Privat-Raumtransporter "Cygnus"-Kapsel startet erstmals zur ISS

Begeisterung bei der Orbital Sciences Corporation: Das US-Weltraumunternehmen will in Zukunft Fracht für die Nasa zur Internationalen Raumstation bringen. Der erste Transporter ist nun erfolgreich ins All gestartet.

Auf dem Weg zur ISS: "Antares"-Rakete mit "Cygnus"-Kapsel an Bord
AFP / Nasa / Bill Ingalls

Auf dem Weg zur ISS: "Antares"-Rakete mit "Cygnus"-Kapsel an Bord


Die zweistufige "Antares"-Rakete hob am Mittwoch vom Mid-Atlantic Regional Spaceport auf Wallops Island (US-Bundesstaat Virginia) ab. Angetrieben wurde sie übrigens von umgebauten Kusnezow-NK-33-Triebwerken, die eigentlich einst sowjetische Mondreisen möglich machen sollten. An Bord hatte die Rakete die unbemannte "Cygnus"-Kapsel, mit der die Orbital Sciences Corporation in Zukunft die Internationale Raumstation (ISS) versorgen will. Nasa-TV übertrug den Start live, Probleme gab es keine.

"Cygnus", der Name leitet sich vom lateinischen Wort für Schwan beziehungsweise dem gleichnamigen Sternbild ab, muss nun diverse Manöver im All vollführen. Am Sonntag soll die Kapsel dann an der ISS ankommen. Dort muss die Crew sie mit dem Greifarm einfangen, weil sie im Gegensatz zu den russischen und europäischen Raumtransportern kein System für die automatische Annäherung hat.

Neben SpaceX ist die Konkurrenz von Orbital das zweite Unternehmen, das einen privaten Frachtflug zur ISS auf den Weg bringt. Und wie auch in diesem Fall dient der erste Start nur dazu, die Technik zu testen. An Bord von "Cygnus" sind rund 700 Kilogramm Versorgungsgüter, darunter Kleidung und Nahrungsmittel. Da ein Scheitern der Mission einkalkuliert ist, befinden sich aber keine zu wertvollen Gegenstände im Transporter.

Umstellungen im Zeitplan nötig

Nach dem Ende der Space-Shuttle-Flüge hatte sich die Nasa entschieden, Frachtflüge in den niedrigen Erdorbit in Zukunft an Privatunternehmen auszulagern. Allerdings musste die Behörde die Technikentwicklung mit hohen dreistelligen Millionenbeträgen subventionieren. Die Unternehmen SpaceX und Orbital legen allerdings Wert darauf, dass sie mehr Geld in die jeweiligen Projekte investieren als die Nasa. Genaue Zahlen möchte man bei Orbital aber nicht nennen.

Die Nasa hat bei dem Unternehmen acht Versorgungsflüge im Wert von 1,9 Milliarden Dollar eingekauft. Der erste reguläre Flug ist für Ende Dezember geplant. Ursprünglich sollte vorher noch ein SpaceX-Transporter fliegen. Doch weil das Unternehmen sich um die Weiterentwicklung seiner "Dragon"-Kapsel und seiner "Falcon"-Rakete kümmert, ist dieser Zeitplan wohl nicht zu halten. Bei SpaceX sind noch zehn Flüge für 1,6 Milliarden Dollar offen. SpaceX und Orbital hoffen darauf, auch Transportaufträge von anderen Kunden zu bekommen.

Nachdem die erste "Cygnus"-Kapsel an der ISS angekommen ist, soll sie dort nach aktueller Planung bis zum 22. Oktober bleiben. Zwei Tage später soll sie dann in der Atmosphäre verglühen. Ein Hitzeschild für die Rückkehr zur Erde hat das Fluggerät - noch - nicht.

chs



insgesamt 4 Beiträge
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behr22 18.09.2013
1. optional
8 Versorgungsflüge für 1,9 Milliarden Dollar ist nahezu spottbillig gegenüber Flüge mit den Spaceshuttle. Da kostet ein Flug schon etwa 1 Milliarde Dollar
mustermannfrau 18.09.2013
2. Na ja ...
Zitat von behr228 Versorgungsflüge für 1,9 Milliarden Dollar ist nahezu spottbillig gegenüber Flüge mit den Spaceshuttle. Da kostet ein Flug schon etwa 1 Milliarde Dollar
Mit den kleinen Unterschieden: - dass das Shuttle ein vielfaches an Nachschub zur ISS brachte - Fracht wieder zurückbrachte, was z.Zt. nur die Dragon kann (auch die Soyuz nicht in diesem Umfang, schon gar nicht "Glacier"-Einheiten, mit denen tiefgefrorene Proben transportiert werden) - und dann auch noch Bewohner hinbringen und abholen konnte. Trotzdem: Gratulation zum erfolgreichen Start.
stollenreiter 19.09.2013
3. Wennn sie denn
die acht Flüge auch schaffen....dann sind 5,6t Nutzlast auf der ISS, für das gleiche Geld schaft das Shuttle 33t nimmt dabei eine halbe Fußballmannschaft mit und jede Menge Material von der ISS zurück. Schnäppchen sehen anders aus, aber darum geht es ja erstmal nicht bei der Privatisierung der Raumfahrt. Glückwunsch für den gelungenen Start.
varesino 20.09.2013
4. Wir schreiben das Jahr 2013
und kommerziele Traegerraketen bedienen sich hautpsaechlich Komponenten aus dem kalten Krieg. Fuer grosse Teile der ersten Stufe hat die UDSSR bezahlt, fuer Castor der amerikanische Steuerzahler. Aber alles wird besser und billiger. Mal ehen was mit der fehlenden Docking-Technik geschieht. Kann man auch guenstig erstehen, weil schon bezahlt. Zurueck in die Zukunft.
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