Fotostrecke

Satellit auf Crash-Kurs: "Rosat" stürzt bald auf die Erde

Foto: dapd/ EADS Astrium

"Rosat" Deutscher Satellit soll am Wochenende abstürzen

Als Feuerball aus Schrott wird er vom Himmel fallen: Der Satellit "Rosat" stürzt nach neuesten Berechnungen am Wochenende auf die Erde, Deutschland liegt in der Gefahrenzone. Bis zu 30 Trümmer werden zu Boden krachen.

Der Röntgensatellit "Rosat" war gut 20 Jahre im All und fast neun Jahren im Dienst der Wissenschaft. Er taumelt Richtung Erde, wann es zum Absturz kommt, war bislang nicht klar. Jetzt teil das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit, dass "Rosat" voraussichtlich am Wochenende verglühen wird - allerdings nicht vollständig. Dutzende Trümmerteile werden den Sturz durch die Atmosphäre wohl überstehen und auf die Erde fallen.

Dass dabei Menschen zu Schaden kommen, irgendwo auf dem Globus irgendwer getroffen wird, ist nach Expertenmeinung unwahrscheinlich. Gut möglich sei, dass die bis zu 30 erwarteten Trümmerstücke unbemerkt verschwinden - so wie es regelmäßig mit Schrottteilen aus dem All geschieht.

Wegen seiner Bahnneigung wird der Satellit irgendwo zwischen 53 Grad südlicher und 53 Grad nördlicher Breite auf die Erde stürzen. Damit sind das nördliche Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und weite Teile Mecklenburg-Vorpommerns fein raus, und Helgoland allemal: Sie alle liegen nördlich des möglichen Einschlaggebiets. Doch viel mehr Gewissheit gibt es nicht. Die Chance, dass ein Trümmerteil Deutschland trifft, gibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit eins zu 580 an. Doch Statistik ist in diesen Dingen nicht alles. "Unsere Verantwortung ist, offen und transparent mit dem Thema umzugehen", sagt DLR-Chef Wörner.

Der Spiegel wird zur Bombe

Erst Stunden vor dem Aufprall wissen die Forscher mehr. Flugbahn und Eintrittstermin hängen stark von der Sonnenaktivität ab. Der unregelmäßig geformte 2,4-Tonnen-Satellit mit seinen Antennen und Sonnensegeln torkelt chaotisch durch die äußere Atmosphäre. Die Luftschichten dort dehnen sich je nach Aktivität der Sonnejeweils unterschiedlich stark ins All aus. Damit ändert sich auch stetig ihre Bremswirkung auf den Satelliten.

"Rosat" braucht für eine Umrundung der Erde nur 90 Minuten - die Schnelligkeit und die Rotation der Erde erschweren die Prognosen. Das Raumfahrzeug hat schon stark an Höhe verloren und kreist nur noch gut 200 Kilometer entfernt von der Erde, einst hatte es eine Höhe von 580 Kilometern.

Die größte Gefahr könnte vom Spiegel des Röntgenteleskops ausgehen, einem sehr hitzebeständigen Fragment, das beim Eintritt in die Atmosphäre wohl nicht verglühen wird. Wenn dieses Teil mit einem Gewicht von bis zu 1,6 Tonnen auf die Erdoberfläche aufschlagen sollte, würde sich ein Krater von mehreren Metern Durchmesser bilden. Die anderen "Rosat"-Reststücke sind wesentlich kleiner.

Beim Eintritt in die Atmosphäre wird der Satellit zwar extrem abgebremst, die Fragmente könnten aber mit immerhin noch gut 400 Kilometern pro Stunde zu Boden stürzen. Das US-Weltraumüberwachungssystem SSN will dem DLR den "Rosat"-Absturzort nach dem Ereignis schnellstmöglich mitteilen. Sollte doch jemand Trümmerteile entdecken, wird geraten, diese nicht anzufassen - auch wenn sie nichts Giftiges ausströmen.

boj/chs/dapd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.