Radiowellen aus dem All Forschungsteam entdeckt unbekanntes pulsierendes Himmelsobjekt

»Irgendwie unheimlich«, aber keine Aliens: Australische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sonderbare Signale gemessen, in 4000 Lichtjahren Entfernung. Womöglich handelt es sich um eine neue Neutronensternklasse.
Dieses Bild zeigt die Milchstraße. Das Sternsymbol auf der rechten Seite markiert die Stelle, an der sich das sonderbare neue Himmelsobjekt befindet.

Dieses Bild zeigt die Milchstraße. Das Sternsymbol auf der rechten Seite markiert die Stelle, an der sich das sonderbare neue Himmelsobjekt befindet.

Foto: Curtin / ICRAR

4000 Lichtjahre entfernt von der Erde, ungefähr 38 Billiarden Kilometer weit weg, sendet ein unbekanntes Himmelsobjekt aus unserer Galaxie in regelmäßigen Abständen elektromagnetische Wellen aus. Es pulsiert. Nur: Was ist es?

Auf diese Frage sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Australien 2018 gestoßen. Damals entdeckte ein Student die Signale, die sich alle 18 Minuten wiederholten. Die Energiewellen wurden über einen Zeitraum von drei Monaten gemessen. Dann verschwanden sie wieder.

Ein galaktischer Leuchtturm

Die Erklärung, die das Team nun in der Fachzeitschrift »Nature«  veröffentlicht hat, lautet so: Womöglich handelt es sich bei dem unbekannten Objekt um eine neue Klasse von langsam rotierenden, sehr hellen Neutronensternen mit einem extrem starken Magnetfeld. Das Radiowellensignal des Objektes, das man sich vereinfacht wie einen galaktischen Leuchtturm vorstellen kann, halte jeweils 30 bis 60 Sekunden an. Eine vergleichbare Pulsfrequenz sei bisher noch nicht beobachtet worden.

Dass die Signale wieder verschwanden, deute darauf hin, dass sie mit einem dramatischen, einmaligen Ereignis zusammenhängen, vielleicht mit einem Sternenbeben.

»Es gibt nichts am Himmel, das so etwas tut.«

Natasha Hurley-Walker, Astronomin

»Für einen Astronomen war es irgendwie unheimlich, denn es gibt nichts am Himmel, das so etwas tut«, sagte Natasha Hurley-Walker vom Internationalen Zentrum für Radioastronomieforschung an der Curtin University in Australien. Hurley-Walker leitet das Team, das die Entdeckung machte.

Die Idee, dass es sich bei dem ungewöhnlichen Objekt um einen Hinweis auf außerirdisches Leben, auf eine technologisch fortgeschrittene Zivilisation handelt, verwarfen die Forscherinnen und Forscher nach eigenen Angaben schnell. Denn das Team hatte festgestellt, dass das Signal – eine der hellsten Radioquellen am Himmel – über ein breites Frequenzspektrum hinweg nachweisbar war. Eine immense Energiemenge wäre erforderlich gewesen, um es zu erzeugen. »Es handelt sich definitiv nicht um Außerirdische«, sagte Hurley-Walker.

So könnte der neu entdeckte Himmelskörper aussehen, wenn es sich um einen Magnetar handelte

So könnte der neu entdeckte Himmelskörper aussehen, wenn es sich um einen Magnetar handelte

Foto: ICRAR

Ebenfalls gegen die Alien-These spreche, dass sich die Existenz eines solchen Objektes – eines »ultralangperiodischen Magnetars« – astronomisch erklären lasse. Es habe nur niemand erwartet, einen solchen Stern direkt zu entdecken, sagte Hurley-Walker, »weil wir nicht erwartet haben, dass sie so hell sind«.

Normalerweise wird das Signal schwächer, wenn der Neutronenstern Energie verliert

Als Neutronenstern bezeichnen Astronominnen und Astronomen den dunklen, dichten Überrest, der zurückbleibt, wenn ein supermassereicher Stern nach einer Supernova kollabiert. Auf die Größe einer Kleinstadt geschrumpft, dreht sich ein solcher Neutronenstern anfangs extrem schnell. Er blitzt innerhalb von Millisekunden oder Sekunden auf und ab. Mit der Zeit verliert der Neutronenstern dann an Energie und wird langsamer. Und eigentlich sollte sein Signal schwächer werden.

Warum das neu entdeckte Objekt – falls es sich um einen Magnetar handelt – immer noch genug Energie abstrahlte, um nachweisbar zu sein, ist noch nicht klar. »Irgendwie wandelt es die magnetische Energie viel effektiver in Radiowellen um als alles, was wir bisher gesehen haben«, sagt Hurley-Walker.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen nun, mit weiteren Beobachtungen mehr Klarheit über das geheimnisvolle Himmelsobjekt und seinen Ursprung zu erlangen.

Anmerkung der Redaktion: Die Entfernung zur Erde war in einer früheren Version des Artikels in Trillionen angegeben, es handelt sich jedoch um Billiarden Kilometer. Der Fehler wurde korrigiert.

vki
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.