Raumstation ISS Splitter schlägt 13-Zentimeter-Loch in Sonnensegel

Ein winziger Splitter im Weltall hat ein Sonnensegel der Internationalen Raumstation ISS durchschlagen. Um ein Haar wäre eine wichtige Leitung getroffen worden, Astronauten hätten den Schaden dann im Außeneinsatz reparieren müssen.

Intaktes Solarpanel der ISS: Kollision bei 25.000 km/h
NASA

Intaktes Solarpanel der ISS: Kollision bei 25.000 km/h


Moskau - Das war knapp: Das Objekt, das entweder Weltraummüll oder ein kleiner Meteorit gewesen sei, habe nur knapp eine wichtige ammoniakführende Röhre des Solarmoduls verfehlt, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Ein Leck hätte wohl von der Besatzung beim Einsatz im freien Kosmos geschlossen werden müssen, so wie 2012.

Die 13 Zentimeter lange und zehn Zentimeter breite Einschlagstelle war bereits im Juni auf Fotos der Raumstation entdeckt worden. Im Newsletter "Orbital Debris" sind Bilder des Lochs zu sehen. Aus dem Vergleich mit früheren Aufnahmen konnten Nasa-Experten nun den Zeitpunkt des Einschlags eingrenzen: Er muss zwischen dem 12. Mai 2014 und dem 20. Juni 2014 stattgefunden haben.

Es ist nicht der erste Einschlag in ein Sonnensegel der ISS. Zwei aus je 400 Einzelzellen bestehende Segmente sind deshalb bereits früher vollständig ausgefallen. Die Stromversorgung ist dadurch jedoch nicht gefährdet, denn die ISS verfügt derzeit über insgesamt 32.800 Solarzellsegmente.

Die Raumstation musste in etwa 400 Kilometern Höhe heranrasendem Weltraumschrott wie etwa Resten ausrangierter Satelliten schon mehrfach ausweichen. Bei den hohen Geschwindigkeiten im Orbit können selbst kleinste Teilchen bei Kollisionen enorme Schäden verursachen. Wissenschaftler schätzen, dass inzwischen Zehntausende Objekte von einer Größe von mehr als zehn Zentimetern die Erde mit einem Tempo von durchschnittlich 25.000 Kilometern pro Stunde umkreisen.

Die immer größere Menge an Weltraumschrott hat dem US-Technologie- und Rüstungskonzern Lockheed Martin erst im Juni 2014 einen Auftrag in Höhe einer knappen Milliarde US-Dollar beschert. Das Pentagon betraute das Unternehmen damit, einen neuen sogenannten Space Fence - übersetzt "Weltraum-Zaun" - zu entwickeln. Dabei handelt es sich um ein Radarsystem, das von der Erde aus Abertausende Stücke Weltraumschrott lokalisieren soll.

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Weltraumschrott: Rasende Geschosse im Orbit

hda/dpa



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