Raumfahrt Briten wollen allein zum Mond

Es soll ein Alleingang werden: Unabhängig von Esa und Nasa planen die Briten eigene Missionen zum Mond. Die beiden Expeditionen "Moonlight" und "Moonraker" sollen die erdabgewandte Seite untersuchen, ins Innere des Mondes schauen - und der Nasa helfen.


Zimperlich geht die Raumfahrtfirma Surrey Satellite Technology in ihren Plänen nicht mit dem Mond um: Vier große Projektile mit Messinstrumenten soll eine Raumsonde schon im Jahr 2010 in den Erdtrabanten schießen. Wie der britische Sender BBC am heutigen Mittwoch berichtete, soll dabei auch die von der Erde abgewandte Seite des Mondes untersucht werden - weil diese erst wenig erforscht ist.

Weit weg: Die Briten wollen ohne internationale Hilfe zum Mond - und die erdabgewandte Seite zu erforschen
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Weit weg: Die Briten wollen ohne internationale Hilfe zum Mond - und die erdabgewandte Seite zu erforschen

Einige Jahre später könne dann sogar eine britische Sonde auf dem Mond landen - ein Alleingang. Bisher war Großbritannien nur über die US-Raumfahrtbehörde Nasa und die Europäische Raumfahrtagentur Esa an Missionen ins All beteiligt. Die Pläne stammen von dem Privatunternehmen Surrey Satellite Technology, Auftraggeber war der britische Forschungsbeirat für Astronomie und Teilchenphysik (PParc).

Die erste geplante Expedition heißt "Moonlight" ("Mondlicht") und soll unter anderem Informationen über sogenannte Mondbeben sammeln. Dabei könnten vier Instrumente, die jeweils etwa zwei Meter tief in der Trabantenoberfläche verankert werden, seismographische Schwankungen messen. Gleichzeitig sollen sie auch neue Einsichten über den inneren Aufbau des Mondes liefern. "Vorangehende Missionen haben sich auf die der Erde zugewandten Seite des Mondes konzentriert", sagte Alan Smith vom Mullard Space Science Laboratory des University College London der BBC. "'Moonlight' soll erstmals die geheimnisvolle, entfernte Seite erforschen."

Ist die erste Mission erfolgreich, wird es eine zweite geben: "Moonraker" ("Mondsegel"). Diese soll im Rahmen eines Nasa-Programms nach geeigneten Standorten für einen bemannten Stützpunkt auf dem Mond suchen.

Billiger Trip zum Trabanten

Für Großbritannien könnten eigene Mond-Missionen einen großen Vorteil bei der Entwicklung neuer Technologien bedeuten, sagte Martin Sweeting, Geschäftsführer von Surrey Satellite Technology: "In Großbritannien haben wir ungeheuer große Erfahrungen auf dem Gebiet der Raumfahrt. Ein eigenes Mond-Programm könnte für relativ geringe Kosten wirtschaftlich sehr wichtig werden." Inzwischen seien Mondflüge deutlich billiger als zur Zeit der ersten bemannten Mondlandung 1969, so Sweeting. "Heute kosten kleine Missionen rund 500 Millionen Euro. Mit den Fortschritten bei kleinen Satelliten können wir die Kosten vermutlich noch um mindestens ein Fünftel senken."

Aus Londoner Sicht sei allerdings ein Mond-Programm ganz auf eigene Faust und ohne Mitwirkung der europäischen Raumfahrt-Partner "die unwahrscheinliche Lösung", sagte David Parker, Raumforschungschef der britischen Raumagentur BNSC. Verantwortliche der Esa betonten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in London, britische Robotermissionen stünden nicht im Gegensatz zu den angedachten bemannten Esa-Missionen zur Erkundung des Sonnensystems.

Großbritannien führte schon mehrmals Missionen ins All an. Wenig erfolgreich war dabei die Landeeinheit "Beagle 2" bei einer Expedition zum Mars. Ende 2003 war die Sonde vermutlich auf dem roten Planeten gelandet, Funkkontakt konnten die Briten allerdings nicht mehr herstellen. "Beagle 2" wurde deswegen im Februar 2004 als verloren erklärt. Zwei Jahre später wurde das Wrack auf Fotos vom Roten Planeten entdeckt. Die Bilder des Nasa-Orbiters "Mars Global Surveyor" deuteten damals darauf hin, dass der Roboter in einen Krater nahe seines geplanten Landeplatzes gestürzt sei.

Auch Indien plant Mondmission

Auch Indien hat ehrgeizige Pläne für die Erforschung des Monds. Die erste Rakete für das bemannte Raumfahrtprogramm ist erfolgreich gestartet, sagte Madhavan Nair, Chef der nationalen Raumfahrtagentur ISRO. Demnach brachte die 44-Meter-Rakete Polar Satellite Launch Vehicle am Mittwoch zwei Satelliten und eine Raumkapsel ins All. In zwei bis vier Wochen soll die noch unbemannte Kapsel unbeschadet auf die Erde zurückkehren.

Dies gilt als erster Schritt für Indiens Raumfahrtprogramm: 2008 will das Land eine erste unbemannte Sonde zun Mond schicken, bis 2013 eine Mission zum Mars. Anschließend sind bemannte Raumflüge geplant, wie sie bislang nur Russland, die USA und China ausführen können.

hei/dpa/AFP



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