keine Erdumlaufbahn erreichen. Dafür ist die Schubkraft viel zu gering. Wenn "Space Ship Two" eine Höhe von etwa hundert Kilometer erreicht, wird das Triebwerk abgeschaltet. Das Raumschiff fällt dann wie ein Stein, den man senkrecht in die Höhe geworfen hat, zurück zur Erde. Im Moment des freien Falls erleben die sechs Weltraumtouristen an Bord die Schwerelosigkeit. 200.000 Dollar kostet der Trip, nach Virgin-Angaben liegen bereits 250 Buchungen vor.

Mit "Space Ship One", dem zweisitzigen Vorgängermodell, hatte die US-Firma Scaled Composites im Oktober 2004 den "X-Prize" gewonnen. Das Raumschiff war zweimal binnen zwei Wochen zweimal zu gestartet, dafür gab es das Preisgeld von zehn Millionen Dollar.

hda



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