Naher Exoplanet Neue Hoffnung für Leben auf Proxima Centauri b

Eignet sich Proxima Centauri b als zweite Erde? Nasa-Forscher haben das Klima auf dem Exoplaneten genauer analysiert - und wollen Leben auf dem fremden Planeten nicht ausschließen.

Künstlerische Darstellung der Oberfläche von Proxima Centauri b
ESO/M. Kornmesser

Künstlerische Darstellung der Oberfläche von Proxima Centauri b


Als der Exoplanet Proxima Centauri b entdeckt wurde, war die Erwartung groß, dort Leben zu finden. Manche hoffen gar, ihn als zweite Erde nutzen zu können. Der Planet umkreist unseren Nachbarstern Proxima Centauri und ist der Erde so nah, wie kein anderer Exoplanet.

Als Exoplaneten werden Planeten bezeichnet, die um einen anderen Stern kreisen als um unsere Sonne. Der Exoplanet Proxima Centauri b liegt ungefähr 4,2 Lichtjahre von der Erde entfernt. Kürzlich haben Forscher sogar untersucht, mit wie vielen Personen man ein Raumschiff besetzen müsste, um die Menschheit zu ihm zu bringen- die Reise würde immerhin mehr als 6300 Jahre dauern.

Noch ist das nur ein Gedankenspiel. Wissenschaftler erforschen aber durchaus ernsthaft, ob Leben auf dem Exoplaneten möglich wäre. Nun haben sie mögliche Klimaszenarien durchdacht und in Computermodellen simuliert. Demnach ist durchaus vorstellbar, dass Proxima Centauri b wichtige Voraussetzungen für Leben bietet, schreiben die Forscher im Fachmagazin Astrobiology.

Feuerstürme gefährden Lebensgrundlage

Bereits kurz nach der Entdeckung des Exoplaneten im Jahr 2016 hatten Wissenschaftler spekuliert, dass es dort einen riesigen Ozean geben könnte. Zwischenzeitlich kamen allerdings Zweifel auf - unter anderem aufgrund der ungünstigen Eigenschaften des Sterns, um den Proxima Centauri b kreist.

Proxima Centauri ist ein sogenannter Roter Zwerg. Der Stern ist vergleichsweise klein und deutlich kälter als unsere Sonne. Die bewohnbare Zone um ihn herum, in der es nicht zu warm oder zu kalt für Lebewesen wäre, liegt nicht besonders weit von dem Stern entfernt. Proxima Centauri b befindet sich in diesem Bereich, er braucht nur elf Tage für eine Umrundung. Die Nähe zu seinem Stern hat allerdings auch Nachteile.

Rote Zwerge sind sehr aktiv. Proxima Centauri b ist dadurch starken Sonnenwinden, Röntgen- und extremer UV-Strahlung ausgesetzt. Durch die heftige Strahlung könnte auch einst vorhandenes Wasser verdunstet sein.

Proxima Centauri in einem Bild des "Hubble"-Teleskops
ESA/ Hubble/ NASA

Proxima Centauri in einem Bild des "Hubble"-Teleskops

Die Forscher wollen trotzdem nicht ausschließen, dass auf dem Planeten bis heute Wasser vorhanden ist. So sei etwa vorstellbar, dass Proxima Centauri b in größerer Entfernung von seinem Heimatstern entstanden und erst mit der Zeit näher an ihn herangewandert ist, schreiben die Wissenschaftler. Zumindest früheren, wasserraubenden Stürmen wäre er dann entgangen.

Denkbar sei auch, dass es auf Proxima Centauri b ursprünglich zehn Mal mehr Wasser gab als auf der Erde, heißt es weiter. Selbst wenn die massive Strahlung von Proxima Centauri b 90 Prozent davon entfernt hätte, gäbe es heute immer noch genug für einen riesigen Ozean, der sich über große Teile des Planeten erstrecken könnte.

Eine Seite heiß, eine kalt

Es gibt allerdings noch ein zweites Problem, das Leben auf dem Planeten erschweren könnte: Proxima Centauri b rotiert so um seinen Stern, dass er diesem immer die gleiche Seite zuwendet. Experten befürchten deshalb, dass - falls es tatsächlich einen so großen Ozean auf dem Planeten gäbe - die dem Stern abgewandte Seite ständig gefroren wäre und die andere kochend heiß. Zwischen den beiden Zonen gäbe es dann nur einen schmalen Streifen mit moderater Wassertemperatur.

Davon ausgehend modellierten die Forscher die Gegebenheiten auf dem Exoplaneten unter unterschiedlichen Voraussetzungen: Mit einer erdähnlichen Atmosphäre, die hauptsächlich aus Stickstoff besteht und einer Atmosphäre aus reinem CO2. Zudem rechneten sie mit einer dickeren oder dünneren Atmosphäre als auf der Erde und mit einem unterschiedlich salzigen, großen und tiefen Ozean.

So fanden sie auch für die Herausforderung, dass eine Seite von Proxima Centauri b immer im Schatten liegt, eine denkbare Lösung. "Das Entscheidende bei unserem Modell ist ein sogenannter dynamischer Ozean", sagte Anthony Del Genio von der Nasa der Seite "Universe Today". In ihm würde sich durch Strömungen warmes und kaltes Wasser von beiden Seiten vermischen.

Unter dieser Voraussetzung gab es in den Simulationen gleich mehrere Szenarien unter denen Proxima Centauri b lebensfreundlich sein könnte. "Wenn der Exoplanet eine Atmosphäre hat und einen Ozean, dann hat der Ozean einen ausgleichenden Einfluss auf das Klima - die Tagseite wäre kälter als bislang vermutet, die Nachtseite wärmer", so Del Genio.

Sicher können sich die Forscher aber auch mit dieser Annahme nicht sein: Weder die Existenz einer Atmosphäre, noch die eines Ozeans sind nachgewiesen. Die Wissenschaftler hoffen, in den nächsten Jahren mit neuen Teleskopen mehr über den fernen Planeten zu lernen.

jme



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