Satellit "SMOS" Europäer starten einzigartige Wasser-Mission

Drei Jahre lang soll der europäische Satellit "SMOS" die Bodenfeuchtigkeit der Landflächen und den Salzgehalt der Ozeane messen - und damit Meteorologen und Klimaforschern bei der Arbeit helfen. Der Start des Observatoriums verlief ohne Probleme.

dpa

Plessezk - Die Europäische Weltraumorganisation Esa hat eine bisher einmalige Wasser-Mission auf den Weg gebracht. Eine "Rockot"-Trägerrakete brachte den Satelliten "SMOS" ("Soil Moisture and Ocean Salinity") am frühen Montagmorgen vom nordrussischen Militärkosmodrom Plessezk ins All. Der Satellit soll drei Jahre lang die Bodenfeuchtigkeit der Landflächen und den Salzgehalt der Ozeane messen - und auf diese Weise Informationen über den Wasseraustausch sammeln.

"Da dieser Austausch, der zu einem Großteil in abgelegenen Gebieten vonstattengeht, sich direkt auf das Wetter auswirkt, ist er für Meteorologen von höchster Bedeutung", erklärte der für die Mission zuständige Esa-Direktor Volker Liebig. Der Salzgehalt sei zudem einer der Motoren der Meereszirkulation, die für den Wärmeaustausch zwischen den Weltmeeren verantwortlich ist. "Auf die Möglichkeit der Überwachung dieses Phänomens warten Klimatologen, die versuchen, die langfristigen Auswirkungen des derzeitigen Klimawandels vorherzusagen, schon lange", so Liebig.

Als Nebenaufgabe soll der Satellit außerdem schnee- und eisbedeckte Regionen beobachten. Für die 315 Millionen Euro teure "SMOS"-Mission haben Ingenieure und Wissenschaftler ein völlig neues Messinstrument, ein sogenanntes interferometrisches Radiometer entwickelt. Das Gerät mit dem Namen MIRAS misst Bodenfeuchtigkeit und Salzgehalt über die von der Erdoberfläche reflektierte Mikrowellenstrahlung. Möglich ist dies, weil sich die elektromagnetischen Eigenschaften von feuchter und trockener Erde beziehungsweise Süßwasser und Salzwasser unterscheiden.

Erste nutzbare Daten im kommenden Frühjahr

"SMOS" wird die Erde auf einer sonnensynchronen Polarbahn in 758 Kilometern Höhe umkreisen. Läuft alles wie geplant, wird SMOS künftig 14 Mal am Tag die Erde umrunden. Aufgrund der Erdrotation deckt er so nach und nach die gesamte Erdoberfläche ab. Nach der Einstellung des Messgeräts sollen im Frühjahr kommenden Jahres die ersten Daten veröffentlicht werden.

Nach dem erfolgreichen Start des Schwerefeldsatelliten "GOCE" ("Gravity Field and Steady-State Ocean Circulation Explorer") im März dieses Jahres ist "SMOS" die zweite Erdforschungsmission der Esa innerhalb ihres Programms "Lebender Planet". Es war 2002 nach dem Start des größten jemals gebauten Erdbeobachtungssatelliten "Envisat" aufgelegt worden, um mit Spitzentechnologien bei moderaten Kosten eine rasche Antwort auf wichtige wissenschaftliche Fragen zu finden. Ende Februar kommenden Jahres soll im Rahmen des Programmes auch der Satellit "Cryosat 2" starten, der sich speziell um die Eiskappen der Pole kümmern soll.

Gemeinsam mit dem "SMOS"-Satelliten brachte die Trägerrakete vom Typ Rockot den 135 Kilogramm leichten Kleinsatelliten "Proba 2" ins All. Mit seiner Hilfe sollen neue Raumfahrttechnologien unter realen Bedingungen getestet werden, zum Beispiel Miniatursensoren für künftige Esa-Raumsonden, eine hochmoderne Kamera mit einem Betrachtungswinkel von rund 120 Grad und ein Forschungsinstrument zur Beobachtung der Sonne. "Auf diesen erfolgreichen Doppelstart, dank dem Europa über neue Werkzeuge für ein besseres Verständnis unseres Planeten und des Klimawandels verfügt, sind wir besonders stolz", erklärte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.

chs/dpa/ddp



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