Raumstation ISS Die teuerste WG der Welt feiert Geburtstag

Partystimmung auf der Dauerbaustelle: Die Internationale Raumstation ISS wird zehn. Obwohl der Außenposten im All gerade neu ausgestattet wird, dürfte er auch in den kommenden Jahren unfertig bleiben.

Bei klarem Wetter ist sie manchmal sogar mit bloßem Auge am Himmel zu entdecken. Kurz nach Sonnenuntergang oder vor dem Morgengrauen kann man in Deutschland sehen, wie die Internationale Raumstation ISS in knapp 350 Kilometer Höhe um die Erde kreist. In diesen Tagen feiert der Außenposten der Menschheit seinen zehnten Geburtstag. Seit dem ersten Flug 1998 hat die ISS schwierigste Außeneinsätze, eine Katastrophe und sechs ekstatische Weltraumtouristen erlebt. Bis heute ist sie eine Baustelle. Ihre Zukunft steht auch wegen der politischen Krise zwischen Amerikanern und Russen in den Sternen.

Der "Grundstein" der ISS war am 20. November 1998 gelegt worden. Damals startete eine russische Proton-Trägerrakete mit dem zwölf Meter langen Modul "Sarja" (Morgenröte) ins All . Seit dem Jahr 2000 ist die Station mit den 80 Meter breiten Sonnensegeln ständig besetzt. Im Sommer 2006 flog der Astronaut Thomas Reiter als erster Deutscher zur ISS. Anfang 2008 wurde sie um das europäische Weltraumlabor "Columbus" erweitert. Gut ein Dutzend Nationen - neben den USA und Russland vor allem Europa, Japan und Kanada - sind bei der außerirdischen Wohngemeinschaft mit dabei.

Von Anfang an stand das Kooperationsprojekt in der Kritik. Mit Gesamtkosten von geschätzt hundert Milliarden Euro sei die Station viel zu teuer, hieß es von ISS-Gegnern. Diese Summe stehe in keinem Verhältnis zu seiner Nützlichkeit. Vor allem bei der Forschung liegt die Raumstation deutlich hinter dem Plan.

Hauptgründe sind russische Geldsorgen und die Probleme der USA mit ihrem Shuttle. Die "Columbia"-Katastrophe hatte eine jahrelange Flugpause der Amerikaner zur Folge. Vor fünf Jahren war der Shuttle beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Dabei kamen alle sieben Crewmitglieder ums Leben. Als Folge blieb die ISS-Langzeitbesatzung auf ein Minimum von drei Personen reduziert, was den Aufbau der Station und die Forschung deutlich verzögerte.

In das Rampenlicht der Öffentlichkeit geriet die ISS in den vergangenen Jahren auch durch Kuriositäten oder Pannen wie eine defekten Toilette oder gefährlich harte Landungen der russischen Sojus-Raumkapseln. Nach Jahren des verzögerten Aufbaus sollen nun endlich auch die Forschungsprojekte verstärkt angepackt werden. In der Vorwoche bestätigte die russische Weltraumbehörde Roskosmos, dass ab 2009 die ISS-Besatzung auf sechs Personen verdoppelt werde. Den Grundstein dafür sollen die Ausbauarbeiten liefern, für die das US-Shuttle "Endeavour" gerade die Teile angeliefert hat.

Die große Weltraumnation USA steht allerdings vor einem unangenehmen Engpass. Die letzten Shuttles sollen 2010 eingemottet werden, während das Nachfolgesystem "Orion" frühestens 2015 zur Verfügung steht. Allerdings erwägt die Nasa mittlerweile eine Verlängerung der Shuttleflüge bis 2015. Doch aller Wahrscheinlichkeit nach müssen die Amerikaner auch Plätze auf russischen "Sojus"-Flügen buchen.

Das Problem ist, dass US-Behörden eigentlich keine russische Raumfahrttechnik kaufen dürfen. Hintergrund ist der Vorwurf an Moskau, atomwaffenfähige Technologie an Staaten wie Iran abgegeben zu haben. Und auch während des Südkaukasus-Krieges im August waren die Beziehungen deutlich abgekühlt. Per Sonderregelung wurde nun aber den US-Astronauten erlaubt, auch in Zukunft in russische "Sojus"-Kapseln zu steigen. "Die Raumfahrt passt sich zum Glück nicht immer der politischen Konjunktur an", sagt der Leiter der Esa-Mission in Moskau, Christian Feichtinger. Die russisch-amerikanische Kooperation im All diente immer schon auch der symbolischen Annäherung. Daran hat sich seit dem ersten Treffen im All 1975 zwischen den Raumschiffen Apollo und Sojus nicht viel geändert.

Doch was geschieht, wenn die ursprüngliche Betriebsdauer im Jahr 2015 abläuft? Es wäre aus Sicht vieler Experten fatal, die Station im Pazifik zu versenken, kaum dass sie ihren Betriebszustand erreicht hätte.

Nicht zuletzt die "Columbia"-Katastrophe führte zu einem Umdenken bei der US-Raumfahrtbehörde. Bis zum Jahr 2020 will die Nasa wieder den Mond besuchen und eine bemannte Mission im neuen Raumschiff "Orion" zum Mars schicken. "Die ISS ist eine Stufe zur Eroberung des Weltraums", sagt der Nasa-Repräsentant Joel Montalbano in Moskau. Vor allem von den Chinesen will man sich bei diesem Projekt nicht abhängen lassen. Auch die Russen planen, ein Projekt zum Aufbau eines Netzes von Forschungsstationen auf dem Mars zu beginnen.

Stefan Voß, dpa