Reparaturmission für "Hubble" Letzter Besuch beim Superauge

Zum letzten Mal runderneuern und aufmöbeln: Mit einer finalen Reparaturmission will die Nasa dem "Hubble"-Teleskop noch zu ein paar guten Jahren verhelfen. Die Startvorbereitungen laufen absolut nach Plan, die Reise ist gefährlich.


Washington - Die Nasa meldet optimale Voraussetzungen. Die Wahrscheinlichkeit für günstige Wetterbedingungen liege bei 90 Prozent, erklärte die US-Weltraumbehörde. Der Countdown für den Start der Raumfähre "Atlantis" in Cape Canaveral (Montag 20.01 Uhr MESZ) liegt voll im Plan.

"Atlantis" auf der Startrampe: "Wir dürfen uns keine Fehler erlauben"
AFP

"Atlantis" auf der Startrampe: "Wir dürfen uns keine Fehler erlauben"

Das Shuttle soll bei einem elftägigen Einsatz einem fliegenden Star der Wissenschaft zu ein paar weiteren guten Jahren verhelfen: Die "Atlantis"-Crew wird das Weltraumteleskop "Hubble" reparieren und technisch aufrüsten. Es ist die fünfte und letzte Servicemission für das 13 Meter lange und elf Tonnen schwere Observatorium, das seit 1990 im All schwebt. In dieser Zeit hat "Hubble" die Erde mehr als 100.000 Mal umrundet und dabei mehr als vier Milliarden Kilometer zurückgelegt.

"Es ist unsere letzte Chance, wir dürfen uns keine Fehler erlauben", heißt es bei der Nasa. Shuttle-Kapitän Scott Altmann und sein Team haben 116 neue Werkzeuge dabei, die eigens für diese Mission konstruiert wurden. Die US-Weltraumbehörde hatte in den vergangenen Jahren immer wieder "Trouble with Hubble", also Ärger mit dem Teleskop. Selbst die Hauptkamera, mit denen die spektakulären Bilder von kollidierenden Galaxien und Gasnebeln aufgenommen wurden, ist seit 2006 nur noch beschränkt einsatzfähig. Außerdem wurden Batterien schwach, Sensoren gaben ihren Geist auf.

Falls alle Reparaturen etwa an den Kameras des Teleskops gelingen, werde man eine wahre Wiedergeburt von "Hubble" erleben, meint die Nasa. Die Effektivität des Teleskops könne bis zu 90 Mal verbessert werden. "Hubble", so der Plan, könnte dann mindestens bis zum Jahr 2014 weiterarbeiten. Dann soll das "James-Webb-Teleskop" seine Arbeit aufnehmen.

Falls die Reparaturmission für "Hubble" misslingt, habe man es mit einem Milliarden teuren "Stück Weltraumschrott" zu tun, sagte "Atlantis"-Kapitän Scott Altman. Der Reparatureinsatz im All ist höchst aufwendig: Zunächst wird "Hubble" mit dem Roboterarm des Shuttles eingefangen und an "Atlantis" fixiert. Dann stehen den Astronauten, unter denen auch eine Frau ist, fünf Außeneinsätze bevor. Sie dauern jeweils zwischen sechs und sieben Stunden.

Beim ersten Einsatz am vierten Flugtag wird eine neue "Wide Field Camera 3" installiert, die noch weiter in die Frühzeit des Universums schauen kann. Außerdem bauen die Astronauten einen neuen Computer ein - und einen speziellen Kopplungsmechanismus. Er soll es ermöglichen, eine Antriebseinheit anzudocken, mit der "Hubble" am Ende seiner Lebenszeit abgebremst und gezielt zum Absturz gebracht werden kann.

"Hubbles" bewegte Geschichte
April 1990
An Bord der Raumfähre "Discovery" wird "Hubble" ins All geschossen. Benannt ist das Teleskop nach dem 1953 gestorbenen US-Astronomen Edwin Hubble.
Juni 1990
"Hubble" sorgt zunächst für eine große Enttäuschung. Das Gerät liefert nur unscharfe Bilder. Der Hauptspiegel des Teleskopes war defekt. Durch einen falsch geschliffenen Messstab kam es zu einer Abweichung von 1,3 Millimetern - für optische Präzisionsgeräte fatal. Der Fehler verhinderte die Fokussierung, so dass die lang ersehnten Bilder aus dem All zunächst völlig nutzlos waren. John Campbell, Chef des Flug-Direktoriums, erinnerte sich später: "Die Häme ging so weit, dass man damals nicht zugab, Mitarbeiter der Hubble-Mission zu sein."
1993
Die Reparaturarbeiten beginnen. Astronauten der Raumfähre "Endeavour" installieren Linsen, die "Hubbles" Sehschwäche korrigieren. Fünf Tage lang reparierte die Besatzung und verhinderte so, dass der sehschwache Krüppel zum Milliarden-Flop wurde. US-Astronom Edwin Turner nannte die Mission damals "ein gewaltiges Vabanquespiel".
1995
"Hubble" liefert sensationelle Bilder aus dem sogenannten Adlernebel. Nie zuvor gab es so genaue Einblicke in die Geburt von Sternen.
1997-2002
Drei weitere Instandsetzungsmission finden statt.
2004
Die fünfte und letzte geplante Instandsetzungsmission wird nach der Explosion der "Columbia" abgesagt. Das "Hubble"-Projekt wird ausgesetzt.
2006
Die NASA nimmt das Projekt wieder auf und plant zunächst eine Roboter-Mission, um "Hubble" auf den neuesten Stand zu bringen.
2008
"Hubble" fällt aus und sendet vorübergehend keine Bilder. Durch den Ausfall verzögert sich der letzte Flug zu dem Teleskop um sieben Monate.
2009
Die lange umstrittene Reparatur von "Hubble" wird im Mai endlich durchgeführt. Astronauten der Raumfähre "Atlantis" ersetzen kaputte Teile und rüsten das Teleskop auf. Die Operation war ein voller Erfolg: Im September veröffentlichen Astronomen die ersten Fotos nach der Reparatur -: sie sind spekakulär.
Nach 2020
Mit einem Sturz in den Pazifik soll die Geschichte des "Hubble"-Teleskops enden.

In einem weiteren Außeneinsatz werden mehrere Batterien des Teleskops ausgewechselt, ebenso wie mehrere - traditionell störanfällige - Gyroskope. Das sind Schwungkreisel, die eine exakte Ausrichtung des Teleskops erlauben. Beim dritten Weltraumspaziergang am sechsten Reisetag geht es um die Einrichtung eines "Cosmic Origins Spectrograph". Dieser soll bislang unerreichte Blicke auf schwach glimmende kosmische Objekte im UV-Bereich ermöglichen. Außerdem wird eine weitere Kamera repariert.

Am siebten Tag stehen Reparatur und Aufrüstung des "Space Telescope Imaging Spectrographs" an, der seit 2004 nicht mehr funktioniert. Dies gilt als die handwerklich anspruchsvollste Aufgabe, bei der die Astronauten rund hundert kleine Schrauben anzubringen haben.

Gehen diese verloren, könnten sie in das Teleskop fliegen und Schaden anrichten. Eine echte Geschicklichkeitsaufgabe, vor allem in der Schwerelosigkeit. Außerdem sind isolierende Stahldecken zu montieren, die besonders sensible "Hubble"-Teile vor den enormen Temperaturschwankungen schützen sollen. Beim letzten Ausstieg am achten Missionstag werden wiederum Batterien sowie ein Sensor ersetzt.

Die Mission ist höchst kompliziert - und vor allem recht gefährlich: Ein Problem ist vor allem die wachsende Gefahr durch Weltraumschrott: Gerade in der Höhe, in der sich "Hubble" befindet, ist das All besonders zugemüllt. Und anders als bei Flügen zur Weltraumstation ISS gibt es bei möglichen Problemen mit "Atlantis" keine Rückzugsmöglichkeit auf sicheres Gelände. Für den Notfall steht in Cape Canaveral auch noch die Raumfähre "Endeavour" auf der Startrampe, die jederzeit zu einem Rettungseinsatz starten kann. Im Fall der Fälle würde sie sich bis auf nur wenige Meter an "Atlantis" annähern und die Astronauten mit einem Greifarm an Bord holen.

chs/dpa/AFP/AP/ddp

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.