Vor Flug zur ISS Russischer Kosmonaut kündigt seinen Job

Jahrelang trainieren Raumfahrer für ihren Flug ins All, die Besatzungen künftiger Missionen stehen mit großem Vorlauf fest. Jetzt hat aber offenbar ein russischer Kosmonaut vergleichsweise kurz vor dem Start gekündigt - angeblich weil er einen besseren Job in Aussicht hat.
Jurij Lontschakow (im Oktober 2008): Keine Lust mehr aufs All?

Jurij Lontschakow (im Oktober 2008): Keine Lust mehr aufs All?

Foto: Dmitry Lovetsky/ AP

Drei Mal schon war Jurij Lontschakow auf der Internationalen Raumstation, insgesamt 200 Tage lang. Bei zwei Außeneinsätzen im Weltraum hat er die Bedingungen des Alls aus erster Hand kennengelernt. Doch offenbar hat ihn die Aussicht auf einen vierten Flug in die Schwerelosigkeit nicht genug gereizt, um weiter in den Diensten der russischen Raumfahrt zu bleiben.

Die Nachrichtenagentur Ria Novosti berichtet, der 48-Jährige habe seinen Arbeitsvertrag kurzfristig gekündigt. Als Quelle für die Nachricht wird eine Mitarbeiterin des Jurij-Gagarin-Kosmonauten-Trainingszentrums in der Nähe von Moskau angegeben. Der Chef der Einrichtung, der Kosmonauten-Veteran Sergej Krikaljow, habe außerdem in russischen Medien erklärt, Lontschakow habe "einen interessanteren Job gefunden", so die Agentur. Details dazu gab es von Roskosmos aber nicht. Der Kosmonaut werde offiziell am 14. September aus dem Dienst entlassen, hieß es.

Eigentlich sollte Lontschakow im Frühjahr 2015 Kommandant der 44. Langzeitbesatzung auf der Internationalen Raumstation werden. Begleiten sollten ihn der Russe Michail Kornijenko und der Amerikaner Scott Joseph Kelly. Wer nun Lontschakows Platz einnehmen wird, ist noch nicht bekannt.

Der Beruf des Kosmonauten scheint in Russland längst nicht mehr so attraktiv wie zu früheren Zeiten. Ria Novosti berichtet, vergangenes Jahr hätten sich nur 300 Interessenten auf eine Ausschreibung gemeldet, mit der neue Raumfahrer gesucht wurden.

Die russische Raumfahrt steckt seit Jahren in einer tiefen Krise. Neben technischen Problemen - Raketenabstürze, falsch platzierte Satelliten, zwischenzeitlich gar Schwierigkeiten mit den wichtigen "Sojus"-Transportern - fehlt auch wichtiges Fachpersonal. Bei Roskosmos hofft man unter anderem auf mehr internationale Kooperationen, wie etwa die unbemannte Marsmission "Exomars", die Russen und Europäer gemeinsam auf die Beine stellen wollen.

chs
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