Raumfahrtpanne Russland verliert erneut Satelliten

Es ist ein weiteres Kapitel einer langen Saga des Scheiterns: Russland hat schon wieder einen Satelliten verloren. Er sollte eigentlich Kommunikationsverbindungen in der Arktisregion des Landes ermöglichen. Dort liegt er nun - als Schrotthaufen.

"Sojus 2.1b"-Rakete (hier im Dezember 2006): Weitere Pleite für Russlands Raumfahrt
DPA / Arianespace

"Sojus 2.1b"-Rakete (hier im Dezember 2006): Weitere Pleite für Russlands Raumfahrt


Moskau - Russlands Raumfahrtagentur Roskosmos hat ein Problem - und es wird jeden Tag größer. Beinahe jedes Projekt, das die Behörde derzeit angeht, entwickelt sich zum Desaster. Am Freitag ist erneut ein Satellit abgestürzt - unmittelbar nach dem Start. Es handelt sich um einen Kommunikationssatelliten des "Meridian"-Systems. Er war mit einer offenbar defekten "Sojus 2.1b"-Rakete vom Weltraumbahnhof Plessezk im Norden Russlands gestartet.

Die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti meldet unter Berufung auf Militärkreise, dass der Satellit kurz nach dem Start unweit der westsibirischen Stadt Tobolsk aufgeschlagen sein. Die Nachrichtenagentur will erfahren haben, dass ein Problem mit der dritten Stufe der "Sojus"-Trägerrakete für den Absturz verantwortlich war.

Die "Meridian"-Satelliten werden militärisch und zivil genutzt, deswegen gibt es auch keine offiziellen Fotos von ihnen. Klar ist aber: Die fliegenden Nachrichtenzentralen sollen die alternde "Molnija"-Konstellation ersetzen, die Russland für die Kommunikation in der hohen Arktis nutzt. Die Satelliten befinden sich auf speziellen Umlaufbahnen. Sie sollen die Abdeckung von Gebieten ermöglichen, die von klassischen geostationären Kommunikationssatelliten nicht erreicht werden. Zuletzt war ein "Meridian"-Satellit im Mai dieses Jahres erfolgreich gestartet, ein anderer war dagegen im Mai 2009 in einem zu niedrigen Orbit gelandet.

Für die russische Raumfahrt ist der Absturz vom Freitag ein weiterer Rückschlag. Die Liste gescheiterter Missionen ist mittlerweile bedrückend lang. Zuletzt hatten die Roskosmos-Experten die Marsmond-Raumsonde "Phobos Grunt" verloren. Sie war am 9. November vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan gestartet.

"Phobos Grunt" schlägt im Januar auf

Es sollte Russlands erste interplanetare Mission seit 15 Jahren werden - und endete in einer Blamage ersten Ranges. Offenbar wegen eines Programmierfehlers zündeten die Triebwerke für den Weiterflug aus dem Erdorbit zum Marsmond Phobos nicht. Nun wird die Sonde wahrscheinlich im Januar auf der Erde aufschlagen. Wo genau, wird erst unmittelbar vor dem Crash klar sein.

Im August war ein unbemannter "Sojus"-Raumfrachter auf dem Weg zur ISS abgestürzt. Auch hier gab es Probleme mit der dritten Raketenstufe einer "Sojus". Eine defekte "Proton M"-Rakete war nur wenige Tage zuvor Schuld daran, dass ein "Express-AM4"-Telekommunikationssatellit in einer falschen Umlaufbahn landete. Weitere Pannen gab es unter anderem mit Satelliten des "Glonass"-Navigationssystems.

Wegen der Pannenserie mussteRoskosmos-Chef Anatoli Perminow seinen Hut nehmen. Gebessert hat sich die Lage offenbar trotzdem nicht. Der einstweilen wohl wichtigste Start der Russen ging diese Woche immerhin glatt: Der "Sojus TMA-03M"-Transporter mit den Raumfahrern Oleg Kononenko (Russland), Donald Pettit (USA) und André Kuipers (Niederlande) hob zur ISS ab.

chs

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Seite 1
kushi 23.12.2011
1. ganze Linie
Zitat von sysopEs ist ein weiteres Kapitel einer langen Saga des Scheiterns: Russland hat schon wieder einen Satelliten verloren. Er sollte eigentlich Kommunikationsverbindungen in der Arktisregion des Landes ermöglichen. Dort liegt er nun - als Schrotthaufen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,805630,00.html
Russlands Infrastruktur zerfällt: in der Luft, zu Wasser, auf dem Land und im All. Die Korruption hat sämtliche Bereiche von Staat und Gesellschaft zerfressen, auch deshalb die Pannen in der Raumfahrt. Das System Putin landet sprichwörtlich als Schrotthaufen im Nirgendwo. Die fortgesetzten Pannen in der Raumfahrt sind lediglich ein Sinnbild für das Scheitern des Putinismus auf ganzer Linie.
onkelbenz,derechte 23.12.2011
2. ...
Zitat von sysopEs ist ein weiteres Kapitel einer langen Saga des Scheiterns: Russland hat schon wieder einen Satelliten verloren. Er sollte eigentlich Kommunikationsverbindungen in der Arktisregion des Landes ermöglichen. Dort liegt er nun - als Schrotthaufen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,805630,00.html
Den ersten Satelliten im Weltall, den ersten Menschen im Weltall, die erste sowie die bisher einzige funtionierende Station im All - demgegenüber Hollywood auf dem Mond und explodierende Astronauten in Shuttles - ein einziges Scheitern...
kinich_janaab 23.12.2011
3. an Propaganda-Bully
Zitat von kushiRusslands Infrastruktur zerfällt: in der Luft, zu Wasser, auf dem Land und im All. Die Korruption hat sämtliche Bereiche von Staat und Gesellschaft zerfressen, auch deshalb die Pannen in der Raumfahrt. Das System Putin landet sprichwörtlich als Schrotthaufen im Nirgendwo. Die fortgesetzten Pannen in der Raumfahrt sind lediglich ein Sinnbild für das Scheitern des Putinismus auf ganzer Linie.
Was halten Sie vom folgenden Abschnitt?: "Kostensenkungen und Personalabbau nach amerikanischem Vorbild helfen den russischen Firmen, glänzend aus der Wirtschaftskrise herauszukommen. Mehr noch: In keinem anderen europäischen Land erwirtschaften die Top-Konzerne heute höhere Gewinne und Margen als in Russland. *Nicht wenige Experten hatten den scheinbar unbeweglichen Kolossen den Untergang vorausgesagt, wenn die Welt erst einmal weniger Energie braucht und die Preise in den Keller fallen. Doch alles kam anders.*" Es kommt mir vor, als ob Sie einer dieser Expreten wären. Handelsblatt--Margen-Analyse: Russische Firmen übertreffen deutsche Konkurrenz - Industrie - Unternehmen - Handelsblatt (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/russische-firmen-uebertreffen-deutsche-konkurrenz/3449124.html?p3449124=all) Was halten Sie von diesen Stats?: http://apikabu.ru/img_n/2011-12_5/jdc.jpg http://apikabu.ru/img_n/2011-12_5/dzj.jpg Und hierzu würde mich ebenfalls Ihre Meinung interessieren: "Ohne die Russen geht bei der Nasa gar nichts mehr - Goodbye, Shuttle! Die US-Raumfähren werden eingemottet. Fassungslos nimmt die Fachwelt zur Kenntnis, dass es die USA versäumt haben, rechtzeitig für Ersatz zu sorgen. *Beim bemannten Zugang zum All ist die einst so stolze Raumfahrtnation nun jahrelang von den Russen abhängig – eine peinliche Zwangslage*" Raumfahrt: Ohne die Russen geht bei der Nasa gar nichts mehr - Nachrichten Wissenschaft - Weltraum - WELT ONLINE (http://www.welt.de/wissenschaft/weltraum/article5722421/Ohne-die-Russen-geht-bei-der-Nasa-gar-nichts-mehr.html)
kinich_janaab 23.12.2011
4. --
Zitat von onkelbenz,derechteDen ersten Satelliten im Weltall, den ersten Menschen im Weltall, die erste sowie die bisher einzige funtionierende Station im All - demgegenüber Hollywood auf dem Mond und explodierende Astronauten in Shuttles - ein einziges Scheitern...
An dem Aufbauschen der Berichterstattung gegen Russland (Ben Bidder ist da immer an der vordesten Front) und die Tatsache, dass Spiegel auch noch die verleumderischen Artikel von dpa und reuters unvoreingenommen übernimmt, deutet darauf hin in welche Richtung der westliche Propagandawind bald verstärkt wehen wird. Gelegentlich findet die Propaganda auch Unterstützung von sehr engagierten Propagandaschreiberlingen (siehe Beitrag 1). Seltsamerweise äußern sich diese Schreiberlinge nur zur bestimmten Themen. Beruhigend finde ich, dass diese Propagandazahnrädchen kaum Gehör finden, ihr Treiben somit erfolgslos bleibt.
Surgeon_ 23.12.2011
5. Richtig !
Zitat von kushiRusslands Infrastruktur zerfällt: in der Luft, zu Wasser, auf dem Land und im All. Die Korruption hat sämtliche Bereiche von Staat und Gesellschaft zerfressen, auch deshalb die Pannen in der Raumfahrt. Das System Putin landet sprichwörtlich als Schrotthaufen im Nirgendwo. Die fortgesetzten Pannen in der Raumfahrt sind lediglich ein Sinnbild für das Scheitern des Putinismus auf ganzer Linie.
Russland ist gefährlich. Die Raumfahrt ist nur ein Abbild des maroden Systems. Und Putin quält und belügt die Menschen, läßt Kritiker inhaftieren oder gar umbringen. Das ist gefährlich, sehr gefährlich. Genauso der Lakaie Medwedjew. Das Verhalten kann Kriege fördern. Und der kalte hat eh noch nie aufgehört. Russland blockiert regelmäßig Massnahmen gegen Diktatoren. So was machen selbst nur unterdrückende Regimes. In Russland braucht von dem Wort Demokratie keiner reden. Das ist dort ein Fremdwort !
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