Gesundheitsgefahr für Astronauten Langzeitaufenthalte im All können das Gehirn schädigen

Bei der Untersuchung der Blutproben von fünf Astronauten ist ein Forschungsteam auf besondere Hirnproteine gestoßen. Diese Stoffe könnten ein Hinweis auf Verletzungen durch den Aufenthalt in der Schwerelosigkeit sein.
Der Astronaut Mark Vande Hei macht ein Space-Selfie. Ein Aufenthalt im All hat Folgen für die Gesundheit

Der Astronaut Mark Vande Hei macht ein Space-Selfie. Ein Aufenthalt im All hat Folgen für die Gesundheit

Foto: NASA

Ein längerer Aufenthalt im Weltall lässt bei Astronautinnen und Astronauten nicht nur die Muskeln und Knochen schwinden. Das Leben in der Schwerelosigkeit hat offenbar auch Auswirkungen auf das menschliche Gehirn.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat das Blut von fünf Astronauten nach ihrer Rückkehr von der ISS untersucht. Die Forscher konnten nach eigenen Angaben  nachweisen, dass die Werte für mehrere Proteine, die auf Alterungsprozesse und Verletzungen des Gehirns hindeuten, direkt nach der Rückkehr aus dem All deutlich ansteigen.

Die Blutproben wurden mit Proben verglichen, die vor dem Start der Mission entnommen worden waren. Zudem prüften die Forscher die Werte im Blut der Astronauten eine und dann noch einmal drei Wochen nach der Landung auf der Erde.

Die Proteine deuten den Forschern zufolge auf eine Verletzung der langen Nervenfasern in der weißen Substanz und dem Stützgewebe des Gehirns, der Glia, hin. Der Anstieg der Blutwerte für ein Protein, das die Hirnalterung anzeigt, korreliere in seiner Höhe mit der Dauer des Aufenthalts im All.

Ursache für den Anstieg der Hirnproteine sei möglicherweise ein gestörter Abfluss des venösen Bluts aus dem Kopf in Schwerelosigkeit, der im Lauf der Zeit zu einem Druckanstieg im Nervenwasser führe.

»Eine leichtgradige, aber anhaltende Hirnverletzung«

Da das Verhalten sehr verschiedener Proteine sehr ähnlich war, gehen die Forscher von einer umfassenden Gesamtreaktion des gesamten Gehirns nach einem Langzeitaufenthalt in der Schwerelosigkeit aus, nicht nur von der Veränderung einer Gewebeart allein.

»Insgesamt deuten unsere Ergebnisse auf eine leichtgradige, aber anhaltende Hirnverletzung und einen beschleunigten Alterungsprozess des Gehirns bei Rückkehr zur Erde hin«, sagte der Mediziner Professor Peter zu Eulenburg von der Ludwig-Maximilians-Universität München. »Es scheinen dabei alle relevanten Gewebearten des Gehirns betroffen zu sein.«

Bislang hatten nur Veränderungen des Sehvermögens bei einigen Raumfahrern einen klinischen Hinweis für neurologisch relevante Folgen eines Langzeitaufenthalts im All geboten.

Wie gefährlich wäre der Flug zum Mars?

Zu wissen, wie groß die gesundheitlichen Gefahren für den menschlichen Körper im All sind, ist auch für künftig geplante Besuche auf dem Mars wichtig. Schon 2033 könnte der erste Mensch einen Fuß auf die Oberfläche des Mars setzen.

»Um die neurologischen Risiken bei Langzeitmissionen zu minimieren und die allgemeine klinische Bedeutung der Befunde zu bestimmen, sind umfassendere Studien mit vorbeugenden Maßnahmen gegen den Druckanstieg im Kopf unbedingt notwendig, bevor Raumfahrer eine Reise zum Mars antreten«, sagte zu Eulenburg.

vki
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.