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10. Oktober 2011, 12:31 Uhr

Raumfahrt

Russland will mehr Geld für Flüge ins All

Westliche Länder sind derzeit auf Russland angewiesen, um Satelliten oder Astronauten ins All befördern zu lassen. Das könnte demnächst richtig teuer werden: Die Flüge seien bisher viel zu billig gewesen, meint der Chef der russischen Raumfahrtbehörde.

Moskau - Weniger bemannte Raumfahrt, mehr kommerzielle Projekte: Mit einer neuen Strategie will Russland mehr Geld an seinen Flügen ins All verdienen. Obwohl das Riesenreich jährlich 40 Prozent aller Raketenstarts organisiere, halte es nur drei Prozent am Weltmarkt für Dienstleistungen im All, sagte der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin, in einer Rede im Moskauer Parlament.

Es werde künftig teurer werden, von Russland Satelliten ins All befördern zu lassen, sagte Popowkin nach Angaben der Zeitung "Kommersant": "Wir haben 2010 mit unseren Flügen rund 267 Milliarden US-Dollar (etwa 200 Milliarden Euro) eingenommen, das sind aber nur drei Prozent des Gewinns in dieser Branche weltweit." Die russische Raumfahrt müsse dringend effektiver werden. Reformbedarf räumte Popowkin auch innerhalb seines Unternehmens ein: Fast die Hälfte der Roskosmos-Belegschaft sei bereits älter als 60 Jahre. Experten kritisieren seit Jahren Missmanagement innerhalb der staatlichen Behörde.

Nach dem Aus der amerikanischen Space Shuttles können Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation ISS derzeit nur mit russischer Technik erfolgen. Diese Mission bleibe wichtig, unterstrich Popowkin. Er kündigte an, dass am 14. November und am 21. Dezember jeweils drei Raumfahrer in einer Sojus-Kapsel vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zur ISS starten würden. Billig ist das schon heute nicht: Für jeden Astronauten-Sitzplatz verlangen die Russen derzeit mehr als 50 Millionen Dollar.

"Neuen Partnern zuwenden"

Russland wolle in der Raumfahrt künftig mehr mit den Ländern Südostasiens, Afrikas und Lateinamerikas kooperieren, sagte Popowkin. "Im Westen wartet niemand mehr auf uns, aber unseren traditionellen Partnern in anderen Erdteilen sollten wir uns wieder mehr zuwenden." Dagegen werde die Entwicklung der geplanten neuen Trägerrakete Rus-M vorerst auf Eis gelegt. Gründe dafür nannte der Roskosmos-Chef nicht.

Die Rede in der Staatsduma erntete Zustimmung und Kritik. "Die Olympischen Spiele 2014 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 werden so teuer, dass Russland nicht noch mehr Geld in die Raumfahrt stecken sollte", sagte der langjährige Abgeordnete Oleg Bassilaschwili. Dem widersprach der Unternehmer Sergej Pridanzew. "Wir sollten weitermachen, bevor uns China in der Raumfahrt überholt."

In den vergangenen Monaten war nach mehreren Unfällen die Zuverlässigkeit der russischen Raumfahrt in Frage gestellt worden. Zuletzt hatte der Absturz einer unbemannten Sojus-Rakete am 24. August für Schlagzeilen gesorgt. Popowkin hatte vergangenen Freitag jedoch Entwarnung gegeben: Eine Überprüfung der Antriebe mehrerer Sojus-Raketen habe keine Mängel erkennen lassen. An dem Unglück vom August seien Produktionsfehler schuld.

boj/dpa

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