Samantha Cristoforetti Erste Europäerin übernimmt Kommando auf der ISS

Sie muss die Crew zusammenhalten – Russen wie Amerikaner: Samantha Cristoforetti ist neue Kommandantin der ISS. Dem SPIEGEL sagte sie vor einiger Zeit: »Ich glaube, wir werden das Thema Ukraine einfach nicht ansprechen.«
Samantha Cristoforetti im Inneren des Bigelow Expandable Activity Module (BEAM) beim Verstauen der Fracht

Samantha Cristoforetti im Inneren des Bigelow Expandable Activity Module (BEAM) beim Verstauen der Fracht

Foto: dpa

Die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti hat die Rolle der Kommandantin auf der Internationalen Raumstation ISS übernommen. Sie ist die erste Frau aus Europa in der Funktion. Mit der Übergabe eines symbolischen Schlüssels trat Cristoforetti die Nachfolge des russischen Raumfahrers Oleg Artemyev an. Die Italienerin tritt in die Fußstapfen von vier vorherigen europäischen Kommandanten, darunter der deutsche Astronaut Alexander Gerst.

Als Kommandantin muss Cristoforetti unter anderem dafür sorgen, dass die Crew zusammenhält und die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen auf der Erde gut funktioniert. Cristoforetti dankte in der direkt von der Raumstation übertragenen Übergabezeremonie ihrem Vorgänger sowie dem Team, mit dem sie dort seit Monaten schon zusammenarbeitet.

Cristoforetti wird laut Esa auch die Übergabe an das nächste Team aus Astronautinnen und Astronauten auf der ISS vorbereiten. Die Italienerin hält sich seit Ende April im Rahmen der Minevera-Mission zum zweiten Mal auf der ISS auf. Sie betreut dort europäische und internationale Experimente unter anderem zu medizinischen und materialwissenschaftlichen Fragen.

Dass Cristoforetti als Kommandantin übernimmt, ist nicht die erste Premiere für sie: Die 45-Jährige ist die erste italienische Frau im Weltall. Außerdem hat sie im Sommer als erste europäische Frau die Internationale Raumstation ISS für einen mehrstündigen Außeneinsatz verlassen. Bilder der US-Raumfahrtbehörde Nasa zeigten, wie die Italienerin zusammen mit ihrem russischen Kollegen Oleg Artemjew zum Spaziergang im All aufbrach. Die ehemalige Luftwaffenpilotin gilt zudem seit ihrer ersten ISS-Mission von 2014 bis 2015 als Rekordhalterin: Damals verbrachte sie fast 200 Tage im All und ist somit laut der Esa die Frau, die sich am längsten ununterbrochen im Weltraum aufgehalten hat.

Cristoforetti war im April zu ihrem zweiten Einsatz auf der ISS aufgebrochen. Vor ihrem Abflug zur ISS – wenige Wochen nachdem Russland die Ukraine angegriffen hatte – sprach Cristoforetti mit dem SPIEGEL. »Ich glaube, wir werden das Thema Ukraine einfach nicht ansprechen«, sagte sie damals. »Wir haben da oben einen Job zu erledigen. Es war schon immer so, dass man sich auf der Raumstation über Politik nicht groß unterhalten hat.«

ani/dpa/AFP
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