Rückblick in Bildern "Voyager"-Zwillinge fliegen ein Vierteljahrhundert

Vor 25 Jahren startete die erste der beiden "Voyager"-Sonden ins All. Die Zwillinge funkten jahrelang spektakuläre Bilder von fernen Planeten zur Erde - und sind längst noch kein Weltraumschrott.

Von Martin Paetsch




Die Weltraumerkundung der Nasa war nicht immer von Erfolg begleitet - der Mars wurde zum Grab gleich mehrerer Sonden, und gerade erst scheint mit dem Kometenjäger "Contour" ein weiterer Späher abhanden gekommen zu sein. Gut, dass es dennoch etwas zu feiern gibt: das silberne Jubiläum der "Voyager"-Zwillinge, die vor einem Vierteljahrhundert zu einer Aufsehen erregenden Reise durchs Sonnensystem starteten.



Klingende Botschaft: Die "Voyager"-Sonden führen eine vergoldete Schallplatte mit sich, die unter anderem Grüße in 55 Sprachen und Geräusche vom Baby-Gekreisch bis zum Startdonner einer Rakete enthält Der Letzte zuerst: Am 20. August 1977 startete zunächst "Voyager 2" ins All, "Voyager 1" schlug einige Tage später einen direkteren Weg zum Jupiter ein Zwillinge bis ins Detail: Die baugleichen Sonden sind mit diversen Geräten ausgerüstet, darunter Fernsehkameras, Magnetometer und Sensoren für verschiedene Wellenbereiche sowie für kosmische Strahlen und geladene Partikel Reiseziel Jupiter: Die Falschfarbenaufnahme von "Voyager 1" zeigt Turbulenzen in der Atmosphäre des Gasriesen
Gasplanet mit Mond: Insgesamt funkten die Sonden über 33.000 Bilder vom Jupiter zur Erde Hitziger Trabant: Auf dem Jupiter-Mond Io, hier seine Südpolarregion, entdeckte die "Voyager"-Mission erstmals aktive Vulkane außerhalb der Erde Saturn in Sicht: Den Ringplaneten, hier mit den zwei Monden Thetys (oben) und Dione, erreichten die "Voyager"-Sonden im November 1980 und im August 1981 Ringe im Visier: Das "Voyager"-Gespann enthüllte die Feinstruktur der Trümmerkränze um Saturn - allein auf dieser Detailansicht sind über 60 verschiedene Bänder zu erkennen
Pockennarbiger Mond: Auch der zerfurchte Saturn-Trabant Enceladus wurde erkundet Abschied vom Uranus: "Voyager 2" durfte seine Reise zu den äußeren Gasplaneten fortsetzen - hier ein Blick zurück bei der Abreise zum Neptun im Januar 1986 Stürmischer Planet: Auf dem Neptun, hier ein im April 1990 entstandenes Foto von "Voyager 2", herrschen in der Nähe des Großen Dunklen Flecks Winde von bis zu 2000 Stundenkilometern Gebrauchsanleitung für Aliens: Die Außenhülle der "Voyager"-Schallplatte zeigt unter anderem eine symbolische Darstellung des Sonnensystems und Hinweise zum Entziffern der Ton- und Bilddokumente


Klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.

"Voyager 2" war am 20. August 1977 ins All aufgebrochen, "Voyager 1" folgte am 5. September. In den nächsten zwölf Jahren besuchten die Weltraumreisenden vier Planeten und 48 Monde, funkten spektakuläre Bilder vom Großen Roten Fleck des Jupiter, den filigranen Ringen des Saturn und den beiden äußeren Gasgiganten Uranus und Neptun zur Erde. Die Sonden entdeckten neue Welten, die zuvor niemand gesehen hatte.

Auf den Fotos sahen Forscher erstmals aktive Vulkane außerhalb des Blauen Planeten - die Feuerberge des Jupiter-Trabanten Io, die bis zu 300 Kilometer hohe Gaswolken speien. Die Raumfahrzeuge erspähten Trümmerkränze auch um Jupiter, Uranus und Neptun. "Voyager 2" beobachtete 20 Kilometer tiefe Canyons auf dem Uranus-Mond Miranda und 2000 Stundenkilometer schnelle Winde auf Neptun, die stärksten Stürme des Sonnensystems.

Dabei war die abenteuerliche Odyssee der beiden Raumsonden keineswegs so vorgesehen. "1977 hatten wir keine Ahnung, dass die Sonden so lange halten würden", erinnert sich Edward Stone, der ab 1972 Projektwissenschaftler für die "Voyager"-Mission war und später Direktor des Jet Propulsion Laboratory der Nasa wurde. "Wir hatten ursprünglich nur eine Vierjahresreise zu Jupiter und Saturn geplant."

Selbst nach 25 Jahren haben die beteiligten Wissenschaftler keinen Grund, wehmütig auf vergangene Erfolge der Mission zurückzublicken. Die "Voyager"-Sonden senden aus den Randbezirken des Sonnensystems noch immer brauchbare Daten zur Erde. Mit Hilfe der Raumvehikel wollen die Forscher die Heliopause studieren, die Außenhülle einer gigantischen vom Sonnenwind aufgeworfenen Blase.

"Voyager 1" rast mit 62.000 Stundenkilometern auf diese geheimnisvolle Grenze zu, die den Einflussbereich der Sonne vom interstellaren Raum trennt. Der Weltraum-Veteran ist mittlerweile 12,7 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt - weiter als jedes andere vom Menschen gebaute Raumfahrzeug. Ein lichtschnelles Radiosignal der Sonde braucht zwölf Stunden, um die Bodenkontrolle der Nasa zu erreichen.

Noch knapp 20 Jahre könnten die Zwillinge in Betrieb bleiben, hofft die US-Raumfahrtbehörde. Schon jetzt lässt die Energieversorgung durch jeweils drei nukleare Generatoren deutlich nach: Um Strom zu sparen, mussten mehrere Instrumente abgeschaltet werden. Durch die langwierige Kommunikation wächst zudem die Gefahr, die Weltraumspäher ganz zu verlieren, wenn sie in den starken Turbulenzen der Heliopause Schiffbruch erleiden.

Doch auch wenn die Sonden schließlich verstummen, haben sie noch eine Aufgabe. Für den Fall, dass sie eines Tages von Aliens aufgegriffen werden, führen sie je eine vergoldete Schallplatte samt Abspielnadel mit sich. Der Tonträger enthält Grüße in 55 Sprachen, Bilder und Klänge der Erde sowie Musik vom Pygmäen-Gesang bis hin zu Bach und Beethoven. Allerdings kann die kosmische Flaschenpost wohl frühestens in 40.000 Jahren gefunden werden - dann erst kommt das nächste Planetensystem in Sicht.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.