Russische Raumfahrtpanne Tankfehler ließ Rakete abstürzen

Zu viel Treibstoff im Tank: Eine russische Trägerrakete ist mit drei Satelliten an Bord abgestürzt, weil die Treibstoffmenge falsch berechnet wurde. Die Raumfahrtbehörde Roskosmos will den letzten nötigen Satelliten für ein Weltraumnavigationssystem jetzt im Frühjahr in den Orbit bringen.

Start der Proton-Rakete: Falsche Betankung führte zum Absturz
AFP

Start der Proton-Rakete: Falsche Betankung führte zum Absturz


Es war ein herber Rückschlag fürs russische Weltraumprogramm: Am 5. Dezember kam eine vom Kosmodrom Baikonur gestartete Proton-M-Trägerrakete vom Kurs ab. Drei neue Glonass- Satelliten, die in den Erdorbit befördert werden sollten, stürzten ins Meer. Der Schaden wird nach ersten Schätzungen mit mehreren 100 Millionen Euro beziffert

Jetzt berichtet die Raumfahrtagentur Roskosmos, dass die Ursache des Fehlstarts gefunden sei: Wegen eines Berechnungsfehlers sei die sogenannte Oberstufe falsch betankt worden. Die Trägerrakete habe vermutlich zwei Tonnen Treibstoff zu viel an Bord gehabt. Dadurch sei die Oberstufe der Rakete mit den Navigationssatelliten nicht auf die vorausberechnete Umlaufbahn gelangt und zum größten Teil in den dichten Schichten der Atmosphäre verglüht. Die Reste seien 1500 Kilometer nordwestlich von Honolulu in den Pazifik gestürzt. Verantwortlich für das Betankungskontrollsystem ist der Raumfahrtkonzern RKK "Energija" in Koroljow bei Moskau.

Die drei Satelliten sollten das Glonass-Netz in der Erdumlaufbahn ergänzen - bereits 22 Satelliten kreisen dort, 20 aktive sowie zwei Reserve-Einheiten. Mit dem Weltraumnavigationssystem will sich Russland unabhängig vom US-amerikanischen GPS machen. Auf Weisung von Präsident Dmitrij Medwedew sollte es noch im Dezember fertiggestellt werden. Nach dem Fehlstart hatte Medwedew die Generalstaatsanwaltschaft eingeschaltet sowie von Roskosmos-Chef Anatoli Perminow die Bildung einer Untersuchungskommission und die Benennung der Schuldigen gefordert.

Perminow hat inzwischen angekündigt, das globale Netz mit seinen dafür erforderlichen 24 Satelliten sei spätestens im März kommenden Jahres einsatzbereit. Dazu sind bereits die beiden Reserve-Satelliten aktiviert worden. Zum Jahresende wird ein weiterer gestartet. Durch eine Veränderung des Startkalenders 2011 soll dann die letzte Lücke geschlossen werden.

wbr/dapd



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