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08. August 2005, 06:18 Uhr

Rückkehr der "Discovery"

Das große Zittern vor der Landung

Trotz aller Zuversicht bei Besatzung und Experten: Die Anspannung vor der Rückkehr der "Discovery" ist riesig. Besonders heikel ist der Moment, in dem die US-Raumfähre wieder in die Erdatmosphäre eintritt. Die furchtbaren Bilder der "Columbia", die 2003 beim Landeanflug auseinander gebrochen war, sind allgegenwärtig.

Houston/Cape Canaveral - Die Mannschaft der "Discovery" begann am frühen Morgen mit den letzten Vorbereitungen vor der Rückkehr auf die Erde. Die Nasa-Verantwortlichen weckten am Morgen die schlafende Besatzung des Shuttles, der sich wenige Stunden zuvor auf den Rückweg von der Internationalen Raumstation (ISS) zur Erde gemacht hatte. Die Crew legte ihre schweren Spezialanzüge an, die sie bei der riskanten und körperlich sehr belastenden letzten Etappe ihrer Mission schützen sollen.

"Wir freuen uns darauf, nach Hause zu kommen", sagte Kommandantin Eileen Collins nach dem Weckruf in einer Funkbotschaft. Die Astronauten begannen mit den Vorbereitungen zum Verlassen ihrer Umlaufbahn auf 354 Kilometern Höhe. Der Shuttle soll um 4.47 Uhr Ortszeit (10.47 Uhr MESZ) am Kennedy Space Center in Florida landen

Kritischer Moment des Rückflugs ist der Eintritt in die Erdatmosphäre - auch weil er Erinnerungen an die Katastrophe der Columbia vor drei Jahren weckt. Im Februar 2003 war die US-Raumfähre Columbia wegen eines Defekts am Hitze-Schutzschild beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Damals kamen alle sieben Astronauten an Bord ums Leben. Die NASA hatte am Freitag ungeachtet einer gerissenen Isolierdecke unterhalb eines Cockpit-Fensters der Discovery grünes Licht für die Rückkehr zur Erde gegeben.

Die sieben Astronauten zeigten sich nach einer letzten Inspektion des Shuttles am Sonntag optimistisch, sicher zu landen. Auch die Wetteraussichten waren günstig. Sollte es dennoch Probleme geben, könnte die "Discovery" auch erst am Dienstag in Kalifornien oder New Mexico landen.

"Die 'Discovery' ist in hervorragendem Zustand", sagte Kommandantin Eileen Collins in einem zur Erde übertragenen Interview. Die Fähre kann der Raumfahrtbehörde Nasa zufolge nach einer Reparatur am Mittwoch der großen Hitze beim Eintritt in die Atmosphäre standhalten. Die "Discovery" war am 26. Juli gestartet, um Lebensmittel und technische Ausrüstung zur Internationalen Raumstation ISS zu bringen. Weil sich dabei ein Stück Isolierschaum des Treibstofftanks löste, sagte die Raumfahrtbehörde alle weiteren Flüge bis auf weiteres ab. Eine Untersuchung im All zeigte kleinere Schäden am Hitzeschild und am Fenster der Cockpits. Daraufhin entfernte ein Astronaut zwei hervorstehende Fugenfüller zwischen Hitzekacheln.

Die "Columbia" war 2003 beim Start von Isoliermaterial getroffen worden. Dabei wurde das Hitzeschild beschädigt, was beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zum Auseinanderbrechen des Shuttles führte.

Die Nasa sieht in der 13-tägigen Reise der "Discovery" eine insgesamt "herausragend erfolgreiche Mission. Wir haben alles erreicht, was wir uns vorgenommen hatten", so der stellvertretende Shuttle-Manager Wayne Hale. Von der internationalen Raumstation ISS wurde gemeldet, dass erstmals seit drei Jahren wieder die komplette Steuerungsanlage funktioniere, die von der "Discovery"-Besatzung repariert worden war. Die Raumfähre hatte zudem fast 15 Tonnen Lebensmittel und technischen Nachschub für die ISS mitgebracht.

Wegen der Erfolge hofft die Nasa auf einen neuen Shuttle-Einsatz schon am 22. September. Bedingung dafür wäre neben einer sicheren Landung am Montagmorgen auch die erfolgreiche Suche nach dem Fehler an den außen gelagerten Treibstofftanks, an denen beim Start der "Discovery" am 26. Juli ein Stück abgefallen war.

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