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Mission erfüllt Sonde "Rosetta" stürzt auf Komet

Eine der erfolgreichsten Weltraummissionen der vergangenen Jahre ist Geschichte. Die Esa-Sonde "Rosetta" ist wie geplant auf dem Kometen Tschuri aufgeschlagen.

Zwölf Jahre war sie nach ihrem Start von der Erde unterwegs, zwei Jahre davon hat "Rosetta" den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko umrundet, vermessen und fotografiert. Nun hat die Europäische Weltraumorganisation (Esa) die Sonde gezielt abstürzen lassen.

Das Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt bestätigte den Einschlag des Forschungsroboters auf der Oberfläche. Anschließend wurde die Sendeanlage von "Rosetta" automatisch deaktiviert, sodass es keine weiteren Informationen zum Schicksal der Sonde geben wird.

Bereits am späten Donnerstagabend war "Rosetta" mit einem letzten Bremsmanöver auf Kamikaze-Kurs geschickt worden. Dafür wurde das Triebwerk dreieinhalb Minuten lang gezündet, sodass die Sonde anschließend aus 19 Kilometern Höhe langsam absank.

Auf dem Weg nach unten sammelte "Rosetta" weiter Daten und machte besonders hochaufgelöste Fotos. Diese wurden ohne Verzögerung zur Erde übertragen. Erste Bilder will die Esa noch am Freitag veröffentlichen.

Fotostrecke

"Rosetta"-Mission: Over und aus

Foto: Rosetta Navcam ESA/ AP

Grund für das Missionsende ist, dass sich der Tschuri genannte Komet aktuell auf seiner Bahn immer weiter von der Sonne entfernt. Damit würde schon bald zu wenig Energie für die Sonarpaneele der Sonde bereitstehen. Außerdem steht ab Oktober von der Erde aus gesehen die Sonne vor dem Kometen. Das würde Kommunikation mit "Rosetta" schwierig machen.

Die Sonde ist ein Quader von etwa 2 mal 2 mal 3 Metern und besitzt zwei Solarzellenausleger mit einer Gesamtspannweite von 32 Metern. Sie verfügt über keine spezielle Landetechnik - ihr Zweck war ja, den Kometen zu umkreisen, zu erforschen sowie die Funkverbindung zur Erde sicherzustellen. Die Wissenschaftler haben sich trotzdem für den gezielten Absturz entschieden, weil sie den Kometen so noch einmal aus unmittelbarer Nähe fotografieren und mit weiteren Instrumenten untersuchen können.

Nach ihrem Aufschlag dürfte die Sonde nun nicht allzu weit entfernt von dem Landeroboter "Philae" liegen, den sie im November 2014 auf dem Kometen abgesetzt hatte. Diese Mission hatte Probleme mit der Landetechnik gehabt, aber für etwa 60 Stunden Daten sammeln können.

Erst Anfang September, wenige Wochen vor dem Ende der "Rosetta"-Mission, hatten Forscher den Landeroboter "Philae" auf Fotos entdeckt. "Philae" galt seit seiner anders als geplant verlaufenen Landung als verschollen - den genauen Standort kannten die Wissenschaftler nicht. Hochauflösenden Bilder zeigen, dass der Landeapparat schräg in einer dunklen Felsspalte liegt - siehe folgende Fotostrecke.

Fotostrecke

Komet Tschuri: "Philae" gefunden

Foto: ESA/ Rosetta/ MPS

"Rosetta" hat am Kometen rund 110.000 Fotos und Messwerte gesammelt. Mit den Daten haben Forscher zum Beispiel herausgefunden, dass die Aminosäure Glycin, ein Baustein des Lebens, auf dem Kometen vorkommt.

Außerdem konnten sie zeigen, dass das Wasser auf 67P/Tschurjumow-Gerassimenko chemisch von dem auf der Erde unterscheidet. Das bedeutet, dass es unwahrscheinlich ist, dass Kometen das Wasser auf unseren Planeten gebracht haben. Der Großteil der von "Rosetta" gesammelten Daten muss aber noch ausgewertet werden. Das könnte nach Schätzung von Wissenschaftlern noch Jahrzehnte dauern.

chs

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