Russlands Raumfahrt Phönix aus dem Schrott

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2. Teil: "Eine der größten und ehrgeizigsten Aufgaben des modernen Russland"


Das Projekt hat oberste Priorität: "Der Bau eines neuen Weltraumzentrums ist eine der größten und ehrgeizigsten Aufgaben des modernen Russland", versprach Putin im vergangenen Jahr. Ab diesem Sommer sollen "Sojus"-Raketen auch vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou starten, wegen der Äquatornähe mit massiven Vorteilen beim Treibstoffverbrauch. Doch in Wostotschnij liegt die Zukunft der russischen Raumfahrt. Schon 2015 sollen erste unbemannte Raketen von dort aus in den Orbit geschossen werden, ab 2018 dann bemannte Missionen.

Bis dahin allerdings ist es noch ein langer Weg. In der dünnbesiedelten Region fehlt es bislang an Infrastruktur und Menschen. Eine ganze Stadt will der Kreml deshalb in den kommenden Jahren für die bis zu 25.000 Mitarbeiter des neuen Kosmodroms aus dem Boden stampfen.

Rund 13,5 Milliarden Dollar wird das Projekt verschlingen, der Kreml aber hofft, damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Bisher nutzt Russland den kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur, von wo aus schon Gagarin startete. Mittlerweile kostet das jedoch 115 Millionen Dollar Pacht - pro Jahr. Das neue Kosmodrom soll deswegen auf russischem Boden liegen, und zwar in der geostrategisch wichtigen Region direkt an der chinesischen Grenze. Investoren und Spezialisten sollen Moskau hier eine deutlich stärkere Präsenz sichern.

Von Wostotschnij aus könnten dann auch die neuen "Rus-M"-Trägerraketen starten, entwickelt von der Raketenschmiede Energija. Angetrieben werden soll die "Rus-M" von RD-180-Triebwerken. Die Motoren wurden bereits zu Sowjetzeiten konstruiert, in den neunziger Jahren leicht modernisiert und derzeit werden sie sogar in die USA exportiert, zu einem Stückpreis von zehn Millionen Dollar. Ebenfalls in Planung: ein neues Raumschiff für bemannte Missionen. Beide Komponenten könnten ab Ende des Jahrzehnts die "Sojus"-Arbeitstiere ablösen.

Mit Atomantrieb auf dem Weg zum Mars

Eine führende Rolle strebt Russland auch bei möglichen Mars-Missionen an. Derzeit simulieren sechs Probanden aus Russland, Europa und China in Moskau nahezu in Echtzeit einen Flug zum Roten Planeten und zurück, 520 Tage lang sind sie von der Außenwelt isoliert. Und sollte es tatsächlich eines Tages einen realen Marsflug geben, wollen russische Forscher dessen Antrieb konzipieren. Sie setzen darauf, die Motoren mit Atomenergie zu betreiben.

"Wir haben ein Problem"

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Im Bereich der unbemannten Raumfahrt will Russland verlorenen Boden gutmachen. Seit dem Absturz der "Mars-96"-Mission vor 15 Jahren hat das Land keine Sonde mehr zu fremden Planeten geschickt. Im November 2011 will Roskosmos nun einen Forschungsroboter zum Marsmond Phobos schießen. "Phobos Grunt" soll dort nicht nur landen, sondern sogar Bodenproben zurück zur Erde transportieren.

Es wäre die erste Sonde, die feste Gesteinsproben aus so großer Entfernung zurückbringt. Europas Raumfahrtagentur Esa will das kühne Unternehmen logistisch mit ihren Bodenstationen unterstützen. "Wenn den Russen die Phobos-Mission gelingt", schwärmt René Pischel, Leiter des Moskauer Esa-Büros, "wäre das ein phänomenales Husarenstück."

Vor weiteren Erfolgsmeldungen müssen die Russen allerdings nach wie vor die Tücken der Technik in den Griff bekommen. Sonst drohen peinliche Pannen, wie neulich mit dem Raumschiff "Sojus TMA 21". Weil es Probleme mit dem Kommunikationssystem der Kapsel gab, musste der Start der Kapsel mit zwei Russen und einem Amerikaner an Bord verschoben werden. Aus PR-Gesichtspunkten war das fatal, prangt doch ein großer Name außen am Raumfahrzeug: Gagarin.



insgesamt 21 Beiträge
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KTScholz 11.04.2011
1. schlechter Titel
Der Titel "Phönix aus dem Schrott" ist schon fast eine Beleidigung, weil man ihn so verstehen kann, dass die Russen mit Schrott fliegen. "Phönix aus den Ruinen" entspricht wohl eher dem, was der Autor zu erklären versucht, mit dem Aufbruch eines vom Krieg verwüsteten Landes. Auch auf den Zusammenbruch der Sowjetunion ist es besser mit Ruinen als Schrott anzuspielen, weil ihre Fähigkeiten in Rüstung und Raumfahrt ernstzunehmen waren.
marvinw 11.04.2011
2. Ich finde den Titel eine Frechheit
---Zitat--- Russlands Raumfahrt: Phönix aus dem Schrott....Von Benjamin Bidder und Christoph Seidler.. ---Zitatende--- Ich finde diese Überschrift eine Frechheit. Auch Amerikaner nahmen den Tod ihrer Weltraumfahrer ebanso in Kauf, nicht nur ein Mal. Und die russischen Trägerraketen fliegen immer noch. Die Technik mag veraltet sein: vom Schrott kann da keine Rede sein. Einfache Technik ist oft auch sicherer, siehe die zwei Abstürze der amerikanischen Raumfähre: Columbia, Challenger. Oder soll ich sie als Schrott bezeichnen wie Herr Bidder das tut? PS: Aber für wen ist hier ein Geheimnis dass Herr Bidder zuständig für schlechte Nachrichten aus Rußland ist?
christian200 11.04.2011
3. Russland
Zitat von KTScholzDer Titel "Phönix aus dem Schrott" ist schon fast eine Beleidigung, weil man ihn so verstehen kann, dass die Russen mit Schrott fliegen. "Phönix aus den Ruinen" entspricht wohl eher dem, was der Autor zu erklären versucht, mit dem Aufbruch eines vom Krieg verwüsteten Landes. Auch auf den Zusammenbruch der Sowjetunion ist es besser mit Ruinen als Schrott anzuspielen, weil ihre Fähigkeiten in Rüstung und Raumfahrt ernstzunehmen waren.
Leider ist das üblich in Deutschland alles was mit Russland zu tun hat erst einmal negativ darzustellen. Warum das allerdings so ist, konnte ich mir bisher nicht erklären. In Russland selbst sind Deutsche, bzw. Deutschland sehr hoch angesehen. Darum werde ich von meinen Bekannten dort oft gefragt, warum denn in Deutschland die Berichterstattung über Russland/UdSSR fast ausschliesslich negativ ist.
Tommi16 11.04.2011
4. .................................................. ..............
Zitat von marvinwIch finde diese Überschrift eine Frechheit. Auch Amerikaner nahmen den Tod ihrer Weltraumfahrer ebanso in Kauf, nicht nur ein Mal. Und die russischen Trägerraketen fliegen immer noch. Die Technik mag veraltet sein: vom Schrott kann da keine Rede sein. Einfache Technik ist oft auch sicherer, siehe die zwei Abstürze der amerikanischen Raumfähre: Columbia, Challenger. Oder soll ich sie als Schrott bezeichnen wie Herr Bidder das tut? PS: Aber für wen ist hier ein Geheimnis dass Herr Bidder zuständig für schlechte Nachrichten aus Rußland ist?
Herr B. ist nicht für die schlechten Nachrichten aus Rußland zuständig, sondern für "Nachrichten", die Rußland schlecht machen (sollen). Vielleicht hätte Herr B. erstmal die aktuelle Printausgabe des Spiegels lesen sollen (Interview mit S.Jähn), bevor er er sich an das Thema herangewagt.
Rainer Unsinn 11.04.2011
5. ...
Zitat von sysopVor 50 Jahren startete Jurij Gagarin als erster Mensch ins All. Sein Flug*bescherte*Russland*die Vorherrschaft in der bemannten Raumfahrt. Mit Milliardeninvestitionen will*Moskau diese*Rolle verteidigen - trotz technischer Schwierigkeiten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,754368,00.html
Das ist unsäglich und erbärmlich mit wieviel Herablassung und Verachtung auch heute noch über die teilweise grandiosen Leistungen der Sovjetunion in der Raumfahrt gesprochen wird. Kann man nicht einfach in Würde zurückblicken ohne Neid und Revanchismus? Ich frage mich auch ob Journalisten grundsätzlich so sehr zu einem extremen schwarz-seiss denken neigen oder das eine Voraussetung ist um in der Branche einen Job zu bekommen. Ich für meinen teil habe echt die Nase voll von dieser tendenziellen Berichterstattung. Haben das die Besitzer und Macher der Nachrichtendienst denn immer noch nicht kapitert das der Konsument von Nachrichten in der Welt des Web 2.0 im Kopf schon viel weiter ist? Ich will Informationen lesen die nicht gefiltert werden durch Privatmeinungen oder Ideologien.
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