Satellit "Ibex" Schutzschild-Späher ist gestartet

Wie ist die Grenze des Sonnensystems beschaffen? Diese Frage soll der Satellit "Ibex" beantworten, der am Sonntag ins All gestartet ist. Zwei Jahre lang soll der Satellit jene Region erkunden, die vor der gefährlichen Strahlung des Weltalls schützt.


Über den Rand des Sonnensystems wissen Forscher nur wenig. Zwei "Voyager"-Sonden haben es bislang bis dahin geschafft - nach über 20 Jahren Flug. Am Sonntag ist nun der Satellit "Ibex" gestartet, um den unbekannten Grenzbereich zu erkunden. Eine Rakete vom Typ Pegasus brachte den 462 Kilogramm schweren "Interstellar Boundary Explorer" (etwa: Erforscher der interstellaren Grenzen) vom Kwajalein-Atoll im Pazifik auf eine Umlaufbahn.

"Ibex" wird allerdings nicht etwa "Voyager 1" und "Voyager 2" folgen - vielmehr bleibt die Sonde zwei Jahre lang in einem Orbit um die Erde. Mit Spezialinstrumenten soll "Ibex" erstmals kartographische Informationen über den sogenannten Termination Shock liefern - die Grenze des Sonnensystems zum interstellaren Raum. In dem Gebiet kollidieren heiße Sonnenwinde mit Teilchen aus anderen Regionen der Milchstraße. Außerdem pulsieren dort mehrere starke Magnetfelder.

"Die Region an der Grenze des Sonnensystems ist von großer Bedeutung, denn sie schützt uns weitgehend vor der gefährlichen kosmischen Strahlung", sagte David McComas, einer der Hauptverantwortlichen für die "Ibex"-Mission. Wenn diese Strahlung in die Erdumlaufbahn gelangte, würde dies die bemannte Raumfahrt erheblich gefährlicher machen.

Die Nasa erklärt die Funktionsweise des fliegenden Spähers mit einer Maltechnik. Die Impressionisten hätten ihre Bilder aus vielen kleinen Farbtupfern zusammengesetzt - und so soll es auch "Ibex" halten: Der Satellit werde den ständigen Fluss von schnellen Atomen aus dem Bereich des Termination Shock nach und nach zu einem vollständigen Bild zusammensetzen.

Die Bahnhöhe von "Ibex" variiert zwischen 7000 und mehr als 300.000 Kilometern. Damit fliegt die Sonde zumindest teilweise außerhalb der Magnetosphäre der Erde, die auf der Tagseite in etwa 60.000 Kilometern Entfernung vom Erdmittelpunkt endet, auf der Nachtseite unseres Planeten allerdings bis zu 600.000 Kilometer ins All reichen kann. Um die eigentliche Himmelsbeobachtung wird sich "Ibex" nur während der Zeit kümmern, in der er außerhalb des Erdmagnetfelds unterwegs ist, weil die Messungen dann nicht verfälscht werden.

Die Forscher wissen bislang wenig über die Region, die einzigen Informationen stammen von den 1977 ins All geschossenen "Voyager"-Sonden. Die Raumsonde "Voyager 1" war vor fast vier Jahren im Bereich des Termination Shock. "Voyager 2" folgte dann im vergangenen Jahr - und durchquerte die turbulente Grenze gleich fünfmal, weil diese sich ähnlich wie Wellen am Strand immer hin- und herbewegt. Bis heute senden die betagten Raumsonden Daten. Weil die Plutonium-Generatoren immer schwächer werden, dürfte der Kontakt aber bis 2020 abbrechen.

hda/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.