Raumfahrt-Initiative Bush kündigt Rückkehr zum Mond bis 2020 an

George W. Bush will spätestens bis zum Jahr 2020 wieder amerikanische Astronauten auf den Mond schicken. In seiner Rede zur Zukunft der bemannten Raumfahrt kündigte der US-Präsident den Bau einer Mondbasis an, die als Sprungbrett zum Mars dienen soll.

"Seit über 30 Jahren hat kein Mensch eine fremde Welt betreten", sagte Bush in Washington. "Es ist Zeit für die nächsten Schritte." Mit einem neu entwickelten Raumschiff, dem "Crew Exploration Vehicle" (CEV), sollen die Rückkehr zum Mond und der Flug zum Mars gelingen. Vielleicht schon 2015, spätestens aber im Jahr 2020 werde wieder ein Amerikaner auf dem Mond stehen, sagte der Präsident. Er vermied es jedoch, einen Zeitpunkt für eine bemannte Mars-Mission zu nennen.

Die betagten Space Shuttles werden im Jahr 2010 ausgemustert, sagte Bush. Bis dahin soll nach seinem Willen auch die Internationale Raumstation fertig gestellt sein. Die USA würden sich nicht aus der Finanzierung der ISS zurückziehen und die Verträge mit den Partnernationen einhalten. "Wir werden beenden, was wir begonnen haben."

"Menschliche Präsenz im Sonnensystem"

Die Kernstücke von Bushs Rede waren die Rückkehr zum Mond und die Erforschung fremder Planeten. Der Präsident sprach gar von einer "menschlichen Präsenz im gesamten Sonnensystem". Spätestens 2008 sollen den Plänen zufolge Sonden und unbemannte Raumschiffe zur Erkundung der Mondoberfläche und zur Vorbereitung einer Station aufbrechen.

Eine feste Basis auf dem Mond würde es den Astronauten erlauben, neue Technologien zu entwickeln und sich die großen Ressourcen des Mondes nutzbar zu machen, erklärte Bush. Eine Mondbasis würde auch die Montage und den Start von Raumschiffen erleichtern, die weiter in den Weltraum vordringen könnten. "Der Mond ist der logische Schritt zu ferneren Zielen", sagte Bush. Nach dem Erdtrabanten werde es bemannte Missionen zum Mars "und darüber hinaus" geben.

"Unvorstellbare Ressourcen" auf Mond und Mars

Unbemannte Sonden leisteten einen wichtigen Beitrag zur Erkundung fremder Welten. "Aber wir müssen selbst sehen, berühren und erforschen. Die Menschen werden in den Kosmos vordringen." Auf dem Mond und dem Mars warteten "unvorstellbare Ressourcen" auf ihre Entdeckung. Eine Wiederbelebung des Raumfahrtprogramms könne darüber hinaus zur Heranbildung einer neuen Generation von Erfindern und Entdeckern beitragen. "Mit der Erforschung des Weltraums leben wir den Geist unserer Nation", sagte Bush.

Für seine Weltraumpläne will der Präsident das Nasa-Budget in den kommenden fünf Jahren um den eher bescheidenen Betrag von insgesamt einer Milliarde Dollar aufstocken und weitere elf Milliarden aus dem Haushalt der Raumfahrtbehörde umschichten. Für 2004 verfügt die Nasa über 15,5 Milliarden Dollar.

Nicht zuletzt wegen der fraglichen Finanzierung forderte Bush andere Nationen auf, sich an seiner Weltraum-Initiative zu beteiligen. Die Erforschung des Alls sei "eine Reise, kein Wettrennen". Die Einladung dürfte auch einen anderen Hintergrund haben: Das neue Raumschiff, mit dem Amerikaner den Mond erreichen sollen, wird laut Nasa frühestens 2013 fertig sein. In den drei Jahren zwischen diesem Termin und der Ausmusterung der Space Shuttles müssten die US-Astronauten Flüge auf russischen "Sojus"-Raumschiffen buchen.

Kritiker sprechen von Ablenkungsmanöver

Politische Beobachter sehen in den Weltraum-Plänen des Präsidenten den Versuch, in Regionen vorzustoßen, in denen nie ein Bush zuvor gewesen ist - nämlich in die zweite Amtszeit. Kritiker werfen Bush vor, vor allem von heimischen und internationalen Problemen seiner Amtszeit ein knappes Jahr vor der Wahl abzulenken.

Bushs Vater hatte 1989 während seiner Zeit als Präsident ebenfalls die Landung von Astronauten auf dem Mars geplant. Die Nasa hatte die Kosten für das Projekt mit 400 bis 500 Milliarden Dollar angegeben - zu teuer, um vom Kongress abgesegnet zu werden. Die Pläne wurden nie in die Tat umgesetzt. Zu einer Etaterhöhung um eine Milliarde Dollar aber, hieß es kurz nach der Bushs Rede, könne wohl niemand Nein sagen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.