Satellitenbild der Woche Lebenszeichen aus 770 Kilometer Höhe

Der Satellit "Worldview 2" liefert Bilder in extrem hoher Auflösung. Doch irgendwas muss ihm in dieser Woche zugestoßen sein - wurde er von Weltraumschrott getroffen?

Innenstadt von Oakland von "Worldview 2" aus gesehen
Google Earth/ DigitalGlobe

Innenstadt von Oakland von "Worldview 2" aus gesehen


Aus rund 770 Kilometern Höhe hat der kommerzielle Erdbeobachtungssatellit "Worldview 2" alles im Blick. Seit seinem Start im Oktober 2009 überfliegt er die Erde. Er braucht etwas mehr als einen Tag, um die gesamte Oberfläche abzulichten.

Die Auflösung der Bilder liegt normalerweise unter einem halben Meter. Selbst kleine Details lassen sich so gut erkennen. Zu den Kunden des Betreibers Digital Globe gehören neben der US-Regierung, die für die Hälfte der Satellitenkapazität zahlt, auch Unternehmen wie Google. Auch einen Deal mit dem Fahrdienst Uber hat die Firma gerade verkündet.

Irgendwo auf seiner Bahn muss "Worldview 2" allerdings in dieser Woche etwas zugestoßen sein - wenngleich Experten immer noch rätseln, was genau eigentlich. Das Joint Space Operations Center, eine auf der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien untergebrachte Abteilung des US-Verteidigungsministeriums, erklärte jedenfalls am Dienstag, am Satelliten habe es ein Ereignis gegeben, bei dem insgesamt acht Trümmerteile entstanden seien.

Auf Twitter spekulierten Beobachter unter anderem darüber, ob "Worldview 2" womöglich von einem Mikrometeoriten getroffen wurde. Unplausibel wäre das nicht - unzählige Trümmerteile umkreisen die Erde und sind längst zur Gefahr für Satelliten geworden.

Interessant ist allerdings, dass "Worldview 2" offenbar auch nach besagtem Ereignis weiter funktions- und manövrierfähig ist. Auch das berichtete das US-Militär umgehend - ebenso wie der Betreiber, der entsprechende Tweets absetzte. Um zu zeigen, dass das Gerät tatsächlich noch lebt, veröffentlichte die Firma auch gleich noch ein Foto als Lebenszeichen - und zwar das oben gezeigte. Es zeigt die kalifornische Stadt Oakland.

In der rechten oberen Bildecke ist ein Zipfel des insgesamt 63 Hektar großen Lake Merrit zu sehen, das ist eine Gezeitenlagune am Ostrand des Stadtzentrums. Er ist unter anderem für eine umlaufende Beleuchtung bekannt, die "Necklace of Lights", "Halskette aus Licht", genannt wird. Zwischen 126 Laternenmasten hängen insgesamt 4000 einzelne Lampen.

Das weiße Gebäude in Seenähe mit dem markanten Turm ist der Alameda County Superior Court, der für eine gut 2000 Quadratkilometer große Region um die Stadt zuständig ist. Unterhalb davon liegt das Gelände des Oakland Museum of California.

Beim Start von "Worldview 2" hatte der Betreiber die erwartete Lebenszeit des Satelliten mit sieben Jahren angegeben. Dieser Zeitraum wäre beinahe erreicht. Falls das Gerät nun also doch noch endgültig ausfällt, wäre das wohl zu verschmerzen. Ein Nachfolger wurde jedenfalls schon im August 2014 gestartet - und "Worldview 4" soll im September abheben.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

chs



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