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14. Mai 2007, 11:38 Uhr

Raketen-Business

China schießt nigerianischen Satelliten ins All

All-Spediteur und Hightech-Lieferant: Zum ersten Mal hat China einen Kommunikationssatelliten nebst Raketenstart an Ausländer verkauft. Die Volksrepublik drängt ins Rennen um kommerzielle Technik in der Erdumlaufbahn.

Peking - Von einer "monumentalen Errungenschaft für die Nigerianer" sprach ein Vertreter des afrikanischen Landes in der chinesischen Hauptstadt Peking. Doch der Start der Rakete vom Typ "Langer Marsch 3-B" markiert vor allem für China einen Meilenstein, und zwar auf dem Weg zur Kommerzmacht im All.

"Langer Marsch": Trägerrakete mit einem Satelliten für Nigeria auf der Spitze
AP

"Langer Marsch": Trägerrakete mit einem Satelliten für Nigeria auf der Spitze

Die Nutzfracht, der geostationäre Satellit "Nigcomsat-1", soll in abgelegenen Regionen Handynutzern dienen und den Internetzugang verbessern. Es sei das erste Mal, dass ein ausländischer Kunde sowohl die chinesische Rakete in Anspruch genommen als auch den Satelliten gekauft habe, meldete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Das Geschäftsvolumen soll über 300 Millionen US-Dollar (220 Millionen Euro) liegen.

Eine Minute nach Mitternacht (Ortszeit) war die Rakete vom chinesischen Raumfahrtzentrum in Xichang in der südwestchinesischen Provinz Sichuan gestartet. Der Satellit hat nach Angabe der Verantwortlichen bereits seine korrekte Position erreicht.

Er wird von zwei Bodenstationen aus gesteuert: In der nigerianischen Hauptstadt Abuja baut der chinesische Raumfahrtkonzern Great Wall Industries eine solche Einrichtung. Ebenso soll eine chinesische Bodenstation in Nordwestchina den Himmelskörper beobachten.

Der Satellitenstart demonstriert den wachsenden Einfluss Chinas in Afrika. Er ist zeitlich passend gewählt: Am Mittwoch findet in Shanghai ein Treffen der Afrikanischen Entwicklungsbank statt.

China hat sich bereits Verträge für den Start von rund 30 Satelliten ausländischer Kunden gesichert - traditionell der Markt US-amerikanischer, russischer und europäischer Anbieter. Im zweiten Halbjahr 2008 wird China einen Kommunikationssatelliten für Venezuela ins All befördern.

stx/AFP/AP/dpa

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