Bion-M Erfolg für russische Kleintier-Raumsonde
Aquarium mit Algen und Schnecken vor dem Start von Bion-M: Auch deutsche Unis beteiligt
Foto: Daniel Karmann/ dpaMoskau/Orenburg - Tiere ins Weltall schießen, das hat Tradition in Russland. Unvergessen ist Mischlingshündin Laika, die 1957 als erstes Lebewesen überhaupt die Erde in Richtung Umlaufbahn verließ - und die am Ende den Forscherdrang ihrer Herren mit dem Leben bezahlte.
Nicht viel besser erging es nun offenbar einem ganzen Kleintierzoo, den die Raumfahrtnation vor rund vier Wochen mit einer Sojus-Trägerrakete ins All befördert hatte. Nach einem Monat kehrte die Bion-M getaufte Forschungskapsel am Sonntagmorgen zur Erde zurück - viele der kleinen Weltraumbesucher überlebten die Reise allerdings nicht.
Mehr als die Hälfte der 45 Mäuse an Bord seien unterwegs verendet, sagte Wladimir Sytschow von der Akademie der Wissenschaften nach der Rückkehr zu russischen Nachrichtenagenturen. Auch alle acht Wüstenrennmäuse sowie 15 Molche seien gestorben - sei es, weil Geräte an Bord der Kapsel versagt hätten oder wegen des Stresses durch die Reise ins All. Mit an Bord waren auch Schlangen, Buntbarsche, einige Pflanzen sowie Mikroflora.
Forscher hatten Verluste erwartet
Obwohl einige der Tiere verendeten, hoffen Wissenschaftler auf wichtige Daten aus dem Experiment, um künftige bemannte Langzeitmissionen unter anderem zum Mars vorzubereiten. "Es ist das erste Mal, dass Tiere so lange allein im Weltraum waren", sagte Sytschow. Dass viele der kleinen Lebewesen sterben würden, war von den Forschern erwartet worden.
Gelandet war die Bion-M-Kapsel mit Hilfe eines Fallschirms in der Region Orenburg rund 1200 Kilometer südöstlich von Moskau, wie die russische Akademie der Wissenschaften mitteilte. Die russische Raumfahrtbehörde wollte mit dem Experiment vor allem die langfristige Auswirkung der Schwerelosigkeit auf Organismen testen - insbesondere auf das Skelett, das Nervensystem sowie Muskeln und Herz. Russland will ab 2030 eine Basis auf dem Mond errichten, um von dort aus dann schließlich Kosmonauten auf die monatelange Reise zum Mars zu schicken.
Der Mini-Zoo war am 19. April mit einer Sojus-Trägerrakete ins All gebracht worden. Schon vor dem Start starben zwei der Kosmo-Mäuse, weil sie einen tödlichen Krampf erlitten - sie wurden kurzfristig noch ausgetauscht. Die Tiere an Bord von Bion-M wurden in fünf Spezialcontainern gehalten, die sich nach Erreichen des Orbits in 575 Kilometern Höhe automatisch öffneten und kurz vor der Rückkehr auf die Erde wieder schlossen.
40 Buntbarsch-Babys aus Deutschland an Bord
An dem Projekt sind neben dem Institut für Biomedizin der russischen Akademie der Wissenschaften auch die deutsche Universität Hohenheim und das französische Centre National d'Etudes Spatiales beteiligt.
Aus Deutschland waren 40 Buntbarsch-Fischlarven mit an Bord, mit denen die Universitäten Erlangen-Nürnberg und Hohenheim die Folgen der Schwerelosigkeit untersuchen wollten.
Die Bion-M hatte sich in einer Höhe rund 150 Kilometer über der Internationalen Raumstation ISS bewegt. Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass dort das Magnetfeld der Erde deutlich schwächer werde. Seine Schutzfunktion gegen kosmische Strahlung sei dort deutlich geringer ausgeprägt. Diesen Effekt auf den lebendigen Organismus wollten die Forscher untersuchen.
Die Wissenschaftler gehen zudem Fragen nach, ob das Leben auf der Erde aus dem Weltall gekommen sein könnte. Dazu hatten sie an der Hülle des Raumapparats Bakteriensporen befestigt. Zuletzt hatte es nach Angaben der Agentur Interfax vor sechs Jahren das Bio-Projekt Foton-M gegeben. Das Modul war damals bereits nach zwölf Tagen im All wieder auf die Erde zurückgekehrt. Damals waren unter den "tierischen Kosmonauten" auch Kakerlaken sowie Schmetterlingslarven.