Raumfahrt China startet seinen "Himmelspalast"

Die Volksrepublik drängt mit Macht ins Weltall: China hat das erste Bauteil für eine eigene, bemannte Raumstation auf den Weg gebracht. Die Trägerrakete startete ohne Zwischenfälle, das Modul "Tiangong-1" ist im Orbit.

AP

Peking - China hat den ersten großen Schritt zu einer permanenten Präsenz im All vollzogen: Eine Trägerrakete vom Typ "Langer Marsch 2F" hat am Donnerstag die Raumkapsel "Tiangon-1" ("Himmelspalast") in den Orbit geschossen. Das Modul soll das erste Bauteil für eine Raumstation sein, die ab 2020 von Taikonauten - so der chinesische Begriff für Raumfahrer - bewohnt werden könnte.

Rund 20 Minuten nach dem Start meldete das Raumfahrtzentrum, dass "Tiangong-1" wie geplant seine Position in rund 350 Kilometer Höhe erreicht habe und die Sonnensegel ausgeklappt worden seien. Der Kommandeur des Raumfahrtprogramms, Chang Wanquan, verkündete unter großem Beifall den "kompletten Erfolg" des Starts.

Der Start wurde live im Fernsehen gezeigt - was bei früheren wichtigen Projekten der chinesischen Raumfahrt längst nicht immer der Fall war. Zu groß war die Furcht, einen peinlichen Fehlschlag in alle Welt zu übertragen. Diesmal aber ging alles glatt: Um 15.16 Uhr deutscher Zeit hob die Rakete vom Weltraumbahnhof Jiuquan ab. Staats- und Parteichef Hu Jintao verfolgte den Start im Pekinger Kontrollzentrum.

Der Transport des Moduls verzögerte sich insgesamt um etwa ein Jahr. Zuletzt war der Start für Anfang September geplant, musste aber verschoben werden, weil am 18. August eine Rakete aus der Familie "Langer Marsch" abgestürzt war. Es war der erste Fehlschlag dieser Art seit 15 Jahren. Nachdem der Fehler im Kontrollsystem der kleinen Steuerungstriebwerke entdeckt worden war, wurde die Rakete für "Tiangong-1" entsprechend verbessert.

Raumstation könnte 2020 eröffnet werden

China verfolgt ambitionierte Pläne: Sechs Taikonauten sind seit 2003 ins All aufgebrochen, alle kamen sicher zurück. Nun steht der nächste Meilenstein an: der Bau einer bemannten Raumstation im Erdorbit. Mit dem 8,5 Tonnen schweren "Tiangong-1"-Modul wollen die Chinesen Andockmanöver im Orbit testen. Anfang November soll dazu die unbemannte Raumkapsel "Shenzhou 8" starten, um an den "Himmelspalast" anzukoppeln.

"Tiangong-1" ist für eine Lebensdauer von etwa zwei Jahren ausgelegt. 2012 sollen mit "Shenzhou-9" und -10 Taikonauten zu Kurzzeitmissionen zu dem Modul fliegen, umsteigen und erste medizinische und technologische Experimente an Bord durchführen. Zwischen 2013 und 2015 werden die Nachfolger "Tiangong-2" und -3 in die Umlaufbahn gebracht. Für diese beiden Module sind vier Besuchsbesatzungen geplant.

Bereits 2020 soll dann der erste rund 60 Tonnen schwere chinesische "Himmelspalast" quasi im Tandem mit der Internationalen Raumstation ISS die Erde umkreisen. Das Datum dürfte kein Zufall sein: 2020 soll die Internationale Raumstation (ISS) ausgemustert werden - auch wenn Fachleute davon ausgehen, dass sie bis 2025 oder gar 2028 in Betrieb bleiben wird.

Die Chinesen forcieren auch deshalb ihre Pläne, weil sie als Partner bei der ISS unerwünscht sind. Das haben ihnen die USA klargemacht, die befürchten, dass die Rivalen aus Fernost sich ansonsten sensible, auch militärisch nutzbare Technologien aneignen könnten.

Auch in der unbemannten Raumfahrt waren die Chinesen zuletzt äußerst aktiv. Bereits zwei unbemannte Sonden sind in die Umlaufbahn des Mondes eingeschwenkt, die jüngste im vergangenen Oktober. Aus dem Orbit werden mögliche Landestellen erkundet, denn eine erste Mondlandung soll in wenigen Jahren folgen. Dabei geht es um ein automatisches Mondauto, sozusagen die lunare Version der amerikanischen Marsmobile "Spirit" und "Opportunity".

Sogar von einer bemannten Mondmission der Chinesen ist immer wieder die Rede. Laut Ye Peijian, dem Leiter des robotischen Mondprogramms, könnte sein Heimatland bis zum Jahr 2025 eine erste bemannte Landung durchführen. Ob das bloß die persönliche Einschätzung eines Wissenschaftlers ist oder sich in dem Zitat die offizielle Politik widerspiegelt, ist derzeit offen.

mbe/dpa/dapd

insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
si_tacuisses 29.09.2011
1. Herzlichen Glückwunsch !!
Zitat von sysopDie Volksrepublik drängt mit Macht ins Weltall: China hat das erste Bauteil für eine eigene, bemannte Raumstation auf den Weg gebracht. Die Trägerrakete startete ohne Zwischenfälle, das Modul "Tiangon-1" ist nun auf dem Weg in den Orbit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,789122,00.html
in Tip für die Amis: "Kannst du einen Feind nicht besiegen, verbünde dich mit ihm."
LJA 29.09.2011
2. Ganz nebenbei
Zitat von sysopDie Volksrepublik drängt mit Macht ins Weltall: China hat das erste Bauteil für eine eigene, bemannte Raumstation auf den Weg gebracht. Die Trägerrakete startete ohne Zwischenfälle, das Modul "Tiangon-1" ist nun auf dem Weg in den Orbit. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,789122,00.html
Die richtige Schreibweise ist 'Tiangong', so wie es später im Artikel auch geschieht.
pontifactus 29.09.2011
3. na und?
wir sind immer noch besser. schliesslich zahlen wir subventionen an china und nicht andersrum.
sukowsky, 29.09.2011
4. Der Westen kann nun bald zu den Chinesen aufsehen
Der Westen kann nun bald zu den Chinesen aufsehen vorher war es umgekehrt. Es bewahrheitet sich wieder mal das Sprichwort, Hochmut kommt vor dem Fall.
joe sixpack 29.09.2011
5. Ein Tip fuer si_tacuisses:
Zitat von si_tacuissesin Tip für die Amis: "Kannst du einen Feind nicht besiegen, verbünde dich mit ihm."
Hast Du sonst wirklich nichts beizutragen, lass es einfach ganz bleiben, frei nach D. Nuhr...
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