"Rosetta"-Mission Sonde soll erstmals Minilabor auf Kometen bringen

Ihr Ziel heißt 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, es liegt neun Millionen Kilometer entfernt: Die europäische Raumsonde "Rosetta" soll ein Minilabor auf dem Kometen absetzen. Forscher vergleichen die Mission mit der ersten bemannten Mondlandung.

Astrium/ E. Viktor

Darmstadt - Mit einer spektakulären Mission macht sich die europäische Raumfahrtagentur Esa auf den Weg zu den Anfängen des Sonnensystems. Die Raumsonde "Rosetta" soll im August 2014 als erster Raumflugkörper in eine Umlaufbahn um einen Kometen einschwenken und einige Wochen später den Lander "Philae" auf ihm absetzen. Das Manöver ist für November 2014 geplant - nach Esa-Angaben eine noch nie dagewesene Aktion in der Raumfahrtgeschichte.

"Das hat vor uns noch keiner gemacht", sagte der Leiter des Missionsbetriebs, Paolo Ferri, am Dienstag im Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt. Kometen sollen Urmaterie vom Beginn des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahre enthalten. Die Mission soll auch Aufschlüsse darüber geben, ob Kometen Wasser und Leben auf die Erde gebracht haben.

Die Missionsplaner der europäischen Weltraumbehörde Esa haben für "Rosetta", die am 2. März 2004 mit einer "Ariane 5-"Rakete vom europäischen Weltraumhafen Kourou gestartet ist, eine wissenschaftlich hochergiebige zehnjährige Reiseroute mitgegeben. Wenn alles gutgeht, wird die Kometensonde bis zum Ende der Mission etwa 7,1 Milliarden Kilometer durch das Sonnensystem zurückgelegt haben - dreimal an der Erde und einmal am Mars sowie an den Asteroiden Steins (2008) und Lutetia (2010) vorbei.

Auf der Suche nach der Urmaterie

Auf ihrem bisherigen Weg drang "Rosetta" bis zu 800 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt ins äußere Sonnensystem vor - nahe der Umlaufbahn des Jupiters -, um so den Zielkometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko zu erreichen und ihn schließlich auf dem Weg zur Sonne zu begleiten.

Seit dem 8. Juni 2011 befindet sich "Rosetta" in einer energiesparenden Tiefschlafphase. Ihr Wecker ist auf den 20. Januar 2014, 11 Uhr MEZ, gestellt, erklärt jetzt ein Esa-Sprecher. Dann soll die Sonde ihre Navigationsinstrumente aufwärmen und die Hauptantenne zur Erde ausrichten, um mit dem Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt in Kontakt zu treten. Die Mitarbeiter dort seien nicht ganz frei von Sorgen, immerhin sei "Rosetta" bereits seit zehn Jahren in den Tiefen des Alls unterwegs.

Zum Zeitpunkt des Weckrufs wird "Rosetta" noch neun Millionen Kilometer vom Zielkometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko entfernt sein. Wenn alle elf Instrumente der Sonde noch funktionieren, kann sie ihre Reise fortsetzen. Ende Mai steht dann ein größeres Kurskorrekturmanöver auf dem Programm, das die Sonde endgültig auf Kurs bringen soll.

Das Einschwenken in einen Orbit um den Kometen ist für August 2014 geplant. Erfolgreich beendet werden soll die "Rosetta"-Mission mit der für November 2014 geplanten Landung von "Philae" auf dem Kometen - einem Ort, der 4,64 Milliarden Jahre alte Urmaterie vom Beginn des Sonnensystems beherbergen soll. Gelingt das Manöver, kann das exotische Kometenmaterial mit zehn verschiedenen Instrumenten detailliert untersucht werden.

nik/dpa



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