Raumfahrttüftler Nasa startet Mondlande-Wettbewerb

Mit einem Preisgeld für Tüftler will die US-Raumfahrtbehörde Nasa den Bau einer neuen Mondfähre beschleunigen. Insgesamt zwei Millionen US-Dollar winken Teams, die eine simulierte Mondlandung schaffen - in der Wüste von New Mexico.

Starten, Schweben, Landen - damit können Bastler eineinviertel Millionen US-Dollar verdienen - und die US-Weltraumbehörde Nasa will sich ganz nebenbei für die bevorstehende Wieder-Betretung des Mondes inspirieren lassen.

Anders als beim ersten Mal, als Amerikaner den Mond betraten, setzt man diesmal nicht auf geordnete Ausschreibungs-Planwirtschaft innerhalb des inzestuösen militärisch-industriellen Komplexes. Studenten, Tüftler, Mittelständler sollen der Nasa dabei helfen, die Mondlandefähre der Zukunft zu bauen. Und weil US-Präsident George W. Bush die Rückkehr zum Erdtrabanten für 2020 angekündigt und Nasa-Chef Griffin selbst den Stichtag auf 2018 reduziert hat, drängt die Zeit für das Hundert-Milliarden-Dollar-Programm.

Schon im Oktober sollen daher private Landefähren analog zu einer möglichen Mondlandung Manöver vorführen, als Teil der "Lunar Lander Analog Challenge". Im vergangenen September hatte die Nasa eigene Zeichnungen einer hypothetischen Landetechnik präsentiert (siehe Bildergalerie).

"Wir sind zuversichtlich, dass dieser Wettbewerb die Entwicklung von Raketen und Landesystemen von der Art, wie wir sie benötigen, um zum Mond zurückzukehren, beschleunigen wird", sagte Shana Dale von der Nasa-Verwaltung während der International Space Development Conference in Los Angeles. Der Wettbewerb soll aus zwei Stufen bestehen:

  • Im ersten Teil soll ein Fluggefährt von einem Startpunkt aus abheben, 50 Meter in die Luft steigen, dort für anderthalb Minuten schweben, um schließlich genau auf einem 100 Meter entfernten Landepunkt wieder aufzusetzen.
  • Im zweiten Teil steigen die Anforderungen. Das Gefährt muss doppelt so lange im Schwebezustand verharren und dann an einem ebenfalls 100 Meter entfernten Landepunkte aufsetzen - nur dass dieser nun steinig ist und ein typisches Stück Mondoberfläche simulieren soll.

Die Lunar Lander Analog Challenge ist zwar Teil des Nasa-Programms mit dem Namen Centennial Challenges, bei dem Tüftler zum Beispiel neue Astronautenhandschuhe entwerfen sollen. Die Weltraumbehörde hat sich aber auch private Unterstützung an Bord geholt, die X-Prize-Foundation. Diese Organisation, die unter anderem die Industriellenfamilie Ansari, die First USA Bank und den Thriller-Autor Tom Clancy zu ihren Geldgebern zählt, war eigentlich angetreten, um durch Barprämien die Entwicklung der privaten Raumfahrt voranzutreiben.

Geheimer Spender und Lizenzgespräche

Im Jahre 2004 hatten der Abenteurer Burt Rutan und das Team von Mojave Aerospace Ventures zehn Millionen US-Dollar gewonnen, weil ihr "Space Ship One" zweimal binnen zwei Wochen höher als 100 Kilometer geflogen war - und damit ins Weltall.

So gesellte sich zur staatlichen Raumfahrtbehörde ein zweiter, bislang geheimer, Sponsor hinzu, der eine halbe Million US-Dollar zum Preisgeld beiträgt. Erst im Juni wird seine Identität preisgegeben - und der Lunar Analag Lander Wettbewerb entsprechend unbenannt.

"Die Vision der Nasa ist es, Menschen im nächsten Jahrzehnt wieder auf den Mond zu bringen. Die Fahrzeuge, mit denen man dort landen könnte, gibt es aber gar nicht mehr", sagte Peter Diamandis, der Vorsitzende der X-Prize-Stiftung.

Die Technik der noch zu entwickelnden Nasa-Landefähre muss nicht zwangsläufig vom Gewinner des Wettbewerbs stammen. Brant Sponberg, der Nasa-Verantwortliche der Centennial Challenges, betonte: Mit dem Preisgeld sei keine Patentabtretung an die Nasa verbunden, da die Behörde sich auch für eine der unterlegenen Konstruktionen interessieren könnte. So fordert die Nasa von möglichen Gesprächspartnern schon einmal die Bereitschaft, sich für Lizenzverhandlungen bereitzuhalten.

stx

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