Satellitenbild der Woche Ruß über Russland

Die Feuer in Sibirien lodern dieses Jahr ungewöhnlich heftig. Das hat nicht nur Folgen für das Wetter - sondern auch langfristige Auswirkungen auf das Klima und das Eis der Arktis.

nasa

Die Natur an den Ufern der Lena hat es leicht. Kaum eine menschengemachte Siedlung oder Straße steht ihr im Weg. Grün so weit das Auge reicht. Wälder voller Nadelbäume und grasbedeckte Hügel bestimmen das Bild am Unterlauf eines der längsten Flüsse der Welt.

Doch das Naturparadies steht in Flammen. Nicht nur Wälder in Jakutien, der Region auf dem Bild unten, sondern auch in anderen Teilen von Sibirien lodern Feuer - teils brennt es auch nördlich des Polarkreises. Die Brände haben massenweise Bäume vernichtet und etwa drei Millionen Hektar verkohltes Land hinterlassen, schätzt die Europäische Weltraumagentur Esa unter Berufung auf russische Quellen. Das entspricht fast der Größe Belgiens.

Fluss Lena in Sibirien
ESA

Fluss Lena in Sibirien

Ein Esa-Satellit hat eine Aufnahme gemacht, die das Ausmaß der Zerstörung deutlich zeigt. Die Glut reicht bis an die Ufer der Lena heran. Zudem werden weite Teile Ostrusslands von Rauchschwaden überzogen, auch Jakutiens Hauptstadt Jakutsk.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Dass es in der Region um diese Jahreszeit brennt, ist nicht ungewöhnlich. Das diesjährige Ausmaß aber schon. Daran sind hohe Temperaturen um bis zu 30 Grad und heftige Winde schuld, so die nationale Forstbehörde. Möglicherweise könnten die Brände also eine Folge der Erderwärmung sein, glaubt ein Forscher des "Copernicus Atmosphere Monitoring Service" (Cams).

Bilder aus der Stadt Tschita in Südostsibirien zeigen, dass die Sicht wegen des Qualms vergangene Woche nur wenige Meter betrug. Auch Großstädte wie Nowosibirsk, Jekaterinburg und Krasnojarsk sind betroffen. Die Menschen klagten über Kopfschmerzen und Atemprobleme.

Rauch bedeckt das Zentrum der ostsibirischen Stadt Tschita
DPA

Rauch bedeckt das Zentrum der ostsibirischen Stadt Tschita

Doch nicht nur in Russland wüten die Flammen, auch in anderen Teilen der Arktis: Feuer brachen auch in Alaska aus und selbst in Grönland.

Das alles hat Folgen für den Planeten, warnen Experten, und könnte die Klimakrise noch weiter anfachen. Denn durch die Feuer werden große Mengen klimaschädliches Kohlendioxid ausgestoßen. In diesem Juli waren die CO2-Emissionen in der Arktis mit mehr als 60 Megatonnen doppelt so hoch wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das lag auch daran, dass es in Moorlandschaften brennt: Torf besteht aus zersetzten organischen Stoffen und ist eine große Kohlenstoffquelle. Durch die Brände gelang das CO2 in die Atmosphäre.

Genauso wie große Mengen Ruß: Forscher vermuten, dass die dunklen Partikel in der Luft die Eisschmelze in der Arktis vorantreiben. Schwarz absorbiert Sonnenlicht, dadurch heizen sich die Rußteilchen auf. Dann landen sie auf Eis und Schnee und bringen es schneller zum Schmelzen. Auch die Atmosphäre erwärmt sich stärker, wenn Rußpartikel in der Luft schweben. Zudem gelangen sie in die Lunge und beeinträchtigen die Gesundheit.

Nasa-Aufnahme vom 24. Juli: Dichter Qualm über Russland
NASA EARTH OBSERVATORY/ EPA-EFE/ REX

Nasa-Aufnahme vom 24. Juli: Dichter Qualm über Russland

"Ein einziges Feuer hier und da ist nicht so schlimm, was die unmittelbaren Auswirkungen auf das lokale Wetter und das Klima angeht", sagte Santiago Gassó, Atmosphärenforscher am Goddard Space Flight Center der Nasa. "Aber bei so vielen Bränden bleibt der Rauch so lange in der Atmosphäre, dass er mehrere Tage lang das Temperaturprofil verändern kann und meteorologische und klimatische Auswirkungen hat."

Immerhin verzeichneten die russischen Einsatzkräfte inzwischen erste Erfolge im Kampf gegen die Flammen. Am Freitag seien innerhalb von 24 Stunden 25 Brände auf einer Fläche von fast 6900 Hektar gelöscht worden, teilten die Forstbehörden mit.

joe



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Seite 1
spassig 05.08.2019
1. Nichts genaues weiss man nicht
Ich lese woanders: Das hat Folgen für das örtliche Klima: Manche Schwebteilchen schlucken die Sonnenstrahlen und erwärmen – gleichsam als Heizkörper – die Luft. Andere dagegen streuen das Licht der Sonne und kühlen wie eine Art Sonnenschirm die darunterliegende Atmosphäre. Ob ein Aerosol die Sonnenstrahlen aus dem All und die Wärmestrahlen von der Erde absorbiert oder reflektiert, ist abhängig von seiner Farbe, Form und Oberflächenstruktur. https://www.wissenschaft.de/astronomie-physik/dreck-bremst-die-klimaerwaermung/
stabilobacter 05.08.2019
2. Brand bleibt Brand... die gase/Russ sin die Folge
die Selektivität der Wahrnehmung ist unerträglich. beispielhaft: Südamerika verbrennt "seinen" Regenwald in China brennen seit Jahrzehnten riesige Kohleflöze. wir verbrennen hier die dreckigste Kohle (Braun kohle) jetzt brennt der Norden. der permafrost taut seit langem. ob das alles menschengemachte Ursachen hat, ist mittlerweile eine völlig unsinnige Frage. der Mensch muss sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen. Konsequenzen auf seinen Lebensraum seine Lebensqualität und seine überlebenschancen. wer den zug nicht kommen sieht wird von ohm überrollt. so einfach ist das. Gruß stabilobacter
aliof 05.08.2019
3. Relativieren ist so .. wie Leugnen
Zitat von spassigIch lese woanders: Das hat Folgen für das örtliche Klima: Manche Schwebteilchen schlucken die Sonnenstrahlen und erwärmen – gleichsam als Heizkörper – die Luft. Andere dagegen streuen das Licht der Sonne und kühlen wie eine Art Sonnenschirm die darunterliegende Atmosphäre. Ob ein Aerosol die Sonnenstrahlen aus dem All und die Wärmestrahlen von der Erde absorbiert oder reflektiert, ist abhängig von seiner Farbe, Form und Oberflächenstruktur. https://www.wissenschaft.de/astronomie-physik/dreck-bremst-die-klimaerwaermung/
Denn ihr als Dreck bezeichneter Ruß fällt eben (wie laut und deutlich im Artikel beschrieben) auch wieder herunter. Was man sich jetzt schon Alles live auf PC und Mobile (Handy) anschauen kann .. .. sind ja inzwischen überall auf der Welt Sensoren aufgestellt, deren Daten abgerufen und als zusammengefaßt als globales Bild präsentiert werden .. Zwar kann man sich somit besser vorstellen, was überhaupt Wetter ist, und wie unser Klima entsteht. Aber es geht beim sich Hineinsehen und Nachrechnen vielleicht erst ein bißchen über bisherige Vorstellungen hinaus. - Was dann auch nicht Jedem gefällt, denk ich an Trump und an Sie, und andere Leugner der leider Tatsache , wie wir Menschen das Klima wandelen. Die beschriebenen Brände aus den seit Wochen brennenden Wäldern in Sibirien scheinen aktuell so viel beizutragen, wie die Industrien (für unser Aller Spielzeug) in China, einigen europäischen Regionen, California und dem Osten der U.S.A. .. ach ja, in Brasilien und im Kongo brennt es scheint's auch recht heftig, und fast ganz Nord-Indien liegt wie meistens unter einer Schmutz-Partikelglocke .. und verteilen sich von da aus in unser Aller Atemreservoir. Die verfügbaren Daten aus den überall Sonden, Ballons und Bojen … anschaulich gemacht durch Anzapfen derselben geben Auskunft zu Temperatur (Luft bzw. Wasser), Luftdruck und -feuchtigkeit , Windstärke und -richtung in beliebigen Höhen (Erdoberfläche , Bergspitzen , Flugzeug , und Stratosphäre). Tief- und Hochdruckgebiete , Niederschlagsmengen , Zyklone , Taifune und Hurrikanes , Tsunamis , auch gewöhnliche Meeresströmungen und Wellenhöhenangaben. Zudem die lokalen , regionalen und globalen Konzentrationen an CO , CO2 , SO2 , sowie Partikel in verschiedenen Größen . .. sehr ansehnlich präsentiert und zusammengestellt , z.B. hier : earth :: a global map of wind, weather, and ocean conditions https://earth.nullschool.net/ bzw. als Android-App 'Earth Weather' com.lifeearth.app
archi47 05.08.2019
4. Also was tun?
Aussitzen, Demonstrieren oder Handeln? Aussitzen braucht keine Gedanken und ist die bequemste Art dem eigenen Untergang entgegen zu gehen. Demonstrieren stellt Forderungen an Andere und bedarf schon einiger Gedanken das richtig zu adressieren. Auch muß die Demo angemeldet sein und man opfert Zeit für diese Stunden, kann auch für Stimmbänder und Beine anstrengend werden. Handeln ist das Komplexeste, weil man selbst für das Ziel arbeiten muß. Es bedarf des zielgerichteten Denkens uns Abwägens. Die Organisation von Handeln geht über eine Demo hinaus. Es ist dann mit viel körperlicher und geistiger Arbeit verbunden - und es bedarf einer organisierten und kostendeckenden Mittelbereitstellung und Hilfestellung von Zuständigen. Dazu die Herstellung und die Logistik über richtige Setzlinge, Witterung und Ort, bis zur kostengünstigen Manpower vor Ort. Ich weiss, handeln kann unbequemer sein, weniger medienwirksam und kostet Zeit, die einem von den sozialen Medien fernhält. Trotzdem, ich halte das für die einzig richtige und überfällige Form eine CO2-Senke weltweit zu schaffen. Eigentlich ist Handeln überfällig, es ist 5 nach 12. Ein verpflichtendes ökologisches und soziales Jahr für alle EU-Bürger wäre z. B. ein kostengünstige Voraussetzung für europa- und sogar weltweites Handeln. Auch als Vorbild für andere Kontinente und auch dafür, das wir über das Addressieren von Vorwürfen (meist an ander) hinaus gehen wollen ...
archi47 05.08.2019
5. Also was tun?
Aussitzen, Demonstrieren oder Handeln? Aussitzen braucht keine Gedanken und ist die bequemste Art dem eigenen Untergang entgegen zu gehen. Demonstrieren stellt Forderungen an Andere und bedarf schon einiger Gedanken das richtig zu adressieren. Auch muß die Demo angemeldet sein und man opfert Zeit für diese Stunden, kann auch für Stimmbänder und Beine anstrengend werden. Handeln ist das Komplexeste, weil man selbst für das Ziel arbeiten muß. Es bedarf des zielgerichteten Denkens uns Abwägens. Die Organisation von Handeln geht über eine Demo hinaus. Es ist dann mit viel körperlicher und geistiger Arbeit verbunden - und es bedarf einer organisierten und kostendeckenden Mittelbereitstellung und Hilfestellung von Zuständigen. Dazu die Herstellung und die Logistik über richtige Setzlinge, Witterung und Ort, bis zur kostengünstigen Manpower vor Ort. Ich weiss, handeln kann unbequemer sein, weniger medienwirksam und kostet Zeit, die einem von den sozialen Medien fernhält. Trotzdem, ich halte das für die einzig richtige und überfällige Form eine CO2-Senke weltweit zu schaffen. Eigentlich ist Handeln überfällig, es ist 5 nach 12. Ein verpflichtendes ökologisches und soziales Jahr für alle EU-Bürger wäre z. B. ein kostengünstige Voraussetzung für europa- und sogar weltweites Handeln. Auch als Vorbild für andere Kontinente und auch dafür, das wir über das Addressieren von Vorwürfen (meist an andere) hinaus gehen wollen ...
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