Nachbarstern unserer Sonne Forscher vermuten Supererde bei Proxima Centauri

Proxima Centauri ist der unserer Sonne am nächsten gelegene Stern im Universum. Neue Daten legen nahe, dass er von einer Supererde mit der sechsfachen Masse unseres Planeten umkreist wird.
Planeten um Proxima Centauri (künstlerische Darstellung): Drei Viertel aller Sterne in unserer Heimatgalaxie sind Zwergsterne

Planeten um Proxima Centauri (künstlerische Darstellung): Drei Viertel aller Sterne in unserer Heimatgalaxie sind Zwergsterne

Foto: Lorenzo Santinelli

Um unseren nächstgelegenen Nachbarstern Proxima Centauri kreisen vermutlich zwei Planeten. Das schließt ein internationales Forscherteam aus Langzeitdaten. Der Rote Zwergstern wird demnach nicht nur vom ungefähr erdgroßen Planeten Proxima Centauri b umkreist, sondern auch von einer sogenannten Supererde mit mindestens der sechsfachen Masse unseres Heimatplaneten.

Proxima Centauri müsse allerdings weiter beobachtet werden, um die Existenz des zweiten Planeten zu bestätigen, schreiben die Forscher um Mario Damasso vom Astrophysikalischen Observatorium Turin im Fachblatt "Science Advances" . Den von ihnen vermuteten Planeten haben sie Proxima Centauri c getauft.

Proxima Centauri ist mit einer Entfernung von 4,2 Lichtjahren der nächste Nachbarstern unserer Sonne. Er gehört zur Gruppe der Roten Zwerge, die rund drei Viertel aller Sterne in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, ausmachen. Sterne sind massereiche Himmelskörper, die ihr eigenes Licht aussenden. Für ihre aktuelle Analyse machten sich die Forscher den sogenannten Dopplereffekt zunutze.

Lichtwellen lieferten Hinweise auf Proxima Centauri C

So wie die Sirene eines Polizeiautos heller klingt, solange es sich auf den Beobachter zubewegt, und dunkler, wenn es vom Beobachter weg rast, leuchtet ein Stern etwas blauer, während er sich auf den Beobachter zubewegt, und etwas roter, wenn er sich entfernt. Diese Veränderungen der Lichtwellenlängen lassen sich sehr genau messen.

Die Forscher analysierten nun Wellenmuster, die über einen Zeitraum von mehr als 17 Jahren erfasst wurden. Die leichten Hin- und Herbewegungen von Proxima Centauri verrieten, dass offenbar die Schwerkraft eines weiteren Planeten am Zwergstern zieht und ihn so, von der Erde aus gesehen, ganz leicht vor und zurück bewegt.

Eine Umrundung von Proxima Centauri c dauert der Analyse zufolge etwas mehr als fünf Jahre. Der Planet sei zudem mindestens 5,8-mal so schwer wie unsere Erde, berichten die Forscher. Damit falle der Planet in die Kategorie der Supererden. Das ist eine Sammelbezeichnung für Planeten, deren Masse bis zu zehnmal größer ist als die der Erde. Vermutlich handelt es sich um Gesteinsplaneten.

Mögliche Entdeckung stellt gängige Theorien infrage

Bestätigt sich die Existenz von Proxima c, stellt das die gängigen Modelle über die Entstehung von Supererden infrage. Bislang gehen Forscher davon aus, dass sich solche Planeten nahe der Schneegrenze um einen Stern bilden. Die Schneegrenze ist die Entfernung vom Stern, bei der Wasser aufgrund der abnehmenden Temperaturen gefrieren kann.

Das Problem: Der Orbit von Proxima c liegt weit entfernt von der Schneegrenze in den eisigen Außenbezirken um Proxima Centauri. Die bisherigen Theorien müssen also möglicherweise angepasst werden.

Den ersten Planeten um Proxima Centauri hatten Forscher 2016 entdeckt: Proxima Centauri b ist ungefähr so groß und so schwer wie unsere Erde und kreist in der sogenannten bewohnbaren Zone um den Stern. Das bedeutet, dass die Temperaturen so liegen, dass es flüssiges Wasser geben könnte. Dieses gilt als Grundvoraussetzung von Leben, wie wir es kennen. Ob es allerdings überhaupt Wasser auf Proxima Centauri b gibt oder gar Leben, ist unbekannt (mehr dazu lesen Sie hier) .

Auch Proxima Centauri b hatte sich vor vier Jahren durch seine Schwerkraft verraten, mit der er an Proxima Centauri rüttelt. Der Planet umkreist seine Sonne rund alle elf Tage. In diesem Rhythmus schwankt Proxima Centauri von der Erde aus gesehen leicht vor und zurück. Auch das ließ sich über den Dopplereffekt nachweisen.

jme/dpa