Raumfahrt Sojus-Kapsel legt harte Landung hin

Die russische Sojus TMA-11, die nach sechs Monaten Aufenthalt im All die Besatzung der Raumstation ISS zur Erde zurückgebracht hat, hat ihren Landeplatz offenbar um mehrere Hundert Kilometer verfehlt. Die Landung sei hart verlaufen, der Zustand der Besatzung sei aber "befriedigend", hieß es.


Moskau - Rund zwei Stunden nach der Landung der Sojus-Kapsel in der kasachischen Steppe hat die russische Weltraumbehörde bestätigt, dass die Landung nicht ganz planmäßig verlaufen ist. Hart und nicht ganz zielgenau sei die 16. Langzeitbesatzung der Internationalen Raumstation ISS wieder auf der Erde gelandet.

Die russische Sojus-Kapsel mit der US-Astronautin Peggy Whitson, dem russischen Kosmonauten Juri Malentschenko und der südkoreanischen Forscherin Yi So Yeon setzte am Samstag um 10.51 Uhr MESZ in der kasachischen Steppe auf, berichtete die Agentur Interfax aus dem Kontrollzentrum bei Moskau. Geplant war die Landung rund 20 Minuten früher - die erste Abweichung vom Plan.

Die zweite lässt sich als Distanz beziffern: Rund 420 Kilometer vom anvisierten Landeplatz entfernt habe die Kapsel eine "harte ballistische Landung" hingelegt.

Darunter versteht man eine Landung in erheblich steilerem Winkel und mit deutlich höherer Geschwindigkeit. Die Besatzung ist dabei erheblich höheren Gravitationskräften ausgesetzt, auch die Landung selbst fällt härter aus. Das Raumfahrt-Kontrollzentrum war von der Besatzung nicht in Kenntnis gesetzt worden, dass diese eine ballistische Landung versuchen würden.

Erst nach der Landung habe Raumschiffkommandant Malentschenko Kontakt zu den Bergungsmannschaften aufgenommen und gemeldet, dass sich die Besatzung "gut" fühle. Die Raumfahrer seien zur Begrüßung offenbar ordentlich durchgeschüttelt worden, sagte ein Sprecher des Kontrollzentrums. Die Gründe dafür würden untersucht.

Ballistische Landung: die Notfall-Option

Einen ähnlichen Vorfall hatte es bereits mit dem Vorgängerraumschiff "Sojus TMA-10" im Oktober vergangenen Jahres gegeben. Wegen eines Kabelschadens am Steuerpult kam es zu einer ungesteuerten Landung. Dabei waren die russischen Kosmonauten Fjodor Jurtschichin und Oleg Kotow sowie der malaysische Astronaut Sheikh Muszaphar Shukor kurze Zeit einer Belastung bis zum Neunfachen ihres Körpergewichts ausgesetzt.

Auch im Mai 2003 verfehlte eine US-russische Crew mit einer Sojus-Kapsel ihren Landeplatz. Damals hatte die Besatzung, die 500 Kilometer jenseits ihres geplanten Landepunktes herunter gekommen war, über zwei Stunden darauf warten müssen, gefunden zu werden. Die Crew der TMA-11 hatte da mehr Glück: Sie kam Nahe der kasachischen Grenze knapp außerhalb der Stadt Orsk zu Boden.

Die Moskauer Agentur Itar-Tass beschrieb den Zustand der Astronauten kurz nach der ersten ärztlichen Untersuchung als "befriedigend". Die Kosmonauten hätten die Kapsel inzwischen verlassen. Ein Sprecher der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos sagte, bei der Art der Landung habe es sich um eine "Reserve-Variante" gehandelt: "Das Wesentliche ist, dass die Besatzung lebt und gesund ist." Die Kapsel hatte am Samstag planmäßig um 9.06 Uhr (MESZ) rund 350 Kilometer über Nordafrika von der ISS abgedockt.

Whitson, 48, und Malentschenko, 46, waren am 10. Oktober 2007 vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet. Als erste Frau übernahm Whitson später das Kommando der ISS. Die Nanotechnologie-Expertin Yi So Yeon, 29, die am 8. April 2008 zur Raumstation aufgebrochen war, war die erste Südkoreanerin im All. Die Rückkehr der 17. Langzeitbesatzung ist für Herbst 2008 vorgesehen.

Whitson, die 2002 schon einmal 185 Tage in der Station war, hält nun mit 377 Tagen den US-Langzeitflugrekord. Sie verdrängte damit ihren Landsmann Michael Foale vom ersten Platz, der es bei sechs Flügen auf 373 Tage brachte. Die Amerikanerin belegt jetzt nach 19 Russen Platz 20 der Weltbestenliste. Absoluter Langzeitflieger ist der Russe Sergej Krikaljow mit 803 Tagen.

pat/ddp/dpa/rts

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