Röntgenpulsar Zigarrengalaxie strahlt hundertmal heller als erlaubt

Forscher sind auf ein kosmisches Mysterium gestoßen: Galaxie M82 strahlt mit 2000 Trilliarden Gigawatt - viel zu stark für ein Schwarzes Loch. Und sie pulsiert wie ein kosmischer Leuchtturm, jedoch zu schnell für einen Pulsar. Was ist los in der Zigarrengalaxie?
Zigarrengalaxie M82: Zwölf Millionen Lichtjahre entfernt

Zigarrengalaxie M82: Zwölf Millionen Lichtjahre entfernt

Foto: NASA/ ESA/ The Hubble Heritage Team/ STScI/ AURA

Astronomen haben einen Röntgenpulsar entdeckt, der rund hundertmal heller leuchtet als nach der bisherigen physikalischen Theorie möglich. Das Objekt in der Galaxie M82 kommt auf eine Leuchtstärke von beachtlichen 2000 Trilliarden Gigawatt und stellt die bisherigen Modelle kosmischer Röntgenquellen infrage, berichtet ein Team um Matteo Bachetti von der Universität Toulouse im britischen Wissenschaftsmagazin "Nature".

Die Wissenschaftler um Bachetti hatten sogenannte ultrahelle Röntgenquellen untersucht, deren Natur nicht genau geklärt ist. Bei den meisten wird angenommen, dass es sich um kleinere bis mittlere Schwarze Löcher mit der zehn- bis hundertfachen Masse der Sonne handelt, die sich Materie aus der Umgebung einverleiben. Diese Materie leuchtet dabei hell im Röntgenlicht auf.

In der rund zwölf Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie M82 stießen Bachetti und seine Kollegen nun jedoch auf eine ultrahelle Röntgenquelle, die im Abstand von knapp 1,4 Sekunden regelmäßig pulsiert. Das ist bei Schwarzen Löchern nach bisheriger Vorstellung nicht möglich - aber typisches Indiz für einen Pulsar.

Leichen ausgebrannter Sonnen

Pulsare gehören zu den Neutronensternen, den Leichen ausgebrannter Sonnen. Sie senden wie ein kosmischer Leuchtturm einen gebündelten Strahl ins All, während sie sich drehen. Liegt die Erde genau in der Richtung dieses Strahls, sehen Astronomen den Stern regelmäßig aufleuchten - je nach Geschwindigkeit seiner Eigendrehung.

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Anders als Schwarze Löcher können Neutronensterne nicht beliebig massereich werden. Sie besitzen typischerweise die 1,4-fache Sonnenmasse. Die Masse bestimmt jedoch nach bisheriger Vorstellung die maximale Leuchtkraft - und die jetzt gemessene Leuchtkraft liegt rund hundertmal höher als die theoretische Grenze. Das stelle die bisherigen Modellvorstellungen davon infrage, wie sich derartige Objekte Materie einverleiben, schreiben Bachetti und seine Kollegen.

Von Till Mundzeck, dpa/boj
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