Riskante Shuttle-Mission Weltraumschrott bedroht "Atlantis"

Die "Atlantis" steht vor einem gefährlichen Einsatz: Der Flug zum "Hubble"-Teleskop führt die Raumfähre in einen Orbit mit jeder Menge Weltraumschrott. Die Nasa taxiert das Risiko eines Totalverlusts des Shuttles auf eins zu 60.

Washington/Cape Canaveral - Wenn die US-Raumfähre "Atlantis" im Oktober das "Hubble"-Weltraumteleskop anfliegt, besteht eine deutlich erhöhte Gefahr einer Kollision mit Weltraumschrott oder Mikro-Meteoriten. Wie der Nasa-Verantwortliche John Shannon erklärte, liegt die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes bei eins zu 185. Der Vergleichswert auf Reisen zur Internationalen Raumstation ISS betrage eins zu 300. Das Risiko eines Shuttle-Totalverlusts liegt laut Shannon diesmal bei eins zu 60, während es normalerweise eins zu 80 betrage.

Der Grund ist, dass in weiterer Entfernung von der Erde wesentlich mehr Weltraumschrott um die Erde kreist. Anders als die 354 Kilometer über der Erde schwebende ISS befindet sich "Hubble" in rund 563 Kilometern Höhe. Die Gefahr in weiter von der Erde entfernten Umlaufbahnen hat sich im vergangenen Jahr sogar noch erhöht: China schoss bei einem militärischen Test im Januar 2007 einen seiner eigenen Satelliten ab und zerlegte ihn dabei in Tausende größerer und kleinerer Trümmer. Ein Jahr später hat auch die US Air Force einen von seiner Bahn abgekommenen Satelliten vom Himmel geholt. Zudem soll sich ein russischer Spionagesatellit in diesem Jahr selbst zerstört haben.

Gefährlich durch große Geschwindigkeit

All diese Trümmer befinden sich jetzt im Orbit um die Erde. Aufgrund ihrer hohen relativen Geschwindigkeit von bis zu 15 Kilometern pro Sekunde können selbst winzige Bröckchen gewaltige Schäden anrichten, wenn sie ein Raumfahrzeug treffen. Die Nasa kann davon ein Lied singen: Im Juni 2007 entdeckten Astronauten ein pistolenkugelgroßes Loch am "Sarja"- Frachtblock der Internationalen Raumstation. Auch Satelliten, die Solarpaneele des "Hubble"-Teleskops und Space Shuttles bekamen bereits mehrere Löcher ab.

Da das Kollisionsrisiko größer als eins zu 200 sei, müsse der Flug der "Atlantis" zu "Hubble" von höchsten Nasa-Gremien genehmigt werden, sagte Shannon. Er zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Mission am 10. Oktober wie geplant stattfinden könne: Zwar sei das Risiko größer, doch seien auch die Fähigkeiten der Nasa verbessert worden, mit der Gefahr umzugehen. So hätten Ingenieure Techniken entwickelt, mit denen Risse in den Hitzeschutzkacheln des Space Shuttles im All repariert werden könnten.

Zweiter Shuttle steht für Rettungsmission bereit

Zudem wird die "Atlantis" praktisch im Rückwärtsgang durchs All fliegen, so dass das Heck des Shuttles und nicht die Scheiben des Cockpits einer möglichen Kollision ausgesetzt wären. Eine solche unangenehme Erfahrung musste etwa die Besatzung der Raumfähre "Challenger" im Mai 1983 machen: Ein Stück Weltraumschrott hinterließ einen beeindruckenden Schaden an einem Fenster (siehe Fotostrecke). Für den Notfall soll auf der Erde permanent ein weiteres Space Shuttle mit zwei Mann Besatzung bereitgehalten werden, das jederzeit starten könnte, um die "Atlantis"-Crew zu retten.

Nach einem Flug finde man üblicherweise kleine Dellen an den Flügeln und Löcher in den Kühlern, sagte Shannon. Die Gefahr durch Weltraumschrott sei "nicht theoretisch", ergänzte er. "Normalerweise trifft er aber keine wichtigen Stellen."

Die "Atlantis"-Besatzung soll beim vierten und letzten Flug zu "Hubble" Wartungsarbeiten an dem 1990 in die Umlaufbahn gebrachten Weltraumteleskop durchführen. Mit den Arbeiten soll die Lebensdauer von "Hubble" um mindestens fünf Jahre verlängert werden. Sein Nachfolger, das James Webb Space Telescope soll spätestens 2013 ins All gebracht werden.

mbe/AFP/AP