Satellitenbild der Woche Lenas eiskaltes Delta

Im Osten von Russland bildet einer der längsten Flüsse der Erde ein mächtiges Delta. Hier herrschen fast immer eisige Temperaturen. Im kurzen Polarsommer aber verwandelt sich die Landschaft in ein Artenparadies.


Lena-Delta
ESA

Lena-Delta

Den Nil in Afrika kennen Sie. Auch vom Amazonas in Südamerika haben Sie schon gehört. Vielleicht ist Ihnen auch der Kongo in Afrika oder der Jangtse in China ein Begriff. All diese Wasserläufe stehen auf den ersten zehn Plätze der Liste der längsten Flüsse der Welt.

Aber kennen Sie auch die Lena?

Der Fluss gehört ebenfalls zu den längsten der Erde. Mit fast 4300 Kilometern ist er die Nummer zehn der Rekordliste. Nach einer anderen Definition, die einen Nebenstrom dazuzählt, bringt er es sogar auf nahezu 4700 Kilometer. Der Kongo ist nur unwesentlich länger. Dass die Lena trotzdem nur vergleichsweise wenige Leute kennen, liegt wohl auch daran, dass sie durch ausgesprochen dünn besiedeltes Gebiet fließt.

Der Fluss entspringt nahe dem mächtigen Baikalsee in Sibirien, dem erdgeschichtlich ältesten Süßwassersee der Erde, in fast 1500 Metern Höhe. Dann fließt er nach Norden, bevor die Wassermassen sich plötzlich in weit mehr als hundert kleine Flussarme auffächern: Sie haben das weitverzweigte Lena-Mündungsdelta erreicht - es ist das größte der Arktis. Genau diese Landschaft ist auf dem Satellitenbild oben zu sehen.

Fotostrecke

31  Bilder
Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Das Delta formt eine besondere Landschaft: Die schneebedeckte Tundra ist fast das ganze Jahr über zugefroren. Der Permafrost reicht in eine Tiefe von mehr als 500 Metern, die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei unter minus zehn Grad. Nur im kurzen Polarsommer taut ein Teil des Bodens an - er verwandelt sich dann in ein fruchtbares Feuchtgebiet und blüht. Es entsteht ein 32.000 Quadratkilometer großes Paradies für arktische Wildtiere.

Größtes Schutzgebiet Russlands

Hunderte kleine Seen und Teiche bieten Wassertieren Lebensraum. Zugvögel leben auf mehr als 1500 Inseln, die permanent ihre Form verändern, weil Sediment angeschwemmt und wieder abgetragen wird. Schwäne, Gänse und Enten brüten in den Feuchtgebieten. Politisch gehört die Region zu Jakutien, der russischen Republik Sacha. 1995 wurde das Lena-Delta-Reservat zum größten Schutzgebiet Russlands ausgebaut.

Auf der Aufnahme, die die Sentinel-1-Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation Esa gemacht haben, sind die Flussarme wie feine Äderchen zu sehen und in Gelb dargestellt.

Das Bild wurde am 14. Januar 2019 aufgenommen, dem Höhepunkt des arktischen Winters, und zeigt eine große Menge Eis in den Gewässern rund um das Delta. Das Eis ist türkis eingefärbt, es ist vor allem auf dem arktischen Meerwasser vor der Küste zu erkennen. Hier schwimmen mehrere große Eisplatten.

Mit Falschfarbenbildern arbeiten Forscher, um bestimmte Eigenschaften einer Landschaft hervorzuheben - beispielsweise die Vegetation oder in diesem Fall Schnee und Eis. Die Bereiche werden gezielt mit Farben versehen, die im natürlichen Farbspektrum nicht vorkommen.

joe



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.